
Tierhaltung – wohin führt der Weg?
Mit den bevorstehenden neuen Betriebsvorschriften der Industrieemissionsrichtlinie (IED) der EU für Betriebe der Intensivtierhaltung werden auch für Geflügelhalter neue Emissionswerte und Tierplatzzahlen gelten. Umwelt- sowie tierwohlrechtliche Fragen wurden auf den KTBL-Tagen in Bamberg diskutiert.
von KTBL, DGS Quelle KTBL erschienen am 01.04.2026Mit über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern waren die KTBL-Tage am 24. und 25. März in Bamberg restlos ausgebucht. Das Thema der Veranstaltung „Tierhaltung – wohin führt der Weg?“ stieß auf großes Interesse aus Fachkreisen.
Bereits im Grußwort des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Hei-mat (BMLEH) unterstrich Dr. Steffen Beerbaum, Leiter des Referats „Digitalisierung in der Landwirtschaft“ die zentrale Bedeutung verlässlicher politischer Rahmenbedin-gungen für die Weiterentwicklung der Nutztierhaltung: „Wir unterstützen Landwirte bei Investitionen in die tiergerechte Haltung und setzen uns für verlässliche Rahmenbe-dingungen und Planungssicherheit in der Nutztierhaltung ein.“ Da die Landwirtschaft rund 8 % der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen verursacht, kommt ihr eine bedeutende Rolle zur Erreichung der Klimaziele zu. Die erforderlichen Minde-rungsstrategien können jedoch nur dann erfolgreich sein, wenn sie nachweislich ökologisch wirksam und ökonomisch tragfähig sind.
Standortfragen bestimmen den Kurs
In wenigen Monaten wird die EU-Kommission im Rahmen der Industrieemissions-richtlinie (IED) neue Betriebsvorschriften für tierhaltende Betriebe in der Intensivtier-haltung erlassen. Für die Schweine- und Geflügelhaltung werden dann auch neue Emissionswerte und Tierplatzzahlen gelten.
Standortfragen gewinnen weiter an Gewicht. Besonders frei belüftete Ställe erfordern aufgrund der Anforderungen an Ammoniak- und Geruchsemissionen eine sorgfältige Standortwahl. Wichtig für das Betreiben dieser sogenannten Tierwohlställe sind neben dem Standort auch das Management. Dies konnte eindrucksvoll am Beispiel eines Veredlungsbetriebs dargestellt werden. Zugleich bleibt die Genehmigungspraxis eine zentrale Herausforderung. Diskutiert wurden Ansätze zur Vereinfachung von Verfahren, um Tierwohlumbauten schneller und rechtssicher umzusetzen.
Wandel zur Nachhaltigkeit und neue Vermarktungswege
Damit Agrar- und Ernährungssysteme den Herausforderungen von morgen standhal-ten, sind neue Wege gefragt – von der nachhaltigen Produktion über differenzierte Vermarktungsstrategien bis hin zu vielfältigen betrieblichen Konzepten. In diesem Umfeld können gut eingeführte Label eine gewisse Lenkungswirkung entfalten.
Vermarktungskonzepte in regionalen Wertschöpfungsketten erweisen sich als weiterer vielversprechender Weg, da sie Transparenz schaffen und die Verbindung zwischen Erzeugung und Verbrauch stärken.
In der Schlussbetrachtung betonte KTBL-Präsidentin Prof. Dr. Nicole Kemper, dass es vor allem darauf ankommt, das bereits umfangreiche Wissen wirksam in die Breite zu überführen – durch zielgruppengerechte Kommunikation und integrative Ansätze, die den Austausch zwischen den Akteuren in der Landwirtschaft stärken.
Der Tagungsband mit allen Beiträgen ist kostenfrei online abrufbar. Einige für Geflügelhalter besonders interessante Beiträge sind hier aufgezählt:
- Welche Zukunft hat die Nutztierhaltung im Spannungsfeld zwischen Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftlichen Ansprüchen? Harald Grethe
- Was bedeuten die geplanten Betriebsvorschriften der europäischen Industrieemissionsrichtlinie (IED) für die Tierhaltung? Stefan Neser, Ewald Grimm
- Der „richtige“ Standort? – Anforderungen hinsichtlich Ammoniak und Geruch bei frei belüfteten Ställen. Eberhard Hartung, Brigitte Eurich-Menden, Ewald Grimm
- Genehmigungspraxis für Tierwohlställe: Rechtliche Herausforderungen und Beschleunigungspotenzial für kleine und große Betriebe. Anil Abay
- Vielfalt statt Spezialisierung – ein schwäbischer Betrieb mit Legehennenhaltung stellt sich vor. Uschi Gorzelany
- Tierwohl in Balance – vom Wissen zur Wirkung. Überlegungen zur Zukunft der Nutztierhaltung. Nicole Kemper










