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Tierseuchen und Aufstallungspflicht

Wenn Seuchen wieder näher rücken

Aviäre Influenza, Newcastle Disease und die Frage, wie Hennen eine längere Aufstallung gut überstehen.

von Vivien Kring, DGS-Redaktion erschienen am 20.03.2026
Müssen die Hennen wegen Aviärer Influenza oder Newcastle Disease im Stall bleiben, entscheidet das Management über die Ruhe im Bestand. Beschäftigungsmaterial, Struktur im Stall und ausreichend Aktivität helfen, Federpicken und Stress zu vermeiden. © 2025 Mcklin/Shutterstock
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In mehreren Regionen Europas und auch in Deutschland sind in den vergangenen Monaten wieder Fälle der Newcastle Disease aufgetreten. Gleichzeitig zirkuliert weiterhin das Virus der Aviären Influenza in Wildvogelpopulationen. Für Geflügelhalter entsteht daraus eine Lage, die viele Betriebe nur zu gut kennen: Die Gefahr eines Eintrags ist real, und im Ernstfall greifen sofort weitreichende Maßnahmen.

Gerade in solchen Situationen lohnt sich ein genauer Blick auf zwei Fragen. Erstens: Warum breiten sich diese Viren im Geflügel so schnell aus? Und zweitens: Was bedeutet eine mögliche Aufstallungspflicht für den Alltag im Stall? Im Rahmen eines Fachwebinars beleuchteten Dr. Uta Wettlaufer-Zimmer vom Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz, Dr. Christiane Keppler sowie Inga Garrelfs vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen genau diese Punkte und gaben einen Überblick über die Virusbiologie bis zur praktischen Stallführung.

Warum sich diese Viren so schnell verbreiten

Dr. Uta Wettlaufer-Zimmer erläuterte die Eigenschaften der Viren, und warum gerade Geflügelbestände besonders empfindlich darauf reagieren. Influenzaviren besitzen eine äußere Hülle. In dieser Hülle sitzen Eiweiße, die wie kleine Andockstellen wirken. Sie ermöglichen es dem Virus, sich an Zellen im Körper des Tieres anzulagern. Sobald diese Verbindung hergestellt ist, dringt das Virus in die Zelle ein und beginnt, sich zu vermehren. Innerhalb kurzer Zeit entstehen zahlreiche neue Viruspartikel. Diese verlassen die Zelle wieder und infizieren weitere Zellen im Körper. Dabei scheidet das Tier gleichzeitig große Virusmengen über die Atemluft und den Kot aus. Außerdem binden sich die Viren an den Staub. Das erklärt, warum sich eine Infektion im Stall so schnell ausbreiten kann. In dicht besetzten Beständen und bei Tieransammlungen, wie zuletzt bei den Kranichen beim gemeinsamen Winterzug, genügt oft ein einzelnes infiziertes Tier.

Influenzaviren gehören zu den RNA-Viren. Ihr Erbgut besteht nicht aus einem einzigen Strang, sondern aus mehreren getrennten Genabschnitten. Beim Influenzavirus sind es acht Segmente. Diese Struktur macht das Virus besonders anpassungsfähig. Bei jeder Vermehrung kopiert das Virus sein Erbgut. Dieser Kopiervorgang funktioniert jedoch nicht fehlerfrei. Immer wieder entstehen kleine Veränderungen in einzelnen Genen. Die meisten davon bleiben ohne größere Folgen, einige verändern jedoch die Eigenschaften des Virus. In der Virologie spricht man hier von Antigendrift. Solche kleinen Veränderungen können ausreichen, damit ein Virus von dem Immunsystem eines Tieres schlechter erkannt wird. Deshalb tauchen Influenzaviren immer wieder in leicht veränderter Form auf.

3D-Darstellung eines H5N1-Influenzavirus. Auf der Oberfläche der Viruspartikel sitzen die beiden Glykoproteine Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N). Hämagglutinin ermöglicht das Andocken an die Wirtszelle, Neuraminidase unterstützt später die Freisetzung neu gebildeter Viruspartikel. Im Inneren befinden sich die acht RNA-Genomsegmente, die das Erbgut des Virus tragen.
3D-Darstellung eines H5N1-Influenzavirus. Auf der Oberfläche der Viruspartikel sitzen die beiden Glykoproteine Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N). Hämagglutinin ermöglicht das Andocken an die Wirtszelle, Neuraminidase unterstützt später die Freisetzung neu gebildeter Viruspartikel. Im Inneren befinden sich die acht RNA-Genomsegmente, die das Erbgut des Virus tragen. © 2024 Lightspring/Shutterstock

Ein zweiter Mechanismus kann noch deutlich stärkere Veränderungen auslösen. Wenn zwei verschiedene Influenzaviren gleichzeitig dieselbe Zelle infizieren, können sich ihre acht Genabschnitte neu kombinieren. Beim Zusammenbau neuer Viruspartikel werden dann einzelne Segmente ausgetauscht. Aus zwei Viren entsteht so eine neue genetische Mischung. Dieser Vorgang wird Antigenshift genannt.

Gerade dieser Austausch von Genabschnitten erklärt, warum Influenzaviren gelegentlich plötzlich neue Eigenschaften entwickeln können. Deshalb sollte nach Möglichkeiten gesucht werden, die verhindern, dass nicht mehrere Influenzaviren gleichzeitig in Beständen kursieren.

Warum gerade H5 und H7?

Influenzaviren werden nach zwei Oberflächenstrukturen eingeteilt: Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N). Bisher sind 16 verschiedene H-Typen und 9 N-Typen bekannt. Daraus entstehen Kombinationen wie H5N1 oder H7N7. Die meisten dieser Varianten verursachen bei Geflügel zunächst nur milde Krankheitsverläufe. Man spricht dann von niedrigpathogenen Viren. Bei den Subtypen H5 und H7 besteht jedoch eine Besonderheit. Diese Viren können sich im Geflügelbestand verändern und dabei hochpathogen werden.

Der Grund liegt in einer bestimmten Stelle des Hämagglutinin-Proteins. Dort kann sich durch Mutationen eine Sequenz bilden, die es dem Virus ermöglicht, verschiedene Gewebe im Körper zu infizieren. Aus einem zunächst harmlosen Virus wird dann ein hochpathogener Stamm. Deshalb gelten H5- und H7-Nachweise bereits als seuchenrechtlich relevant. Selbst wenn ein Virus zunächst nur niedrigpathogen ist, müssen Behörden reagieren. Aus diesen Varianten können sich unter bestimmten Bedingungen hochpathogene Geflügelpestviren entwickeln. Andere Subtypen wie H9 treten ebenfalls in Geflügelbeständen auf. Sie bleiben jedoch in der Regel niedrigpathogen und führen nicht zu den schweren Krankheitsverläufen, die man bei H5- oder H7-Ausbrüchen beobachtet.

Newcastle Disease trotz Impfung?

Neben der Aviären Influenza spielt derzeit auch eine zweite Viruskrankheit eine Rolle: die Newcastle Disease. Viele Geflügelhalter kennen sie noch unter dem älteren Namen atypische Geflügelpest. Verursacht wird sie durch ein Paramyxovirus. Anders als Influenzaviren besitzt dieses Virus kein segmentiertes Erbgut. Die genetischen Veränderungen laufen deshalb langsamer ab, dennoch kann sich das Virus an neue Bedingungen anpassen und unterschiedliche Krankheitsverläufe verursachen.

Der wichtigste Unterschied zur Aviären Influenza liegt jedoch in der Bekämpfungsstrategie. Gegen Newcastle Disease besteht in Deutschland Impfpflicht für Geflügelbestände. Diese Pflicht gilt nicht nur für große Betriebe, sondern auch für kleinere Haltungen. Dr. Christiane Keppler vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen wies im Webinar darauf hin, dass genau hier immer wieder Probleme entstehen. Die meisten Ausbrüche lassen sich nicht auf fehlende Impfstoffe zurückführen, sondern auf Lücken im Management. Wird der Impfzeitpunkt bei Jungtieren versäumt oder der Impfstoff im Trinkwasser nicht korrekt verabreicht, bleibt ein Teil der Tiere ohne ausreichenden Schutz. Auch in kleineren Haltungen wird die Impfung nicht immer konsequent durchgeführt. Solche Lücken reichen aus, damit sich das Virus in einer Region wieder festsetzen kann.

Der Infektionsdruck entsteht häufig durch Tierverkehr, Transportkisten oder unzureichende Hygienemaßnahmen. Newcastle-Viren verbreiten sich – ähnlich wie Influenzaviren – über Kot, Staub und Atemsekrete. Gelangt das Virus in einen Bestand, kann es sich innerhalb kurzer Zeit ausbreiten.

Krankheitsanzeichen und Folgen im Bestand

Der Verlauf einer Newcastle-Infektion kann sehr unterschiedlich sein. Häufig beginnt die Erkrankung mit Atemproblemen. Die Schleimhäute entzünden sich, Tiere wirken matt und zeigen verstärkte Atembewegungen. Gleichzeitig sinkt oft die Legeleistung, und die Eier weisen dünnere oder heller gefärbte Schalen auf. In manchen Beständen fällt außerdem grünlicher Durchfall auf.

Typisch sind auch Störungen des Nervensystems. Tiere halten den Kopf verdreht oder bewegen ihn ruckartig. Diese Symptome entstehen, weil das Virus das Nervengewebe angreift. In schweren Fällen steigt die Sterblichkeit im Bestand deutlich an. Bei geimpften Tieren verläuft die Krankheit meist milder, dennoch können Leistungseinbußen auftreten.

Verdrehte Kopfhaltung und unkoordinierte Bewegungen gehören zu den typischen neurologischen Symptomen der Newcastle Disease. Das Virus greift das Nervensystem an, wodurch Tiere den Kopf schief halten oder ruckartig bewegen. Neben Atemproblemen und einem Einbruch der Legeleistung zählen solche Störungen zu den auffälligsten Krankheitsanzeichen im Bestand.
Verdrehte Kopfhaltung und unkoordinierte Bewegungen gehören zu den typischen neurologischen Symptomen der Newcastle Disease. Das Virus greift das Nervensystem an, wodurch Tiere den Kopf schief halten oder ruckartig bewegen. Neben Atemproblemen und einem Einbruch der Legeleistung zählen solche Störungen zu den auffälligsten Krankheitsanzeichen im Bestand. © 2019 tupaiterbang/Shutterstock

Newcastle Disease gehört zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen. Wird ein Ausbruch bestätigt, greifen dieselben grundlegenden Maßnahmen wie bei der Geflügelpest. Der Bestand wird gesperrt, die Tiere werden in der Regel getötet, und um den Betrieb werden Sperr- und Überwachungszonen eingerichtet. Genau deshalb bleibt die konsequente Impfung der wichtigste Schutz gegen diese Krankheit. Sie verhindert nicht jede Infektion, reduziert aber deutlich das Risiko schwerer Krankheitsverläufe und größerer Ausbrüche.

Was passiert, wenn ein Verdacht gemeldet wird

Sobald in einem Geflügelbestand ungewöhnlich viele Tiere sterben oder die Leistung deutlich einbricht, greift das Tiergesundheitsrecht, erklärte Dr. Christiane Keppler. Der Tierhalter meldet den Verdacht zunächst dem Veterinäramt. Der Betrieb wird umgehend gesperrt. Dann entnehmen Tierärzte Proben und schicken diese in ein Landeslabor, wo geprüft wird, ob Influenzaviren oder Newcastle-Viren nachweisbar sind. Bestätigt sich der Verdacht, übernimmt das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) die weitere Diagnostik. Das FLI ist das nationale Referenzlabor für diese Tierseuchen. Dort wird genau bestimmt, um welchen Virustyp es sich handelt. Parallel beginnt die epidemiologische Untersuchung. Fachleute analysieren, welche Kontakte der Betrieb hatte und ob weitere Bestände gefährdet sein könnten. Wenn ein Ausbruch bestätigt wird, folgen die bekannten Maßnahmen der Tierseuchenbekämpfung: Der Bestand wird geräumt, Schutz- und Überwachungszonen werden eingerichtet, und Kontaktbetriebe werden kontrolliert.

Bei Verdacht auf Aviäre Influenza oder Newcastle Disease greifen sofort die Maßnahmen des Tierseuchenrechts. Veterinärbehörden sichern den Betrieb, entnehmen Proben und klären den Befund im Labor ab. Bestätigt sich der Ausbruch, folgen Räumung des Bestandes sowie Schutz- und Überwachungszonen rund um den Betrieb.
Bei Verdacht auf Aviäre Influenza oder Newcastle Disease greifen sofort die Maßnahmen des Tierseuchenrechts. Veterinärbehörden sichern den Betrieb, entnehmen Proben und klären den Befund im Labor ab. Bestätigt sich der Ausbruch, folgen Räumung des Bestandes sowie Schutz- und Überwachungszonen rund um den Betrieb. © 2023 TLF/Shutterstock

Wenn Aufstallung angeordnet wird und Freilandhennen plötzlich im Stall bleiben müssen

Eine der wichtigsten Maßnahmen zur Eindämmung von Tierseuchen, insbesondere der Aviären Influenza, ist die Aufstallung. Sie soll verhindern, dass Hausgeflügel mit infizierten Wildvögeln in Kontakt kommt. Die Geflügelpest-Verordnung erlaubt den Behörden, Geflügelhalter zu verpflichten, ihre Tiere im Stall zu halten oder Ausläufe vollständig zu überdachen. Netze oder Gitter sind erlaubt, solange sie ausreichend engmaschig sind. Der Kontakt mit dem Kot von Wildvögeln sollte ausgeschlossen werden.

Für viele Freilandbetriebe bedeutet das eine deutliche Veränderung im Stallalltag. Hennen, die normalerweise große Flächen nutzen, müssen plötzlich dauerhaft im Stall bleiben. Für sie ist die Aufstallung mehr als nur ein organisatorischer Eingriff. Der Tagesablauf verändert sich damit komplett. Draußen verbringen die Tiere einen großen Teil ihrer Zeit mit Futtersuche. Sie laufen, scharren, picken Pflanzenreste oder Insekten aus dem Boden. Diese Aktivitäten strukturieren den ganzen Tag. Fällt der Auslauf weg, verschwindet genau dieser Teil des Verhaltens. Die Tiere haben plötzlich deutlich weniger zu tun. Im Stall entsteht dann eine Situation, die viele Halter aus früheren Aufstallungsphasen kennen: Unruhe breitet sich im Bestand aus.

Inga Garrelfs vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen beschreibt das sehr klar. Wenn Hennen ihren gewohnten Bewegungsraum verlieren, reagieren sie häufig mit Federpicken. Einzelne Tiere beginnen damit, an Federn von Artgenossen zu ziehen. Wird dieses Verhalten nicht früh unterbrochen, kann es sich rasch im gesamten Bestand etablieren.

Besonders kritisch wird es vor den Auslaufluken. Die Tiere kennen diesen Bereich als Zugang zum Freiland. Bleibt die Klappe geschlossen, sammeln sich dort oft große Gruppen. Der Druck im Bestand steigt, Tiere drängen sich nach vorne, rangniedrige Hennen geraten unter die anderen. In ungünstigen Situationen kommt es sogar zu Erdrückungen. Genau deshalb beginnt gutes Aufstallungsmanagement nicht erst, wenn Probleme sichtbar werden. Entscheidend ist, den Tieren möglichst schnell Ersatz für das verlorene Suchverhalten anzubieten.

Beschäftigung muss das Suchverhalten ansprechen

Hennen sind keine Tiere, die einfach nur Futter aufnehmen. Ein großer Teil ihrer Aktivität besteht darin, nach Futter zu suchen. Dieses Verhalten bleibt auch im Stall bestehen.

Garrelfs empfiehlt deshalb ein einfaches Prinzip: Beschäftigungsmaterial sollte immer zusätzlich zum normalen Futter angeboten werden. Sie spricht von „On-top“-Fütterung. Das Alleinfutter bleibt die Basis. Das Beschäftigungsmaterial wirkt eher wie ein Nachtisch. Entscheidend ist die Struktur des Materials. Luzerneballen, Stroh oder auch grobe Futterkomponenten zwingen die Tiere dazu, länger zu picken und zu scharren. Dadurch bleiben sie beschäftigt. Gleichzeitig verteilt sich die Aktivität im Stall, statt sich auf einzelne Bereiche zu konzentrieren. Auch kleine Mengen Körner wie Spelzhafer oder Maissilage können sinnvoll sein, wenn sie großzügig in der Einstreu verstreut werden. Die Tiere beginnen dann automatisch zu scharren. Ein Verhalten, das sie draußen ohnehin ständig zeigen würden. Bei Maissilage muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Qualität top ist und keine Wildvögel ans Silo kommen.

Gekochte Kartoffeln eigenen sich gut als Beschäftigungsmaterial. Die Hennen können hier ihr Pick- und Scharrverhalten voll ausleben.
Gekochte Kartoffeln eigenen sich gut als Beschäftigungsmaterial. Die Hennen können hier ihr Pick- und Scharrverhalten voll ausleben. © Inga Garrelfs

Wichtig ist allerdings die Menge. Solche Materialien sollen beschäftigen, nicht die Nährstoffaufnahme verändern. Deshalb empfiehlt Garrelfs eher strukturreiche, energiearme Komponenten. Ein häufiger Fehler in der Praxis besteht darin, Beschäftigungsmaterial einmal auszulegen und dann liegen zu lassen. Hennen verlieren schnell das Interesse an Dingen, die sich nicht verändern.

Strohballen, Luzerne oder Pickblöcke wirken deutlich länger attraktiv, wenn sie regelmäßig versetzt oder ersetzt werden. Schon kleine Veränderungen können den gesamten Bestand wieder aktivieren. Auch die Position im Stall spielt eine Rolle. Wird Material immer an derselben Stelle angeboten, sammeln sich dort große Gruppen von Tieren. Besser ist es, die Beschäftigung über den Stall zu verteilen.

Vorsicht bei langfaserigem Material

Nicht jedes Material eignet sich für diese Zwecke. Besonders lange Pflanzenfasern können zu Problemen führen. Das Verdauungssystem des Huhns arbeitet mit zwei Mägen. Im Drüsenmagen beginnt die chemische Verdauung, anschließend übernimmt der Muskelmagen die mechanische Zerkleinerung. Gelangen sehr lange Halme in diesen Bereich, können sie sich zu festen Bündeln aufrollen.

Solche sogenannten Magenwickler blockieren im Extremfall den Verdauungstrakt. Garrelfs zeigte im Webinar mehrere Beispiele aus der Praxis. In geöffneten Muskelmägen finden sich dann dichte Faserknäuel, die sich nicht mehr weitertransportieren lassen. Aus diesem Grund rät Garrelfs davon ab Heu, Heulage oder Grassilage als Beschäftigungsmaterial einzusetzen. Diese Materialien können zu Kropfwicklern führen, die in der Praxis eher bekannt sind, weil man es den betroffenen Tieren direkt am vergrößerten Kropf ansieht. Damit keine Wickler entstehen sollten besser kurzfaserige Materialien wie Luzerne eingesetzt werden. Stroh eignet sich ebenfalls, weil die Halme leicht brechen und nicht in der ganzen Länge abgeschluckt werden. Der Einsatz von säureunlöslichen Magensteinchen ist für eine Zerkleinerung der Partikel im Muskelmagen besonders wichtig. Anfangs sollten diese breitwürfig in die Einstreu gegeben werden, später, wenn die Tiere daran gewöhnt sind, können Spender aufgestellt werden. Kurzfaserige Materialien oder strukturierte Futtermittel, die sich im Muskelmagen problemlos zerkleinern lassen, sind geeignet.

Auch die Stallstruktur spielt eine Rolle

Neben dem Futter beeinflusst auch die Stallgestaltung das Verhalten der Tiere. Hennen nutzen erhöhte Plätze gern als Rückzugsorte. Zusätzliche Sitzstangen, beispielsweise im Wintergarten, können deshalb helfen, den Bestand ruhiger zu halten. Rangniedrige Tiere nutzen tagsüber vermehrt erhöhte Standorte um zu ruhen.

Sitzstangen sollten im überdachten Bereich angeboten werden. Sie strukturieren den Raum vertikal und werden von den Hennen als zusätzliche Rückzugsmöglichkeiten genutzt.
Sitzstangen sollten im überdachten Bereich angeboten werden. Sie strukturieren den Raum vertikal und werden von den Hennen als zusätzliche Rückzugsmöglichkeiten genutzt. © Inga Garrelfs

Auch überdachte Außenbereiche sind in Aufstallungsphasen sinnvoll. Manche Mobilstall-Betriebe erweitern ihre Ställe um Wintergärten. Andere nutzen Gewächshauskonstruktionen oder einfache Überdachungen. Solche Bereiche schaffen zusätzlichen Raum. Die Tiere können sich besser verteilen, und der Druck im Stall nimmt ab.

Wenn alle Tiere dauerhaft im Stall bleiben, steigt die Belastung der Einstreu deutlich schneller. Feuchte Einstreu fördert wiederum Verhaltensprobleme und Gesundheitsstörungen durch die Ammoniakbelastung, den Keimdruck und der Tatsache, dass Scharren und Staubbaden in feuchter oder fester Einstreu nicht möglich sind. Regelmäßige Einstreupflege und Nachstreuen gehören deshalb zu den wichtigsten Routinearbeiten während einer Aufstallungsphase. Auch außerhalb des Stalls bleibt Hygiene entscheidend. Einstreu, Futter und Geräte sollten so gelagert werden, dass Wildvögel keinen Zugang haben. Genau diese Punkte gehören zu den wichtigsten Biosicherheitsmaßnahmen.

Kurz + bündig

Aviäre Influenza und Newcastle Disease bleiben zwei der wichtigsten Viruskrankheiten im Geflügelbereich. Influenzaviren mutieren ständig durch kleine genetische Veränderungen (Antigendrift) und gelegentlich durch Austausch ganzer Genabschnitte (Antigenshift). Newcastle Disease wird durch ein Paramyxovirus verursacht und ist in Deutschland impfpflichtig. Ausbrüche entstehen meist dort, wo Impflücken bestehen oder Biosicherheitsmaßnahmen unzureichend umgesetzt werden. Wird ein Verdacht gemeldet, sperrt die Veterinärbehörde den Betrieb und veranlasst Untersuchungen im Landeslabor. Der Bestand wird anschließend geräumt und um den Betrieb werden Schutz- und Überwachungszonen eingerichtet. In Abhängigkeit von Risikobewertungen oder in ausgewiesenen Restriktionszonen kann eine Aufstallungspflicht verhängt werden, um weitere Ausbrüche zu verhindern. Für Freilandhennen bedeutet das einen abrupten Wechsel im Tagesablauf. Bewegungsraum und Futtersuche im Auslauf entfallen, wodurch Stress, Federpicken oder Kannibalismus auftreten können. Entscheidend ist deshalb ein angepasstes Stallmanagement: Beschäftigungsmaterial wie Luzerne, Stroh oder Picksteine hält die Tiere aktiv, zusätzliche Sitzstangen und überdachte Außenbereiche schaffen Ruhebereiche und Platz im Stall. Langfaseriges Material wie Heu sollte dagegen vermieden werden, weil es Kropfwickler und im Muskelmagen sogenannte Magenwickler verursachen kann.

Autor:in
Vivien Kring
DGS Redaktion