
Verhalten und Alter beeinflussen Milbenbefall bei Legehennen
Das Verhalten von Legehennen kann Hinweise darauf geben, wie stark Tiere von Milben betroffen sind. Eine Studie aus den USA zeigt Unterschiede im Fress-, Such- und Pflegeverhalten zwischen stark und schwach befallenen Hennen.
von DGS Redaktion Quelle Purdue University, Poultry Extension Collaborative erschienen am 06.03.2026Milbenbefall verschlechtert die Futterverwertung, senkt die Legeleistung und reduziert das Körpergewicht der Tiere. Gleichzeitig steigt die Mortalität in den Herden, so Haley Sutherland, Doktorandin an der Purdue University. Bei einem Webinar des Poultry Extension Collaborative im November 2025 stellte sie Ergebnisse einer Verhaltensstudie zu Legehennen mit Befall durch die Nordische Vogelmilbe (Ornithonyssus sylviarum) vor. Diese Milbenart kommt auch in Europa vor, spielt in der kommerziellen Legehennenhaltung jedoch eine deutlich geringere Rolle als die Rote Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae), die in deutschen Beständen als wichtigster Ektoparasit gilt.
Nach Angaben der Forscherin verursacht ein Befall Kosten von etwa 0,07 bis 0,10 US-Dollar je Henne innerhalb von zehn Wochen. Besonders problematisch ist die Nordische Vogelmilbe, da bereits ein einzelnes weibliches Tier eine neue Population aufbauen kann. Die Bekämpfung gilt als schwierig, weil die Anzahl der Parasiten von Tier zu Tier stark schwankt.
Im Unterschied zur Roten Vogelmilbe, die sich vor allem im Stallinventar versteckt und nachts Blut saugt, lebt die Nordische Vogelmilbe dauerhaft auf dem Tier. Dadurch erfolgt die Übertragung hauptsächlich über direkten Kontakt zwischen den Hennen. Als Risikofaktoren gelten unter anderem enger Tierkontakt, unzureichende Biosicherheitsmaßnahmen sowie der Eintrag über Wildvögel oder neu eingestallte Tiere. Hinzu kommen Unterschiede zwischen Haltungssystemen. In käfigfreien Beständen treffen Tiere häufiger aufeinander, wodurch sich Milben leichter verbreiten. Gleichzeitig erschwert die Haltungsform das Einfangen und Behandeln einzelner Hennen.
Verhalten als mögliche Abwehrstrategie
Wildlebende Vögel reduzieren Parasiten unter anderem durch intensives Putzen des Gefieders, Staubbäder, eine erhöhte Nährstoffaufnahme oder Nestpflege. Bei gehaltenen Legehennen stehen vor allem Gefiederpflege und Staubbäder als Verhaltensweisen zur Verfügung. Die Tiere können dabei sowohl die Häufigkeit als auch die Dauer dieser Aktivitäten erhöhen. Genau hier setzte die Untersuchung an.
Versuchsaufbau der Studie
Für das Projekt wurden Legehennen im Alter von 24 Wochen gezielt mit jeweils 50 weiblichen Milben infiziert. Das Verhalten der Tiere wurde anschließend per Video kontinuierlich aufgezeichnet.
Bei einem Alter von 30 und 40 Wochen beobachtete Sutherland zusätzlich zweimal täglich das Verhalten in den jeweils am stärksten und am schwächsten befallenen Gruppen. Die Beobachtungen fanden morgens zwischen 6:00 und 6:15 Uhr sowie am Nachmittag zwischen 14:00 und 14:15 Uhr statt.
Nachdem Tiere mit besonders hohem oder niedrigem Befall identifiziert waren, wertete die Forscherin auch frühere Videoaufnahmen aus. So konnte sie prüfen, ob sich Verhaltensunterschiede bereits vor dem eigentlichen Befall zeigten.
Mit 20 Wochen hatten die Hennen noch keine Milben. Im Alter von 30 Wochen erreichte der Befall nahezu seinen Höhepunkt. Mit 40 Wochen ging die Befallsstärke wieder zurück.
Unterschiede im Verhalten
Ausgewertet wurden vier Verhaltensweisen: Fressen, Futtersuche im Einstreu, Umweltpicken sowie Gefiederpflege..
Bereits im Alter von 20 Wochen zeigte sich ein Unterschied im Fressverhalten. Hennen, die später stärker befallen waren, fraßen am Nachmittag häufiger als Tiere mit später geringem Befall. Dieses Muster zeigte sich auch im Alter von 30 Wochen.
Beim Suchverhalten im Einstreu zeigten sich gegenteilige Unterschiede. Tiere mit später geringem Befall suchten sowohl mit 20 als auch mit 30 Wochen morgens häufiger nach Futter als Tiere mit später hohem Befall. In der Analyse der 30-Wochen-Daten zeigte sich außerdem, dass diese Tiere am Nachmittag häufiger suchten als am Morgen. Auch beim Umweltpicken gab es Unterschiede. Hennen mit geringem Befall zeigten dieses Verhalten insgesamt häufiger und vor allem am Vormittag.
Mit 40 Wochen, als der Befall bereits wieder zurückging, fraßen Hennen mit geringem Milbenbefall häufiger am Morgen. Am Nachmittag standen, liefen und putzten sie sich häufiger als Tiere mit stärkerem Befall. Stark befallene Hennen fraßen weiterhin eher am Nachmittag, standen morgens länger und zeigten mehr Umweltpicken am Nachmittag. Ein Unterschied in der Gefiederpflege zeigte sich nur im Alter von 40 Wochen. Zu diesem Zeitpunkt putzten sich stark befallene Tiere am Morgen häufiger als am Nachmittag.
Aussagekraft und Grenzen
Nach Einschätzung der Forscherin könnten die gewählten Beobachtungszeiten die Ergebnisse beeinflusst haben. Weitere Untersuchungen seien notwendig. Die Unterschiede betreffen nach ihren Angaben vor allem die Häufigkeit bestimmter Verhaltensweisen oder länger andauernde Aktivitäten. Mit zunehmendem Befall nahmen vor allem die Unterschiede in der Dauer bestimmter Verhaltensweisen zu. Veränderungen in der Häufigkeit waren besonders deutlich, als der Befall wieder zurückging.
Ansatzpunkte für Zucht und Management
Sutherland plant, zukünftige Untersuchungen mit mehr Tieren durchzuführen und zusätzliche Beobachtungsmethoden einzusetzen.
Langfristig sollen die Ergebnisse helfen, Legehennen zu identifizieren oder zu züchten, die besser mit Milbenbefall umgehen können. Gleichzeitig könnten Verhaltensmerkmale in bestehende Programme zur Parasitenkontrolle integriert werden. Wenn sich vererbbare Eigenschaften finden lassen, die mit einer höheren Widerstandsfähigkeit gegen Ektoparasiten verbunden sind, könnten Betriebe Milbenbefall künftig gezielter kontrollieren und negative Effekte auf Leistung und Tierwohl reduzieren.









