
Tierwohlstrategie vorgelegt
Das britische Landwirtschaftsministerium hat eine Tierwohlstrategie vorgelegt. Diese enthält auch für die Nutztierhaltung grundlegende Veränderungen. Legehennen sollen künftig nicht mehr in ausgestalteten Käfigen gehalten, das Töten von Eintagsküken verboten werden. In der Sauenhaltung will das DEFRA Ferkelschutzkörbe die Fixierung der Muttertiere vollständig abschaffen. Bei der Schlachtung von Schweinen soll die Betäubung mit Kohlendioxid verboten werden.
von AgE erschienen am 09.01.2026Auf die englischen Farmer kommen markante Änderungen in der Nutztierhaltung zu. Kurz vor Weihnachten hat das Landwirtschaftsministerium (DEFRA) in London eine Tierwohlstrategie ins Parlament eingebracht. Im Bereich der Nutztierhaltung geht es im Kern um die Abschaffung der bisherigen Haltungssysteme, die Änderung von Schlachtpraktiken und eine Stärkung des Tierschutzes. Ressortchefin Emma Reynolds sprach bei der Vorstellung der Pläne von einer „unerlässlichen“ Reform.
Geflügelhaltung ohne ausgestaltete Käfige
In der Geflügelhaltung strebt das Landwirtschaftsministerium eine Abschaffung der Haltung von Legehennen in ausgestalteten Käfigen an. Gemäß Daten aus 2024 wird noch jede fünfte Legehenne in England in ausgestalteten Käfigen gehalten.
Das Agrarressort wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass bereits jetzt im Legehennensektor der Trend hin zu Freiland- und Stallhaltungssystemen gehe und entsprechende Programme zur Unterstützung der Legehennen- und Junghennenhalter mit Beständen von mehr als 1.000 Tieren aufgelegt worden seien, um bestehende Ställe zu modernisieren oder zu ersetzen beziehungsweise eine Umstellung auf käfigfreie Systeme vorzunehmen. Beschleunigt sieht das Ministerium diesen Prozess durch die Zusage großer Einzelhändler, zum Jahresende 2025 den Verkauf von Eiern aus Käfighaltung einzustellen. Von einigen Händlern wurde diese Zusage bereits auf verarbeitete Eier ausgeweitet.
„Ermutigen“ will das DEFRA gemäß seiner Tierwohlstrategie daneben die Industrie, das Töten von Eintagsküken zu beenden, ohne dazu weitere Einzelheiten zu nennen.
Keine Abferkelbuchten mehr
Eingang in die Tierwohl-Strategie hat auch die Sauenhaltung gefunden. Ohne einen Zeithorizont zu nennen oder finanzielle Unterstützung zuzusagen, heißt es darin, dass die Regierung in Zusammenarbeit mit der Branche die Fixierung von Muttertieren abschaffen will. Nach Zahlen des britischen Schweineerzeugerverbandes (NPA) von 2024 werden in 92% der Stallhaltungssysteme Abferkelbuchten mit Ferkelschutzkörben verwendet; nur 8% sind schon auf alternative Abferkelanlagen umgestellt worden. Der NPA schätzt, dass in ganz Großbritannien bereits 5.000 Abferkelplätze mit flexibler Fixierung genutzt werden und weitere 1.000 Plätze aktuell in Planung sind.
Ziel der Regierung ist es laut dem Papier, in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft Möglichkeiten für den Übergang von konventionellen Abferkelbuchten zu alternativen Systemen zu prüfen. Das DEFRA bringt hier entweder eine flexible Abferkelung ins Spiel, bei der die Sau nur um den Geburtstermin herum fixiert ist, oder eine freie Abferkelung ohne weiteren Schutz der Jungtiere auch bei der Laktation.
„Dringenden Handlungsbedarf“ hat das Agrarressort beim Tierschutz während des Schlachtvorgangs ausgemacht. So soll bei der Schlachtung von Schweinen die Betäubung mit Kohlendioxid verboten werden. Weitere Details, ab wann dies umgesetzt werden soll und welche Alternativen zum Einsatz kommen sollen, gehen aus den Regierungsplänen nicht hervor.
„Ermutigen“ möchte das DEFRA darüber hinaus die Farmer, die seit 2007 bestehenden Ausnahmen im Tierschutzgesetz zum Kupieren der Schwänze von Schweinen, das Kürzen der Schnäbel von Legehennen, die Kastration von Lämmern oder das Kupieren der Schwänze von Lämmern nicht mehr routinemäßig anzuwenden. Um dieses Ziel zu erreichen, will das Ministerium mit der Branche und den Tierärzten kooperieren.
Reaktionen
Die Reaktionen in der Agrarbranche fielen bislang zurückhaltend aus. Mehrere Verbände betonten, die Vorschläge zunächst eingehend prüfen zu müssen. Der NPA machte indes deutlich, dass er anstelle eines sofortigen Verbots herkömmlicher Abferkelbuchten einen schrittweisen Übergang innerhalb eines angemessenen Zeitrahmens hin zu flexiblen Abferkelanlagen begrüßen würde. Dies würde den Sauen mehr Zeit ohne Fixierung bieten. Gleichzeitig warnte er davor, Farmer, die die ersten bei einer Umstellung seien, durch künftige gesetzliche Anpassungen zu benachteiligen.
Bezüglich des angestrebten Verbots der Betäubung der Schweine mit Kohlendioxid bei der Schlachtung fand der NPA hingegen deutliche Worte. Aus Sicht des Verbandes gibt es bislang keine praktikablen Alternativen. Zwar würden weltweit neue Methoden in Forschungsprogrammen untersucht. Aber keine davon sei bisher so weit entwickelt, dass sie kommerziell eingesetzt werden könne, so der NPA.







