
Ist die thermische Verneblung eine Technik mit Potenzial?
Eine britische Fallstudie zeigt, wie thermisches Vernebeln gezielt in bestehende Reinigungsprotokolle integriert wird. In Deutschland gilt das Verfahren bislang eher als Nischenanwendung.
von DGS Redaktion Quelle thepoultrysite erschienen am 05.03.2026Nach Angaben des niederländischen Herstellers Axcentive sowie auf Basis einer Fallstudie des britisch-irischen St David’s Poultry Team, setzen Betriebe thermisches Vernebeln gezielt als zusätzliche Stufe nach der Nassreinigung ein. Die Tierärzte koppeln das Verfahren an diagnostische Befunde und kontrollieren die Erregerlast nach der Einstallung erneut. Die Technik soll das Desinfektionsmittel nicht nur auf erreichbare Flächen bringen, sondern auch in Fugen, Ritzen und konstruktive Hohlräume der Stallhülle transportieren.
Hitze hält den Wirkstoff in der Luft
Beim thermischen Vernebeln erhitzt ein Aggregat die angesetzte Desinfektionslösung und stößt sie als Heißnebel aus. Dabei entstehen Tröpfchen mit einer Größe zwischen etwa 1 und 50 Mikrometern. Diese feinen Partikel bilden einen dichten Nebel, der längere Zeit im Stallraum schwebt.
Genau hier liegt der technische Unterschied zur Kaltvernebelung. Mechanisch zerstäubte Flüssigkeit sinkt relativ rasch ab. Der erhitzte Nebel bleibt länger in Suspension. So verteilt sich der Wirkstoff nach Angaben der Anwender auch unter Dachkonstruktionen, in Kabelkanälen oder entlang von Wandanschlüssen. Vor der Anwendung berechnen Betriebe das Stallvolumen und die benötigte Lösungsmenge. Während der Vernebelung bleiben Lüftung und Ventilatoren ausgeschaltet, damit der Nebel im Raum stehen bleibt. Erst nach ausreichender Einwirkzeit lüften die Mitarbeiter den Stall.
Zusätzliche Stufe nach der Vorreinigung
Das Verfahren ersetzt keine gründliche Reinigung. Zunächst entfernen Mitarbeiter Staub, organisches Material und Biofilme durch intensives Waschen und den Einsatz geeigneter Reinigungsmittel. Sie kontrollieren anschließend alle Flächen visuell. Erst wenn keine sichtbaren Rückstände mehr vorhanden sind, folgt die Vernebelung.
In der britischen Praxis führen Betriebe den Heißnebel häufig am Abend vor dem Einstallen durch. Am nächsten Tag lüften sie den Stall, anschließend werden die Küken eingestallt. Nach sechs bis sieben Tagen prüfen Tierärzte die Erregerlast erneut.
Als Wirkstoff kommt in der Fallstudie ein chlorhaltiges Desinfektionsmittel zum Einsatz, das für verschiedene Anwendungen zugelassen ist. Für das thermische Vernebeln setzen die Anwender laut Hersteller eine höhere Konzentration an als bei der Flächendesinfektion.
In Deutschland bislang selten genutzt
In deutschen Geflügelställen dominieren weiterhin Sprüh- und Schaumverfahren. Viele Betriebe arbeiten mit etablierten Hygieneplänen, die sie gemeinsam mit Hoftierärzten abstimmen. Das thermische Vernebeln kommt bislang eher in Einzelfällen zum Einsatz.
Damit stellt sich für deutsche Betriebe die Frage, ob die Technik unter hiesigen Produktionsbedingungen einen zusätzlichen hygienischen Effekt bringt, der den Mehraufwand rechtfertigt? Unabhängig vom Verfahren bleibt entscheidend, dass die Vorreinigung vollständig erfolgt. Nur saubere Oberflächen ermöglichen eine wirksame Desinfektion.










