
Warum Fliegenmittel im Stall nachlassen können
Fliegen und andere Schädlinge lassen sich in Geflügelställen nicht mehr überall zuverlässig bekämpfen. Ein Vortrag aus den USA zeigt, woran das liegt und wie Betriebe gegensteuern können.
von DGS Redaktion Quelle WATTAgNet / WattPoultry erschienen am 22.04.2026In vielen Geflügelställen läuft die Bekämpfung von Fliegen und anderen Insekten seit Jahren nach dem gleichen Muster. Ein Mittel wirkt zunächst gut und lässt dann nach. Oft passen sich die Insekten an.
Auf der Fachkonferenz PEAK 2026 in Minneapolis griff Anna Hansen, Technical Services Support Specialist beim Schädlingsbekämpfungsunternehmen MGK, dieses Problem auf, wie das Fachportal WattAgNet berichtet. Sie zeigte, was im Stall passiert, wenn immer wieder die gleichen Wirkstoffe zum Einsatz kommen. Ihre Kernaussage: Wer immer wieder mit denselben Wirkstoffen arbeitet, selektiert die überlebenden Tiere und baut sich damit Schritt für Schritt eine resistente Population im Stall auf.
Für deutsche Betriebe ist das relevant. Hohe Besatzdichten, wiederkehrende Einstreuzyklen und geschlossene Stallphasen schaffen stabile Bedingungen für Insekten. Lässt die Wirkung nach, wirkt sich das direkt auf die Stallhygiene aus.
Wirkstoff wechseln, nicht nur Produkt
Viele Betriebe wechseln zwar das Produkt, bleiben aber im gleichen Wirkmechanismus. Genau hier liegt ein häufiger Fehler. Entscheidend ist der Wechsel zwischen unterschiedlichen Wirkstoffgruppen. Hansen nannte als Beispiel den Wechsel zwischen Pyrethroiden und Neonicotinoiden. Nicht jede Wirkstoffgruppe steht in Deutschland uneingeschränkt zur Verfügung. Der Ansatz bleibt dennoch übertragbar. Betriebe sollten prüfen, ob sie tatsächlich zwischen unterschiedlichen Wirkprinzipien rotieren oder unbewusst im gleichen System bleiben.
Resistenz entsteht im Tierkörper
Ein besonders hartnäckiger Mechanismus ist die sogenannte metabolische Resistenz. Dabei bauen Insekten den Wirkstoff im Körper ab, bevor er überhaupt wirken kann. Das Tier nimmt das Mittel auf und überlebt. Hier kommen sogenannte Synergisten ins Spiel, die den Abbau blockieren und die Wirkung wieder ermöglichen. Solche Zusätze sind in einigen Präparaten bereits enthalten. Entscheidend ist, dass Betriebe wissen, was sie einsetzen und wie die Wirkung zustande kommt.
Ein Großteil der Population bleibt oft unberührt
Viele Maßnahmen richten sich vor allem gegen fliegende Tiere. Gleichzeitig steckt der größte Teil der Population in der Einstreu. Dort entwickeln sich Larven weiter, die später wieder als adulte Tiere auftreten. Insektenwachstumsregulatoren greifen genau in diese Phase ein und verhindern die Entwicklung. In Kombination mit klassischen Insektiziden lässt sich die Population breiter erfassen.
Auch die Anwendung selbst entscheidet über den Erfolg. Werden nur einzelne Stallbereiche behandelt, bleiben Rückzugsräume bestehen. Die überlebenden Insekten vermehren sich weiter und tragen mögliche Resistenzen in die nächste Generation. Deshalb muss der gesamte Stall einbezogen werden.
Ob ein Programm noch funktioniert, zeigt sich an der Entwicklung der Insektenzahlen. Gehen die Bestände nach einer Behandlung nicht zurück, muss der Betrieb reagieren und die Strategie anpassen. Wer früh handelt, behält mehr Möglichkeiten.
Einordnung für Deutschland
Die im Vortrag genannten Wirkstoffe und Strategien stammen aus dem US-Kontext und lassen sich nicht eins zu eins übertragen. In Deutschland dürfen nur zugelassene Produkte eingesetzt werden.
Die Grundprinzipien gelten jedoch auch hier: Wirkstoffwechsel, Kombination verschiedener Ansätze und eine konsequente Kontrolle entscheiden darüber, ob die Bekämpfung im Stall langfristig funktioniert.











