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Ökogeflügelmast

Weniger Rohprotein an langsam wachsende Öko-Masthühner?

Eine Untersuchung am Versuchs- und Bildungszentrum Geflügel, Staatsgut Kitzingen, ging der Frage nach, ob und in welchem Ausmaß eine CP-Absenkung in ökokonformen Alleinfuttermischungen möglich ist, ohne die Mast- und Schlachtleistung langsam wachsender Masthühner negativ zu beeinflussen.

von Felicitas Ahrens, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) Reinhard Puntigam, FH Soest, Philipp Hofmann (LfL) erschienen am 07.04.2026
Langsam wachsende Masthähnchen in Auslauf. Eine Reduktion des Rohproteingehalts ohne die Möglichkeit des Einsatzes freier Aminosäuren in Ökofuttermischungen führte bei solchen Herkünften zu Leistungseinbußen. © MBE-Photography
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Kurz & bündig

Eine Reduktion des CP-Gehalts ohne die Möglichkeit des Einsatzes freier Aminosäuren in ökologischen Futtermischungen resultierte bei langsamer wachsenden Masthühnern in Leistungseinbußen. Bereits moderate Absenkungen von 0,4 %-Punkten im Starter und 1 %-Punkt (19,7 vs. 19,3 % und 19,1 vs. 18,1 %) in der Mastphase hatten negative Auswirkungen auf die Mast- und Schlachtleistung sowie folglich die Ökonomie. Die CP-Reduktion erhöhte zwar die Stickstoffnutzungseffizienz, das wirkte sich jedoch nachteilig auf die Kosten der Produktionsleistung aus. Ob diese Effekte der Leistungsminderung durch gezieltere Strategien vermieden werden können– z.B. durch eine spätere CP-Absenkung in der Mastphase oder zusätzliche Fütterungsphasen, wird aktuell im Projekt „MastOpti(M)Um“ untersucht.

Die Reduktion des Gehaltes an Rohprotein (CP) stellt seit Jahren ein zentrales Thema in der Geflügelfütterung dar. Ganz nach dem Motto „weniger ist am Ende mehr“, denn geringere Stickstoff-(N)-Ausscheidungen und folglich Ammoniak-(NH3)-Emissionen sowie geringere Futterkosten sprechen dafür. Der gezielte Einsatz freier Aminosäuren in der konventionellen Fütterung macht dies möglich. Unter ökologischen Fütterungsbedingungen sind die Spielräume jedoch deutlich geringer, denn freie Aminosäuren sind futtermittelrechtliches Tabu in den Trögen von Ökogeflügel.

Warum Rohprotein senken?

Ein Überschuss an CP im Futter verlässt über die Exkremente ungenutzt das Tier. Erhöhte N-Ausscheidungen und Ammoniakemissionen sind die Folge. Diese Ausscheidungen belasten Stall- und Umweltklima und können sich auf Grund verminderter Einstreu- und Luftqualität negativ auf die Tiergesundheit auswirken. In der Rationsgestaltung für konventionell gehaltenes Geflügel lassen sich diese negativen Effekte gezielt und ohne Leistungseinbußen vermindern, indem der CP-Gehalt abgesenkt und der Bedarf an limitierenden Aminosäuren (z. B. Methionin, Lysin) über die Zugabe freier Aminosäuren gedeckt wird. Schlussendlich benötigt das Tier Aminosäuren und nicht Protein. Im Ökolandbau ist diese Strategie der Fütterung jedoch nicht umsetzbar.

Öko: Aminosäuren im Futter ausschließlich vom Acker

Ökologisch wirtschaftende Geflügelhalter müssen den Bedarf an Aminosäuren ihrer Tiere über die Einzelfuttermittel decken. Die Folge: Der CP-Gehalt im Futter liegt oftmals deutlich höher als bei konventionellen Rationen, um mögliche Versorgungslücken durch Limitierungen von Aminosäuren zu vermeiden. Je höher die Leistung, desto höher die erforderlichen Nährstoffkonzentrationen in den Rationen.

Wie stark sich der CP-Gehalt absenken lässt, ohne Leistungseinbußen in Kauf nehmen zum müssen, ist allerdings noch nicht geklärt. Eine Untersuchung am Versuchs- und Bildungszentrum Geflügel, Staatsgut Kitzingen, ging der Frage nach, ob und in welchem Umfang eine CP-Absenkung in ökokonformen Alleinfuttermischungen möglich ist, ohne die Mast- und Schlachtleistung langsam wachsender Masthühner negativ zu beeinflussen. Neben dem Effekt der CP-Reduktion auf Leistungsparameter wurden ebenfalls die Auswirkungen auf die N-Ausscheidungen sowie N-Nutzungseffizienz kalkuliert.

Details zur Fütterungsstudie

In einer 56-tägigen Fütterungsstudie wurden etwas mehr als 1.000 langsam wachsende Masthühner der Herkunft Hubbard JA57 × ColorYield gemischtgeschlechtlich in 24 identischen Abteilen (je 44 Tiere) gehalten. Dabei wurde die im Ökolandbau maximal zulässige Besatzdichte von 21 kg/m2 eingehalten. Zur Anwendung kamen drei Futtervarianten mit je acht Abteilen als Wiederholungen:

  • K (Kontrolle): Starter 19,7 % CP; Mast 19,1 % CP
  • CP- (CP-reduziert): Starter 19,3 % CP; Mast 18,1 % CP
  • CP-- (stärker CP-reduziert): Starter 18,1 % CP; Mast 17,4 % CP

Die Fütterung erfolgte zweiphasig (Starter: Tag 1 bis 21, Mast: Tag 22 bis 56). Durch den Verzicht freier Aminosäuren gingen die sinkenden CP-Gehalte mit einer Reduktion der Gehalte an Aminosäuren in den Rationen einher (Tabelle 1). Neben den wichtigsten Mast- und Schlachtleistungsmerkmalen wurden die Wasseraufnahme, die Mortalität sowie die Fußballengesundheit der Tiere erfasst.

Weniger Protein = weniger Aminosäuren = weniger Leistung

Die Ergebnisse zeigen: Mit sinkendem CP-Gehalt sanken auch die tierischen Leistungen (Tabelle 2). Bis zum Futterwechsel am 21. Lebenstag unterschieden sich die Körpermassen bereits signifikant entsprechend der CP-Reduktion (K > CP- > CP--). Zum Mastende (Tag 56) lagen die Varianten CP- und CP-- auf vergleichbarem Niveau, blieben jedoch hinter jenen der Gruppe K. Dies deckt sich mit weiteren Ergebnissen: Die höchsten täglichen Lebendmassezunahmen und Futterverbrauchsmengen wurden über die gesamte Mastdauer bei den Tieren der Gruppe K erzielt. Daraus resultierte der signifikant beste Futteraufwand in der Kontrollgruppe im Vergleich zu den CP-reduzierten Fütterungsvarianten (2,29 vs. 2,35 und 2,33 kg/kg).

Das verringerte Wachstum bei Tieren der CP-reduzierten Futtervarianten deutet darauf hin, dass mindestens eine Aminosäure das Wachstum der Tiere limitierte. Da keine freien Aminosäuren diese Lücke füllten, sank mit reduziertem CP-Gehalt zwangsläufig die Aminosäurenversorgung und damit die Leistung. Zusätzlich wurde im Zuge der CP-Reduktion der Anteil höher verdaulicher Eiweißkomponenten reduziert (Sonnenblumenkuchen aus geschälter Saat, konventioneller Maiskleber, konventionelles Kartoffeleiweiß), was die Aminosäurenverfügbarkeit in puncto Verdaulichkeit weiter eingeschränkt haben dürfte.

Ebenfalls sinkende Schlachtkörpergewichte

Analog zur Mastleistung sanken mit zunehmender CP-Reduktion ebenfalls die Schlachtkörpergewichte sowie folgend die absoluten Gewichte der Teilstücke (Tabelle 3). Die prozentualen Anteile am Schlachtkörper blieben hingegen weitgehend unverändert. Auch die Ausschlachtung lag bei Tieren der Gruppe K höher im Vergleich zu den CP-reduzierten Varianten.

Neben den Mast- und Schlachtleistungen schnitt die Kontrollgruppe auch bei der Fußballengesundheit am besten ab. Die beiden CP-reduzierten Varianten wiesen signifikant schlechtere (höhere) Scores auf.

N-Nutzungseffizienz: Vorteil mit Einschränkungen

Mit sinkendem CP-Gehalt stieg die kalkulatorische Stickstoffnutzungseffizienz signifikant an (K < CP- < CP--). Als Grund hierfür kann die geringere Stickstoffaufnahme bei gleichzeitig moderatem Rückgang des Stickstoffansatzes (Muskelzuwachs der Tiere) genannt werden (Tabelle 2a).

Damit zeigt sich ein Für und ein Wider: Eine CP-Reduktion erhöhte auf der einen Seite die Stickstoffnutzungseffizienz, jedoch ging diese auf der anderen Seite mit geringeren Leistungen einher.

Ökonomie: Kontrollration im Vorteil

Sowohl der kalkulierte Erlös über Futterkosten (IOFC) als auch der Europäische Produktionsindex (EPI) lag bei den Tieren der Gruppe K signifikant über jenen der beiden CP-reduzierten Varianten. Die geringeren Futterkosten auf Grund der Proteinreduktion konnten die Leistungseinbußen somit nicht ausreichend kompensieren (Tabelle 2b).