
Was Futter leisten kann, wenn es im Stall zu warm wird
Hitzestress senkt die Futteraufnahme und bremst die Leistung. Versuche aus Kanada zeigen, wie stark sich gezielte Fütterungsstrategien dagegenstellen können. Dabei wird auch klar, unter welchen Temperaturbereichen die Effekte tatsächlich auftreten.
von DGS Redaktion Quelle University of Saskatchewan, Canadian Poultry erschienen am 30.03.2026Versuche der University of Saskatchewan, vorgestellt in einem Webinar von Canadian Poultry, zeigen, wie gezielt sich Fütterung einsetzen lässt, wenn Broiler unter Hitzestress geraten. Die Auswertung von Deborah Adewole verdeutlicht, dass die Effekte nicht erst unter Extrembedingungen auftreten, sondern bereits in einem Temperaturbereich, wie er auch in mitteleuropäischen Sommern regelmäßig erreicht wird.
In den Versuchen lagen die Temperaturen in den Hitzestressgruppen täglich für mehrere Stunden zwischen 32 und 34 °C. Bereits unter diesen Bedingungen sank die Futteraufnahme deutlich, während Leistung und Tiergesundheit nachließen. Vergleichsgruppen, die bei etwa 24 °C gehalten wurden, zeigten diese Einbrüche nicht.
Die Ausgangslage ist bekannt, wird aber in ihrer Konsequenz oft unterschätzt. Broiler fressen weniger, wachsen langsamer und reagieren anfälliger auf Erkrankungen. Gleichzeitig verschlechtert sich die Futterverwertung, während strukturelle Schäden in der Muskulatur zunehmen. Dass diese Effekte parallel ablaufen, erschwert das Management im Bestand.
Adewole betrachtet Fütterung nicht isoliert, sondern als Teil des Gesamtsystems Stall. Lüftung, Besatzdichte, Einstreu und Genetik wirken mit. Entscheidend bleibt jedoch die Frage, wie sich die Ration anpassen lässt, wenn die Tiere ihre Aufnahme reduzieren.
Mehr Energie pro Bissen
Wenn die Tiere weniger fressen, muss jeder Bissen mehr leisten. In den Versuchen zeigte sich, dass eine erhöhte Energiedichte die Futterverwertung über die gesamte Aufzucht stabil verbessern kann. Gleichzeitig fanden sich im Dünndarm höhere Zotten, was auf eine bessere Aufnahme der Nährstoffe hindeutet.
Auch andere Arbeiten, die in die Auswertung einfließen, bestätigen diesen Ansatz. Wird der Energiegehalt der Ration um bis zu 200 kcal je Kilogramm erhöht, verbessern sich Leistung und Verdaulichkeit messbar. Pflanzliche Öle im Bereich zwischen 4,5 und 7,5 Prozent bieten dafür einen vergleichsweise einfachen Ansatz in der Praxis. Vitamine greifen an anderer Stelle. Vitamin A und C wirken als Antioxidantien und stabilisieren das Immunsystem, das unter Hitzestress deutlich nachlässt. In Kombination mit Zink zeigte sich zudem ein Effekt auf die Lebendmasseentwicklung und die Futterverwertung.
Blick in den Darm
Ein Schwerpunkt der Versuche liegt auf phytogenen Zusatzstoffen. Untersucht wurden unter anderem Braunalgen, Traubentrester und Extrakte aus rotem Hartriegel.
In einem Versuch erhielten die Tiere Braunalgenprodukte über Futter und Trinkwasser. Die Hitzebelastung lag dabei im Alter von 21 bis 27 Tagen täglich acht Stunden lang bei 32 bis 34 °C. Thermoneutrale Gruppen wurden konstant bei etwa 24 °C gehalten. Am Ende der Aufzucht lagen Futteraufnahme und Körpergewicht in den behandelten Gruppen signifikant über der Kontrolle. Parallel veränderte sich das Darmmikrobiom. Besonders auffällig war ein Anstieg von Lactobacillus-Arten, die als stabilisierend für die Darmgesundheit gelten. Gleichzeitig nahm die Zottenhöhe im Dünndarm zu. Das ist unter Hitzestress entscheidend, weil die Resorptionsfläche normalerweise zurückgeht. Die Tiere können Nährstoffe damit besser aufnehmen, obwohl die Belastung durch hohe Temperaturen bestehen bleibt.
Vergleich mit etablierten Wirkstoffen
In einem weiteren Ansatz wurden Traubentrester und Hartriegelextrakt mit einem antibiotischen Leistungsförderer verglichen. Das Antibiotikum erreichte weiterhin die höchsten Leistungswerte, sowohl vor als auch nach der Hitzestressphase bei 32 bis 34 °C.
Interessant wird es im Detail. Bestimmte Blutparameter, die unter Hitzestress absinken, stabilisierten sich nicht nur unter dem Antibiotikum, sondern auch unter Hartriegel. Auch im Mikrobiom zeigten sich Verschiebungen, die auf eine veränderte bakterielle Besiedlung hinweisen.
Für die Praxis entscheidend ist ein anderer Punkt. Alle geprüften Zusatzstoffe verbesserten das Verhältnis von Zottenhöhe zu Kryptentiefe im Darm. Damit steigt die Resorptionsleistung, obwohl die Tiere über Stunden täglich hohen Temperaturen ausgesetzt sind.
Auch Kältestress bleibt ein Thema
Die Arbeiten berücksichtigen auch Kältestress, der vor allem bei jungen Tieren relevant ist. In einem Versuch wurden Küken im Alter von 8 bis 10 Tagen für 48 Stunden bei 20 °C gehalten. Die Vergleichsgruppe lag bei 29 °C. Ein mikroverkapselter antioxidativer Zusatzstoff verbesserte sowohl Körpergewicht als auch Futterverwertung. Gleichzeitig stieg die antioxidative Kapazität im Organismus deutlich an, was auf eine stabilere Immunlage hinweist.
Ein Baustein im System
Die Ergebnisse zeigen, unter welchen Bedingungen Fütterung gegensteuern kann. Sobald die Temperaturen über 30 °C steigen und die Tiere ihre Aufnahme reduzieren, entscheidet die Zusammensetzung der Ration darüber, wie stark die Leistung einbricht. Damit stellt sich eine zusätzliche Frage. Wie lassen sich solche Strategien wirtschaftlich in bestehende Fütterungskonzepte integrieren, ohne den Aufwand im Stall weiter zu erhöhen.










