
Geflügelbranche fordert Tempo bei Stallumbauten und klare Tierwohlregeln
Auf der HEIDEMARK-Konferenz in Berlin hat die Geflügelwirtschaft verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen in Tierwohl und Stallumbauten eingefordert. Vertreter aus Politik und Handel signalisierten Unterstützung, verwiesen jedoch auf offene Fragen bei Finanzierung, Genehmigungen und Kennzeichnung.
von DGS Redaktion Quelle Heidemark-Gruppe erschienen am 25.02.2026Rund 150 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Landwirtschaft und Wissenschaft diskutierten im F.A.Z.-Atrium über das Leitmotiv „Gute Tierhaltung sichert unsere Versorgung“.
Gastgeber Andres Ruff, Vorsitzender der Geschäftsführung der HEIDEMARK-Gruppe, appellierte an die Politik, zügig ein tragfähiges Gesamtkonzept für die Tierhaltung vorzulegen. Das Unternehmen sei bereit, seinen Beitrag zu leisten. Tierwohlvorgaben müssten den Tieren nutzen und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit sichern.

Ruff warnte vor einer Verlagerung der Produktion ins Ausland, sollte die heimische Geflügelhaltung weiter durch unsichere Rahmenbedingungen belastet werden. Wenn Betriebe in Deutschland aufgäben, wandere die Erzeugung in andere EU-Staaten oder Drittstaaten mit niedrigeren Standards ab. Das habe weder für Tierwohl noch für Klima oder regionale Wertschöpfung Vorteile.
Konkret forderte Ruff Anpassungen im Emissions- und Baurecht. Um- und Neubauten von Tierhaltungsanlagen müssten genehmigungsfähig sein. Landwirte, die leerstehende Schweineställe auf Geflügel umrüsten wollten, benötigten Planungssicherheit statt langwieriger Verfahren. Bürokratische Hürden dürften Investitionen nicht faktisch verhindern.
Ruff betonte zudem die wirtschaftliche Bedeutung der Geflügelproduktion. Puten- und Hähnchenfleisch gehörten zu den preislich und ernährungsphysiologisch wichtigen Lebensmitteln für breite Bevölkerungsschichten. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten sei eine stabile, heimische Produktion von besonderer Relevanz.
Handel und Branche setzen auf höhere Haltungsstufen
Auch Vertreter des Handels bezogen Position. Dr. Julia Adou von ALDI Süd erklärte, ihr Unternehmen stelle konsequent auf Ware aus höheren Haltungsformen um. ITW-Geschäftsführer Dr. Alexander Hinrichs kündigte an, bereits im kommenden Quartal weitere Produkte aus den Stufen 3 und 4 einzuführen.
Dr. Leif Balz von der Schwarz-Gruppe verwies darauf, dass in den Kaufland-Märkten rund 50 Prozent der Fleischprodukte aus Tierwohl-Ställen stammten. Kritisch bewertete er das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz, da zentrale Marktbereiche wie die Außer-Haus-Verpflegung nicht erfasst würden. Dr. Adou bekräftigte zum Abschluss ein Bekenntnis ihres Unternehmens zu 90 % deutscher Ware.
Politik sagt Unterstützung zu
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze unterstrich in seinem Beitrag die Bedeutung regionaler Lebensmittelproduktion. Lebensmittel müssten aus Europa, aus Deutschland und aus den Regionen kommen. Landwirte benötigten verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen. Das Thema wolle er in die nächste Ministerpräsidentenkonferenz einbringen.
In den anschließenden Panels verwiesen politische Vertreter auf das neue Tierhaltungskennzeichnungsgesetz. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Franziska Kersten erklärte, Ziel sei es, Tierwohl zu ermöglichen und Stallbau zu erleichtern. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Anna Aeikens kritisierte lange Genehmigungszeiten.
Putenhalter Philipp Mack schilderte am Beispiel eines Stallbaus mit Klimaauslauf der Haltungsstufe 3 den hohen Aufwand durch separate Gutachten und langwierige Verfahren. Prof. Dr. Harald Grethe, Direktor von Agora Agrar und Mitglied der Borchert-Kommission, sprach sich für eine staatliche Finanzierung von Tierwohl aus.
Silvia Breher, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, kündigte politische Sicherheit für die Branche an. Zunächst solle der Umbau in der Schweinehaltung vorangebracht werden, weitere Tierarten sollten folgen.
Hintergrund
Die HEIDEMARK-Gruppe mit Sitz in Ahlhorn ist ein Familienunternehmen in dritter Generation. Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen an fünf Standorten rund 2.300 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von etwa 760 Millionen Euro.
Das britische Boparan Private Office hat die Übernahme sämtlicher Gesellschafteranteile angekündigt. Nach Genehmigung durch die Europäische Kommission soll HEIDEMARK in den europaweit tätigen Lebensmittelkonzern integriert und unter dem Dach der niederländischen STORTEBOOM FOOD GROUP das Deutschlandgeschäft im Geflügelsektor verantworten.










