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Klimafolgen für die Tierhaltung

Klimawandel erhöht Hitzestress-Risiko für Geflügel deutlich

Physiologische Kenngrößen zeigen teils massive Belastungszunahmen. Eine von der São Paulo Research Foundation geförderte Studie, veröffentlicht in Environmental Impact Assessment Review liefert nun quantitative Grundlagen für Anpassungsstrategien in der Tierhaltung.

von DGS Redaktion Quelle The Poultry Site erschienen am 23.02.2026
Für Geflügel und Wachteln in wärmeren Regionen prognostiziert das Modell einen möglichen Anstieg der Atemfrequenz um bis zu 40 %. Dies gilt als Hinweis auf zunehmende Hitzebelastung mit potenziellen Auswirkungen auf Leistung, Tiergesundheit und Mortalität. © colourbox.de
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Nach Angaben von The Poultry Site hat ein internationales Forschungsteam die Klimavulnerabilität verschiedener Nutztierarten bis zum Jahr 2100 modelliert. Die Arbeit wurde von der São Paulo Research Foundation (FAPESP) gefördert und in der Fachzeitschrift Environmental Impact Assessment Review veröffentlicht.

Modell basiert auf physiologischen Belastungsindikatoren

Die Wissenschaftler kombinierten Klimaprojektionen mit physiologischen Referenzwerten aus zwölf Datensätzen aus Brasilien, Italien und Spanien. Bewertet wurden Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine, Hühner und Wachteln.

Zentraler Parameter war die Atemfrequenz als direkt messbarer Indikator für thermische Belastung. Steigt sie signifikant an, deutet dies auf Hitzestress und eingeschränkte Thermoregulation hin. Zusätzlich wurden artspezifische Temperatur-Feuchte-Bereiche berücksichtigt, in denen Leistungseinbußen zu erwarten sind.

Die Simulation erfolgte unter verschiedenen Emissionsszenarien bis 2100. Grundlage waren Klimamodelle mit einer globalen Erwärmung von rund zwei Grad Celsius und darüber hinaus.

Geflügel mit deutlicher Stresszunahme

Für Geflügel zeigen die Projektionen in wärmeren Weltregionen einen möglichen Anstieg der Atemfrequenz um bis zu 40 % gegenüber heutigen Referenzwerten. Das bedeutet eine signifikante Erhöhung der thermischen Dauerbelastung.

Die Autoren weisen darauf hin, dass Geflügel aufgrund hoher Stoffwechselraten und begrenzter Schweißdrüsen besonders empfindlich auf hohe Umgebungstemperaturen reagiert. Eine chronisch erhöhte Atemfrequenz kann zu verminderter Futteraufnahme, schlechterer Futterverwertung und reduzierter Legeleistung führen. Auch Mortalitätsrisiken steigen bei Extremereignissen.

Während Milchkühe in äquatorialen Regionen als besonders exponiert gelten, zeigen die Modelle, dass Geflügelbestände in mehreren Klimazonen eine deutliche Stresszunahme erfahren könnten. Damit betrifft das Thema nicht nur tropische Produktionssysteme.

Relevanz für Deutschland

Für die deutsche Geflügelwirtschaft sind die Ergebnisse vor allem vor dem Hintergrund zunehmender Hitzetage relevant. Bereits heute führen sommerliche Extremperioden zu Leistungseinbußen in der Mast und zu sinkenden Legeleistungen.

Die Studie macht deutlich, dass Anpassung nicht nur eine Frage einzelner Hitzewellen ist, sondern strukturell in die Produktionssysteme integriert werden muss. Dazu zählen eine präzise Stallklimaführung, leistungsfähige Lüftungstechnik sowie Managementstrategien zur Reduktion metabolischer Belastung. Auch genetische Selektion auf Hitzetoleranz wird als langfristiger Ansatz genannt.

Die Autoren betonen, dass ohne technische und züchterische Anpassung die Produktivität in mehreren Weltregionen spürbar unter Druck geraten könnte. Für exportorientierte Märkte und international verflochtene Futtermittelströme ergeben sich daraus mittelbar ebenfalls Risiken.

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