
30 Jahre Bioland-Geflügeltagung: Neue Impulse für wiederkehrende Themen
Brustbeingesundheit, Parasitenmanagement und der Umgang mit einem Geflügelpestausbruch: Die 30. Bioland-Geflügeltagung am 5. und 6. Februar griff diese und weitere Themen der ökologischen Geflügelhaltung auf.
von Dr. Anke Redantz erschienen am 12.02.2026Das 30. Jubiläum der Bioland-Geflügeltagung, die am 5. und 6. Februar 2026 in Kiel stattfand, nahm Rudolf Joost-Meyer zu Bakum - seit 1989 Biolandwirt sowie erster Bio-Futtermittelhersteller im norddeutschen Raum – zum Anlass, auf drei bewegte Jahrzehnte ökologischer Geflügelhaltung zurückzublicken. Die ökologische Geflügelhaltung habe sich in dieser Zeit stark weiterentwickelt – nicht zuletzt durch die enge Vernetzung von Praxis, Verbänden und Forschung. In mehreren Bereichen hat der Ökolandbau nach Joost-Meyer zu Bakum Impulse auch für die konventionelle Tierhaltung gesetzt, so etwa beim Ausstieg aus dem Schnabelkupieren, beim Ende des Kükentötens oder bei der Abschaffung der Käfighaltung.
Deutliche Fortschritte wurden bei Themen wie Stallbau, Leistung, Tiergesundheit und Fütterung erzielt. Demgegenüber stünden jedoch wiederkehrende Themen, wie die Brustbeinschäden bei Legehennen, die derzeit noch nicht zufriedenstellend gelöst sind, konstatierte Joost-Meyer zu Bakum.
Konsequente Abriegelung
Wie sich ein Ausbruch der Aviären Influenza im Betrieb darstellt, schilderte Jörn Andresen vom Biolandhof Andresen in Schleswig-Holstein eindrucksvoll aus eigener Betroffenheit. Im Rahmen der Vorträge zur Tiergesundheit beschrieb er, wie sich innerhalb weniger Tage die Krankheit in einem Stall ausbreitete. Entscheidend in dieser Situation sei unter anderem proaktives Handeln. Besonders hob er hervor, wie wichtig es ist, den betroffenen Bereich sofort und konsequent abzuriegeln. Ausführlich berichtete er über die Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen des betroffenen Stalls und des Auslaufes nach dem Ausbruch– und über die Schwierigkeiten, mit denen der Betrieb konfrontiert wurde. Dazu gehörte beispielsweise die Entsorgung der Einstreu aus dem infizierten Stall. Auch die psychische Belastung dürfe nicht unterschätzt werden.
Offene Kommunikation hilft
Gute Erfahrungen hat Andresen mit der offenen Kommunikation der Situation gemacht. Geflügelhalter müssen sich immer wieder vor Augen führen, dass ein Ausbruch der Geflügelpest kein individuelles Versagen ist. Diese Transparenz gegenüber den Kunden hat dem Betrieb viel Unterstützung eingebracht. Entscheidend ist dabei der richtige Zeitpunkt, um nicht mit Schaulustigen konfrontiert zu werden.
Wiederkehrendes Thema: Brustbeinschäden
Weitre Vorträge zur Tiergesundheit befassten sich unter anderem mit Brustbeinschäden und mit dem Wurmbefall bei Legehennen. Lisa Hildebrand vom Friedrich-Loeffler-Institut, Institut für Tierschutz und Tierhaltung, stellte Ergebnisse aus einem Verbundprojekt zu Brustbeinschäden vor. Diese sind - wie Federpicken und Kannibalismus – multifaktoriell bedingt. Die Prävalenzen liegen zwischen 50 und 100 % und treten auch im ökologischen Bereich auf. Deformationen sind weniger erforscht als Frakturen.
Neben internen Faktoren wie der Genetik, dem Verhalten und der Legetätigkeit beeinflussen auch externe Faktoren wie zum Beispiel das Haltungssystem das Risiko für Deformationen und Frakturen. Einen Fokus legte sie dabei auf das Material, die Lage und den Durchmesser von Sitzstangen und auf die Bedeutung von Rampen, die möglichst frühzeitig, schon während der Aufzucht, angebracht werden sollten.
Widerstandsfähiger Spulwurm
Im Projekt „Wurm-frei“, das von Dominik Jacobs von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen vorgestellt wurde, soll der Status-Quo der Wurmbelastung in Freilandherden erfasst werden. Im Fokus: Der Spulwurm, dessen widerstandsfähige Eier über die Einstreu aufgenommen werden. Darauf aufbauend plant das Projekt, das von der Stiftung Tierärztliche Hochschule mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Naturland NRW e.V., dem Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN), Arbeitsgruppe Ernährungsphysiologie, der Nenndorfer Bio-Eierhof GbR sowie dem Legehennenbetrieb Andreas Janssen durchgeführt wird, eine Web-Anwendung zu entwickeln, mit der Legehennenhalter das Risiko für die Wurmbelastung ermitteln können. Darauf aufbauend können Betriebe betriebsindividuelle Gegenmaßnahmen ergreifen.
Ergänzt wurde das Programm durch weitere Vorträge zur Tiergesundheit und zur Fütterung sowie durch Exkursionen zu Geflügelbetrieben, einer Packstelle und einer Futtermühle. Ein ausführlicher Bericht über die Tagung ist in der April-Ausgabe 2026 vorgesehen.








