
Studie zeigt lebende Keime im Eileiter von Masthähnchen
Im Eileiter von Hennen sitzen mehr Bakterien als bislang angenommen. Eine israelische Studie zeigt, dass lebende Keime sogar bis zur Eibildung vordringen könnten. Das wirft Fragen zur Entwicklung des Kükens auf.
von DGS Redaktion Quelle Hebrew University of Jerusalem erschienen am 23.04.2026Auf der Jahrestagung der Poultry Science Association hat ein Forschungsteam um Nir Ben Porat von der Hebrew University of Jerusalem neue Einblicke in den Eileiter von Hennen vorgestellt. Die Wissenschaftler fanden dort lebende Bakterien in Bereichen, in denen das Ei entsteht. Bisher ging die Forschung oft davon aus, dass diese Strukturen weitgehend keimfrei sind.
Die Arbeitsgruppe untersuchte zehn Broiler-Elterntiere der Linie Cobb im Alter von 37 Wochen. Sie entnahm Proben aus drei Abschnitten des Eileiters: Infundibulum, Magnum und Schalendrüse. Im Labor setzten die Forscher die Proben auf Nährmedien an und ließen sie mehrere Tage wachsen. Anschließend bestimmten sie die Bakterien mithilfe von 16S-rRNA-Sequenzierung.
Insgesamt identifizierte das Team 145 unterschiedliche Bakterienstämme. Besonders häufig traten Vertreter der Gattungen Lactobacillus und Bacteroides sowie Gruppen wie Lachnospiraceae und Oscillospiraceae auf. Diese Mikroorganismen kennt man vor allem aus dem Darm. Damit zeigt sich ein klarer Zusammenhang zwischen Darmmikrobiota und Fortpflanzungstrakt.
Unterschiede entlang des Eileiters
Die Forscher verglichen anschließend die einzelnen Abschnitte des Eileiters miteinander. Dabei fiel auf, dass das Magnum, also der Bereich, in dem das Eiklar gebildet wird, deutlich anders zusammengesetzt ist als die übrigen Regionen.
Ein Teil der Bakterien kam in allen drei Abschnitten vor. Andere Stämme fanden sich nur in bestimmten Bereichen. Vor allem zwischen Schalendrüse und Infundibulum gab es Überschneidungen, die im Magnum fehlten. Gleichzeitig zeigten die Messungen dort eine geringere antimikrobielle Resistenz.
Das Team leitet daraus ab, dass das Magnum eine Art Filterfunktion übernehmen könnte. Einige Bakterien überstehen diese Passage, andere nicht. Der Abschnitt könnte damit gezielt beeinflussen, welche Mikroorganismen weiter in Richtung Ei gelangen.
Möglicher Einfluss auf das Küken
Die Ergebnisse werfen eine zentrale Frage auf: Gelangen diese Bakterien tatsächlich in das Ei und damit in den Embryo? Die Studie liefert dafür noch keinen direkten Nachweis, zeigt aber eine mögliche Route.
Damit rückt ein Aspekt in den Blick, der für die Praxis relevant sein könnte. Wenn Hennen über den Eileiter bestimmte Bakterien weitergeben, könnte das die frühe Entwicklung des Kükens beeinflussen. Auch Prozesse wie Befruchtung oder Embryonalentwicklung könnten betroffen sein.
Die Autoren sehen das Magnum dabei als möglichen „Gatekeeper“. Die Physiologie der Henne könnte demnach steuern, welche Bakterien das Ei erreichen und damit den ersten Kontakt des Kükens mit Mikroorganismen prägen.











