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Aviäre Influenza in Europa

Frankreichs HPAI-Impfung und ihre Bedeutung für Deutschland

Frankreich hat erstmals systematisch ausgewertet, wie die verpflichtende Impfung von Enten gegen HPAI wirkt. Die Ergebnisse zeigen konkrete Effekte, machen aber auch Grenzen und neue Risiken sichtbar.

von DGS Redaktion Quelle ANSES, TSIS erschienen am 01.04.2026
Die Impfung kann den Infektionsdruck in Geflügelbeständen senken. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung bei Wildvögeln, dass Einträge in die Betriebe weiterhin jederzeit möglich bleiben. © 2026 Giovanni Cancemi/Shutterstock
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Die französische Behörde für Gesundheitsschutz in den Bereichen Ernährung, Umwelt und Arbeit (ANSES) hat die ersten Monate des verpflichtenden Impfprogramms gegen die hochpathogene aviäre Influenza (HPAI) bei Enten ausgewertet. Grundlage ist ein Modell, das Felddaten aus den ersten sechs Monaten nach Einführung mit früheren Versuchsergebnissen verknüpft.

Frankreich hatte das Programm im Oktober 2023 als erstes europäisches Land eingeführt. Auslöser waren erhebliche Verluste in den Jahren zuvor. Seitdem müssen alle gewerblichen Betriebe mit mehr als 250 Enten teilnehmen. Laut ANSES wurden bis Ende März 2024 rund 95 % der vorgesehenen Bestände geimpft.

Die Auswertung zeigt, wie sich der Schutz in den Beständen tatsächlich verteilt. Entenküken erhielten eine erste Impfung im Alter von etwa zehn Tagen und eine zweite rund 20 Tage später. Zu jedem Zeitpunkt waren nach Modellberechnungen etwa 40 bis 45 % der Tiere vollständig geschützt. Als vollständig geschützt gelten nur Tiere mit zwei Impfungen, solange die Immunität nicht nachlässt. Die Schutzwirkung bleibt zeitlich begrenzt. Nach etwa zehn Lebenswochen nimmt sie deutlich ab. In Regionen mit hohem Infektionsdruck erhielten Tiere mit längerer Haltungsdauer daher eine dritte Impfung. Das betrifft vor allem Bestände für die Foie-gras-Produktion.

Eine zentrale Erkenntnis betrifft die Impfstrategie über das Jahr hinweg. Frankreich hatte die Impfungen im Sommer zeitweise ausgesetzt, um Kosten zu senken. Laut ANSES erhöhte sich dadurch das Infektionsrisiko im darauffolgenden Herbst und Winter. Ein Teil der Bestände war zu diesem Zeitpunkt nicht ausreichend immunisiert, obwohl das Risiko durch steigende Viruszirkulation zunahm.

Damit stellt sich eine zusätzliche Frage: Wie muss ein Impfprogramm organisiert sein, damit Schutzlücken vermieden werden. Frankreich reagiert bereits. Seit 2024 wird die Impfung direkt nach dem Schlupf schrittweise ausgeweitet. Gleichzeitig prüfen die Behörden, wie Impfkonzepte für ältere Tiere angepasst werden können. In den beiden Saisons 2023/2024 und 2024/2025 lag die Zahl der Ausbrüche in Frankreich deutlich unter dem Vorjahr. ANSES führt das sowohl auf die Impfung der Enten als auch auf einen geringeren Viruseintrag durch Wildvögel zurück. Für die laufende Saison 2025/2026 melden die Behörden erneut Einträge aus der Wildvogelpopulation in Geflügelbestände. Das unterstreicht die Rolle der Biosicherheit und der laufenden Überwachung des Infektionsgeschehens.

Neue Ausbrüche in Europa

Parallel dazu registriert die EU weiterhin neue HPAI-Ausbrüche in Geflügelhaltungen. Nach Angaben der Europäischen Kommission wurden in der Woche bis zum 18. März 2026 neue Fälle in mehreren Mitgliedstaaten gemeldet. Grundlage sind Einträge im europäischen Tierseucheninformationssystem. Polen meldete vier zusätzliche Ausbrüche, Dänemark drei und Montenegro zwei. In Tschechien, Frankreich, Deutschland und Italien kam jeweils ein weiterer Fall hinzu. In Nordirland trat erstmals im Jahr 2026 ein Ausbruch auf.

Seit Jahresbeginn wurden in Europa rund 200 Ausbrüche in Geflügelhaltungen aus 16 Staaten gemeldet. In der überwiegenden Zahl der Fälle wurde das H5N1-Virus nachgewiesen. Polen weist die meisten betroffenen Betriebe auf, gefolgt von Deutschland, Italien und Frankreich. Meldungen an die World Organisation for Animal Health ergänzen das Bild. In den Niederlanden wurden zuletzt ein Bestand mit rund 13.400 Masthühnern in Nordbrabant sowie ein Legehennenbestand mit 22.500 Tieren in Drenthe bestätigt.

Auch in Deutschland bleibt das Geschehen präsent. Im März wurde ein HPAI-Ausbruch in einem kleinen Legehennenbestand in Bayern bestätigt. Bereits zuvor war das Virus im Februar in Thüringen nachgewiesen worden. Die aktuellen Fälle betreffen überwiegend kleinere Haltungen und zeigen, dass Einträge weiterhin jederzeit möglich sind.

HPAI bleibt in der Wildvogelpopulation präsent

Parallel dazu bleibt das Virus in der Wildvogelpopulation weit verbreitet. Nach aktuellen europäischen Meldedaten wurden seit Jahresbeginn bereits deutlich mehr Nachweise registriert als im gesamten Vorjahr im gleichen Zeitraum. Bereits bis Ende Februar lagen europaweit über 2.000 bestätigte Fälle bei Wildvögeln vor. Auch im März werden weiterhin zahlreiche Nachweise gemeldet, wobei Wildvögel den größten Anteil am Gesamtgeschehen ausmachen. Die Dynamik hat sich nach dem Winterhöhepunkt zwar abgeschwächt, das Virus zirkuliert jedoch weiterhin auf hohem Niveau. Damit bleibt der Eintrag in Geflügelbestände ein dauerhaftes Risiko.

Ein Sonderfall wurde aus Dänemark gemeldet. Dort wurde erstmals seit mehr als vier Jahren wieder das Virus H5N5 nachgewiesen, und zwar bei einer tot aufgefundenen Möwe. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass der Infektionsdruck aus der Wildvogelpopulation hoch bleibt. Damit behalten Maßnahmen zur Abschirmung der Bestände und zur Früherkennung eine zentrale Bedeutung, unabhängig vom Fortschritt bei Impfstrategien.