
Studie erwartet mehr Antibiotika in der Tierhaltung
Eine internationale Analyse rechnet damit, dass der Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung weltweit weiter zunimmt. Hintergrund ist vor allem die wachsende Tierproduktion in vielen Regionen der Welt.
von DGS Redaktion Quelle Nature Communications (2025); Bericht der FAO erschienen am 16.03.2026Rund 110.800 t Antibiotika wurden nach Berechnungen internationaler Forscher im Jahr 2019 weltweit in der Nutztierhaltung eingesetzt. Bleiben Tierbestände und Produktionssysteme auf dem aktuellen Entwicklungspfad, könnte diese Menge bis 2040 auf etwa 143.500 t steigen. Das entspricht einem Zuwachs von rund 30 %. Die Ergebnisse veröffentlichten Wissenschaftler um Alejandro Acosta im Fachjournal Nature Communications. Grundlage der Analyse sind Daten der Ernährungs und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO).
Im Kern spiegelt die Prognose eine Entwicklung wider, die sich seit Jahren abzeichnet. In vielen Regionen wächst die Nachfrage nach tierischen Lebensmitteln. Mit steigenden Einkommen und wachsender Bevölkerung nimmt die Produktion von Fleisch, Milch und Eiern zu. Wo mehr Tiere gehalten werden, steigt auch die Zahl tierärztlicher Behandlungen.
Gleichzeitig zeigen die Modellrechnungen der Studie, dass diese Entwicklung nicht zwangsläufig ist. Wenn Tiergesundheit, Management und Produktionsleistung verbessert werden, könnte der Antibiotikaeinsatz deutlich sinken. Unter günstigen Bedingungen wäre laut den Autoren sogar eine Reduktion um bis zu 57 % möglich.
Unterschiede zwischen den Weltregionen
Asien bleibt nach Einschätzung der Autoren der wichtigste Markt für Antibiotika in der Tierhaltung. Schon heute entfällt ein großer Teil der global eingesetzten Mengen auf diese Region. Auch in Afrika rechnen die Forscher mit einem deutlichen Anstieg, weil dort Tierproduktion und Nachfrage nach tierischen Produkten rasch wachsen.
Europa und Nordamerika zeigen ein anderes Bild. In vielen Ländern sind die Antibiotikamengen in der Nutztierhaltung in den vergangenen Jahren gesunken. Strengere Vorgaben, Monitoringprogramme und ein stärkerer Fokus auf Tiergesundheit haben hier bereits Wirkung gezeigt.
Tiergesundheit entscheidet über den Bedarf
Die Studie zeigt gleichzeitig, dass diese Entwicklung nicht zwangsläufig ist. Verbesserte Haltungsbedingungen, stabile Bestände und ein konsequentes Gesundheitsmanagement können den Bedarf an Antibiotika deutlich reduzieren.
Wenn Tierproduktion effizienter wird und Tiere länger gesund bleiben, sinkt auch die Zahl der Behandlungen. Unter solchen Voraussetzungen wäre nach Einschätzung der Autoren sogar eine deutliche Reduktion des weltweiten Antibiotikaeinsatzes möglich.
Für europäische Betriebe hat diese Diskussion eine zusätzliche Dimension. Der Antibiotikaeinsatz gilt inzwischen als wichtiger Maßstab für Tiergesundheit und Managementqualität. Gleichzeitig stehen Tierhalter im internationalen Wettbewerb mit Regionen, in denen Tierproduktion und Medikamenteneinsatz deutlich schneller wachsen.










