
Probiotika zeigen Wirkung gegen Enteritiden und Salmonellen
Neue Versuche aus Kanada untersuchen, wie Lactobacillus-Mischungen Leistung und Tiergesundheit stabilisieren können.
von DGS Redaktion Quelle Canadian Poultry, Mohammed Alizadeh, PhD, University of Guelph, Kanada erschienen am 13.02.2026Wie das Fachportal Canadian Poultry über ein Webinar von Mohammed Alizadeh, PhD, University of Guelph, berichtet, zeigen mehrere Studien positive Effekte eines Probiotika-Cocktails auf Darmgesundheit, Immunantwort und Leistung bei Masthühnern. Untersucht wurden sowohl die Wirkung gegen nekrotische Enteritis als auch gegen Salmonella Typhimurium sowie der Einsatz unter Stressbedingungen.
Ersatz für antibiotische Leistungsförderer
Antibiotische Leistungsförderer werden in vielen Ländern nicht mehr eingesetzt. Laut Alizadeh kann der Wegfall dieser Mittel zu geringeren Zunahmen und zu einer höheren Anfälligkeit gegenüber Infektionen führen. Probiotika gelten als mögliche Alternative. Dabei handelt es sich um lebende Mikroorganismen, meist Milchsäurebakterien, die in ausreichender Menge verabreicht werden und die Darmflora positiv beeinflussen sollen.
Im Mittelpunkt der Untersuchungen standen verschiedene Arten der Gattung Lactobacillus. Diese Bakterien gehören zur natürlichen Darmflora von Geflügel und produzieren unter anderem Milchsäure, die krankmachende Keime hemmen kann.
Frühe Besiedlung des Darms im Brutei
In einer ersten Studie wählte das Forschungsteam fünf Lactobacillus-Stämme aus, die im Labor eine besonders starke immunologische Aktivität zeigten. „Immunologisch“ bedeutet hier: Die Bakterien stimulierten Abwehrzellen des Körpers.
Die Mischung wurde am 18. Bruttag direkt in das Ei injiziert. Diese sogenannte In-ovo-Applikation zielt darauf ab, den Darm unmittelbar nach dem Schlupf mit nützlichen Bakterien zu besiedeln. Die natürliche Darmbesiedlung beginnt zwar direkt nach dem Schlupf, gilt jedoch erst nach etwa zwei Wochen als stabil.
Getestet wurden zwei unterschiedliche Mengen des Probiotikums: einmal eine Million und einmal zehn Millionen lebensfähige Bakterien pro Gabe. Als Maß dienten sogenannte koloniebildende Einheiten, kurz CFU. Dieser Wert gibt an, wie viele Bakterien sich im Darm tatsächlich vermehren können.
Blutuntersuchungen bis zum 35. Lebenstag zeigten, dass die höhere Menge von zehn Millionen Bakterien die deutlich stärkere Immunreaktion auslöste. Sowohl die zelluläre Abwehr als auch die Bildung von Antikörpern nahmen zu. Außerdem veränderte sich die Zusammensetzung bestimmter Abwehrzellen in der Milz. Diese Zellen, die Lymphozyten genannt werden, spielen eine zentrale Rolle im Immunsystem.
Schutz vor nekrotischer Enteritis
In einer weiteren Studie prüfte das Team die Wirkung gegen nekrotische Enteritis. Diese Darmerkrankung wird durch das Bakterium Clostridium perfringens verursacht und führt zu Entzündungen und Gewebeschäden im Dünndarm. Klinisch äußert sie sich unter anderem durch verminderte Futteraufnahme, schlechtere Zunahmen und erhöhte Sterblichkeit.
Nach Vorversuchen im Labor setzte Alizadeh zwei höhere Mengen ein: zehn Millionen und hundert Millionen lebensfähige Bakterien pro Gabe. Die Tiere erhielten den Probiotika-Cocktail an mehreren Tagen, bevor sie gezielt mit Clostridium perfringens infiziert wurden.
Die höhere Menge von hundert Millionen Bakterien verringerte die krankhaften Veränderungen im Darm deutlicher als die niedrigere Menge. Die Forscher beurteilten dafür zum einen die Darmmorphologie, also den Aufbau und Zustand der Darmschleimhaut. Zum anderen vergaben sie sogenannte Läsionsscores. Dabei handelt es sich um ein standardisiertes Punktesystem, mit dem sich Ausmaß und Schwere von Gewebeschäden im Darm einordnen lassen.
Nach Angaben des Referenten beeinflussten die Lactobazillen die Immunreaktion im Darm und trugen dazu bei, die Darmschleimhaut in ihrer Struktur zu stabilisieren. Alizadeh betonte zugleich, dass die richtige Menge entscheidend ist. Werden zu wenige Bakterien verabreicht, können sie den Verdauungstrakt passieren, ohne sich im Darm anzusiedeln und ihre Wirkung zu entfalten. Zu hohe Mengen können dagegen das natürliche Gleichgewicht der Darmflora stören. Mit Darmflora oder Mikrobiota ist die Gesamtheit aller Mikroorganismen gemeint, die den Darm besiedeln und dort wichtige Funktionen übernehmen.
Wirkung unter hoher Besatzdichte
Ein weiterer Versuch untersuchte die Wirkung unter Stressbedingungen. Als Stressfaktor wählte das Team eine hohe Besatzdichte von 30 Tieren pro Quadratmeter. Eine hohe Tierdichte kann die Immunabwehr schwächen und die Keimbelastung erhöhen, da mehr Kot pro Fläche anfällt.
Die Probiotika reduzierten unter diesen Bedingungen die Entwicklung nekrotischer Enteritis und verbesserten die Gewichtszunahmen. Zudem sank die Bildung entzündungsfördernder Botenstoffe im Ileum, einem Abschnitt des Dünndarms. Solche Botenstoffe, sogenannte Zytokine, steuern Entzündungsprozesse.
Außerdem nahm die Vielfalt der Bakterien im Darm zu. Fachleute sprechen hier von einer höheren Alpha-Diversität. Gemeint ist damit die Anzahl unterschiedlicher Bakterienarten in einem bestimmten Darmabschnitt.
Reduktion der Salmonella-Ausscheidung
In einer weiteren Untersuchung prüfte Alizadeh die antibakterielle Wirkung gegen Salmonella Typhimurium. Küken erhielten am ersten Lebenstag einen Lactobacillus-Cocktail aus sechs ausgewählten Bakterienstämmen. Die Menge entsprach zehn Millionen lebensfähigen Bakterien pro Tier. Am zweiten Lebenstag infizierte das Team die Tiere gezielt mit S. Typhimurium. Fünf Tage später untersuchten die Forscher, wie viele Salmonellen die Tiere über den Kot ausschieden.
Die Behandlung reduzierte die Salmonellen-Ausscheidung um den Faktor zehn.
Alizadeh betonte abschließend, dass eine wirksame Kontrolle von Salmonellen im Betrieb einen umfassenden Ansatz erfordert. Dazu zählen Impfprogramme, geeignete Futterzusatzstoffe und konsequente Biosicherheitsmaßnahmen.








