
Ein Hof, der mitgeht
Aus wenigen Hühnern entwickelte sich innerhalb eines Jahrzehnts ein vielseitiger Direktvermarkterbetrieb. Nicole und Markus Haslbeck setzen konsequent auf Mobilstallhaltung, Transparenz und eigene Verarbeitung. Mit ihrem MarOle’s Hofladen verbinden sie Tierwohl, Regionalität und unternehmerische Flexibilität.
von Helga Gebendorfer erschienen am 05.03.2026Weil sie ohne Tiere nicht leben wollte, kaufte ihr Mann auf dem Sünchinger Taubenmarkt 20 Hühner und einen Gockel. „Ich bin mit Kühen groß geworden und wollte nach der Einheirat in den Haslbeck-Hof wieder welche. Doch für den Anfang einigten sich mein Mann und ich auf Federvieh“, erzählt Nicole Haslbeck. Das war 2013, und seitdem sind daraus 5.000 Legehennen, weiteres Geflügel sowie etliche andere Tierarten geworden. Der ursprüngliche Ackerbaubetrieb mit Bullenmast bis 1999 entwickelte sich zu einem Direktvermarkterbetrieb mit einer Reihe von Tierhaltungen und dem eigenen MarOle’s Hofladen.
Betriebsübernahme und Neuausrichtung
Markus Haslbeck übernahm den elterlichen Gutshof 2004 mit 120 ha überwiegend gepachteter landwirtschaftlicher Nutzfläche (LN). Heute sind es 40 ha LN mit dem Anbau von Kartoffeln, Zuckerrüben und Getreide sowie 6,6 ha Wald. Gemeinsam mit seiner Frau startete der Landwirtschaftsmeister nach der Hochzeit neun Jahre später mit der Geflügelhaltung eine Erfolgsgeschichte. Los ging es 2015 mit einem Kotgrubenstall für 300 Legehennen. 2017 folgte der erste Mobilstall, zwei Jahre später ein mobiler Stall für Enten und Gänse. Im vergangenen Jahr kam schließlich ein „Chicken-Trailer“ für Masthähnchen hinzu. Aktuell verfügt der Betrieb über vier Legehennen-Mobilställe mit jeweils 1.250 Plätzen sowie einen Mobilstall für Hähnchen mit 300 Tierplätzen.
Tierwohl und Transparenz als Leitmotiv
Warum entschieden sich Markus und Nicole Haslbeck für Mobilställe? „Es ist uns wichtig, nicht nur von Tierwohl zu sprechen, sondern es auch umzusetzen. Bei uns dürfen alle Tiere raus“, so die 37-Jährige. Transparenz gegenüber der Kundschaft sei entscheidend. Die Kunden erhalten Einblick in die Tierhaltung und erleben diese so, wie sie tatsächlich ist. Mobilställe bedeuten mehr Arbeit, doch das nehmen die Betriebsleiter bewusst in Kauf. Kunden achten weniger auf Siegel und Zertifizierungen als auf das sichtbare Wohl der Tiere.
1Diese Erfahrung führte dazu, dass der Betrieb von Ostern bis zu den Sommerferien regelmäßig Schulen und Kindergärten empfängt. Bei geführten Rundgängen sollen Kinder wieder mehr Bezug zur Landwirtschaft bekommen.
Stalltechnik, Einstreu und Fütterung
Die vier Big-Dutchman-Ställe sind jeweils 8 m × 20 m groß und bieten zusammen mit der ebenso langen Voliere viel Platz. Eingestreut wird mit Weizenstroh, Dinkelspelzen-Briketts und Dekamix-Hygienekalk. Ziel ist eine trockene, lockere Einstreu. Aufgrund der Vogelgrippegefahr wird aktuell wärmebehandeltes Weizenstroh eingesetzt. Bis Weihnachten 2024 mischten die Halter das Futter selbst, inzwischen wird Donausoja-Fertigfutter verwendet.
Neben der täglichen Sichtkontrolle wird wöchentlich stichprobenartig das Gewicht der Tiere erfasst. Futter- und Wasserverbrauch dienen als zentrale Indikatoren für das Tierwohl. Bei Störungen erfolgt automatisch eine Meldung aufs Handy. Die Stallkontrolle findet zweimal täglich statt, die Eierabnahme einmal.
Die Mobilställe liefern ganzjährig Eier für die Direktvermarktung. Die Legehennen stammen im Alter von 17 Wochen von einem Junghennenaufzüchter. Enten, Gänse und Hähnchen kommen im Alter von drei Wochen von der Geflügelfarm Kammermeier in Schierling. Am Ende der Legesaison soll die Legequote mindestens 70 % betragen.
Die Legeperiode dauert 15 Monate und soll künftig verlängert werden. Pro Jahr sind nur noch zwei statt drei Stallwechsel vorgesehen. Das spart Reinigungs- und Desinfektionsaufwand. Markus Haslbeck übernimmt diese Arbeiten selbst, ebenso die Schädlingsbekämpfung.
Eiervermarktung und Absatzwege
Die Eier werden zum Hof transportiert und teilweise für Wiederverkäufer gestempelt. S- und XL-Eier ausgenommen, werden alle Eier unsortiert verkauft. Absatzwege sind der Ab-Hof-Verkauf, acht Edeka-Filialen, ein Rewe-Markt, eine Marktbeschickerin, ein Restaurant und ein Altenheim.
Die Ab-Hof-Vermarktung begann 2013 mit einem Kühlschrankverkauf, gefolgt von einem Mini-Hofladen. Vor zwei Jahren eröffnete der neu gebaute, 300 m² große MarOle’s Hofladen mit 170 m² Verkaufsraum, Hofcafé und Produktionsraum. Der barrierefreie Laden arbeitet mit Selbstbedienung und SB-Kasse und ist täglich von 8 bis 21 Uhr geöffnet. Nach der Corona-Zeit folgten Inflation, Umsatzrückgang und Diebstahlprobleme. Die Antwort: Präsenz zeigen, Werbung ausbauen und Innovationen vorantreiben, unter anderem über soziale Medien.
2Die Eier werden lose oder in Schachteln verkauft. Überschüsse fließen in die eigene Nudelproduktion mit 26 Sorten, die im EU-zugelassenen Verarbeitungsraum erfolgt. Die Bruderhähne lässt der Betrieb aufziehen, eine eigene Vermarktung war mangels Nachfrage nicht erfolgreich.
Seit Herbst 2024 verfügt der Betrieb über eine eigene EU-Schlachtung. Althennen werden teils lebend abgegeben, teils selbst geschlachtet und als Suppenhühner oder Hühnersuppe vermarktet.
Eier bleiben das wichtigste Standbein, sind jedoch arbeitsintensiv. Künftig soll der Schwerpunkt stärker auf die Fleischvermarktung verlagert werden.
Breites Fleischsortiment aus eigener Haltung
Zum Angebot zählen Hähnchen, Enten und Gänse aus extensiver Haltung, Sika-Wild aus dem Gehege, Fleisch von Dexter-Rindern, Dorper-Schafen, Burenziegen sowie Duroc-Schweinen. Mit Ausnahme der Schweine wird alles selbst geschlachtet. Auch Innereien werden vermarktet. Ergänzt wird das Sortiment durch Wurstwaren eines Metzgers.
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Ein breites Sortiment, Tierkontakt, Führungen und ein Streichelzoo sollen die zusätzliche Anfahrt lohnend machen. Haupteinzugsgebiet sind Obertraubling und Regensburg.
Nicole und Markus Haslbeck sind stolz auf die Entwicklung ihres Betriebs. Mit wachsendem Umfang stieg auch der Arbeitsaufwand. Unterstützt werden sie von fünf Minijobberinnen. Effizienz und eine klare Betriebsstruktur sind entscheidend.
Ziel ist es, möglichst viel selbst zu erledigen und die Eierproduktion zugunsten der Fleischvermarktung zu reduzieren. Mit Zuversicht blicken die Betriebsleiter in die Zukunft. Als neuer Blickfang wären sogar Kamele denkbar.

Dank großzügiger Stallflächen sieht sich der Betrieb gut auf eine mögliche Aufstallungspflicht vorbereitet. Beschäftigungsmaterial, hochwertige Einstreu und konsequente Biosicherheitsmaßnahmen sollen das Tierwohl sichern. Die Vermarktung als Freilandeier bleibt auch im Ernstfall möglich.
Der Haslbeck-Hof entwickelte sich seit 2013 von einem kleinen Geflügelbestand zu einem breit aufgestellten Direktvermarkterbetrieb mit eigener Verarbeitung und Hofladen. Nicole und Markus Haslbeck setzen konsequent auf Mobilstallhaltung, Transparenz und Tierwohl und vermarkten ihre Produkte überwiegend regional. Zentrales Standbein sind Eier aus vier Legehennen-Mobilställen, ergänzt durch Nudelproduktion und ein stetig wachsendes Fleischsortiment aus eigener Tierhaltung. Seit 2024 verfügt der Betrieb zudem über eine eigene EU-Schlachtung, wodurch Althennen und Geflügel vollständig selbst vermarktet werden können. Der neu gebaute MarOle’s Hofladen mit Hofcafé ist barrierefrei, arbeitet in Selbstbedienung und wird aktiv über soziale Medien beworben. Künftig soll die arbeitsintensive Eierproduktion reduziert und der Schwerpunkt stärker auf die Fleischvermarktung verlagert werden.






















