
Mit System zu 600 Eiern pro Legehenne
Langlebige Legehennen – mit System zu 600 Eiern pro Tier. Ein sehr gut besuchtes Online-Seminar zu diesem Thema veranstaltete die Firma MS Schippers Ende 2025 zusammen mit der Ulmer-Akademie und der DGS.
von Susanne Gnauk, Redaktion DGS erschienen am 16.01.2026600 Eier pro Legehenne sind möglich, aber nur mit einem durchdachten Konzept. Die Firma MS Schippers empfiehlt ihr HyCare-Konzept, das auf fünf Säulen beruht: keimfreie Lebensumgebung, sauberes Trinkwasser, tiergesundheitliche Unterstützung, schädlingsfreie Ställe und porenfreie Oberflächen. Alle fünf Säulen greifen ineinander. Diese vollständig durchzuführen, sei dabei am erfolgreichsten. Das verdeutlichten die Referenten Carola Basmer und André Gröne in einem Online-Seminar, das zusammen mit der Ulmer-Akademie und der DGS organisiert wurde.
Eine längere Nutzungsdauer der Legehennen senkt Futter-, Energie- und Aufzuchtkosten, verdeutlichte Carola Basmer von MS Schippers, die zusammen mit ihrem Kollegen André Gröne fachkundig durch das gemeinsam mit der Ulmer-Akademie und der DGS veranstaltete Online-Seminar ihres Unternehmens „Langlebige Legehennen – mit System zu 600 Eiern pro Tier“ führte. Der züchterische Fortschritt mit einer zunehmenden Selektion auf Merkmale wie Robustheit, Knochenstabilität und Legeleistung über mehrere Zyklen lege den Grundstein für langlebigere und trotzdem leistungsfähige Legehennen.
Unter dem Motto „Prävention statt Reaktion“ stellten die beiden Berater das HyCare-Konzept des Unternehmens vor, um Legehennen lange gesund zu erhalten. Prinzipiell steht das Hygienemanagement-Konzept HyCare auf fünf tragenden Säulen, die praxisnah untermauert wurden:
- Keimfreie Lebensumgebung
- Sauberes Trinkwasser
- Tiergesundheitliche Unterstützung
- Schädlingsfreie Ställe
- Porenfreie Oberflächen
Erreicht werden können damit laut MS Schippers im Durchschnitt:
- eine um 1,5 % verbesserte Futterverwertung,
- 1,0 % mehr Eier pro Henne,
- 0,5 % weniger Mortalität,
- 0,75 % mehr Eier erster Wahl,
- mehr Kontinuität in der Leistung.
Keimarme Lebensumgebung: Hygieneprotokoll wichtig
Eine lange Leistungsfähigkeit der Tiere funktioniert nur mit einem strikten Hygieneregime, um die Lebensumgebung möglichst keimarm zu halten. Basis dafür ist ein Hygieneprotokoll, das jeder Betrieb individuell erstellen und das jährlich revisioniert werden sollte. Die Wege und Bereiche sollten klar definiert und aufgeschrieben werden (siehe Kasten). Um die Schwarz-Grau-Weiß-Bereiche zu unterscheiden, eignet sich ein Farbsystem sehr gut.
Klar festzuschreiben sind die durchzuführenden Abläufe und auch die daraus resultierenden Abläufe. Die Grenzen der Bereiche sind deutlich zu machen. Im Protokoll ist auch der Einsatz der Reinigungs- und Desinfektionsmittel und deren Anwendung zu fixieren (z. B. Säuberung Fußmatte – womit und in welchen Abständen?). „Je konkreter Sie das Protokoll definieren, desto besser“, betonte Basmer.
Externe Biosicherheit:
- Wege zwischen Stall – Hof – Wohnhaus festlegen (auch für Futter- und Tiertransporte bzw. Kadaverabholung etc.)
Interne Biosicherheit (im Stall):
- Laufwege festlegen, z. B. zwischen Stall – Kadaverkühlung – Kantine
- Abläufe festlegen, z. B.: Wer bringt wann Kadaver in die Kühlung?
Reinigung und Desinfektion
- Keine Abstriche machen, gründlich arbeiten.
- Ablauf und Mittel festlegen.
Schritte:
- 1. Grob einweichen ohne viel Druck, aber mit viel Wasser.
- 2. Schaumreinigung.
- 3. Trocknen lassen.
- 4. Desinfektion: Nass mit Schaum. Dort, wo Schaum nicht hinkommt: Verneblung (Trockendesinfektion).
Sauberes Trinkwasser
Das Tränkwasser sollte generell sauber, gesund und ausreichend verfügbar sein, kam André Gröne auf die zweite Säule des HyCare-Konzepts zu sprechen. Gesund heißt, arm an Bakterien, Hefen und Pilzen. Darauf sind die Leitungen regelmäßig mit einer Endoskopkamera zu prüfen. In der HyCare-App werden die Bilder entsprechend bewertet und gespeichert.
Biofilme bestehen aus einer harten (Mineralien) und einer weichen Schicht (Mikroben, Hefe, organische Substanzen). Zur Reinigung der Leitungen im belegten Stall sollten die Mittel bestimmte Eigenschaften aufweisen. Sie sollten antibakteriell wirken, pH-unabhängig sein, Biofilm entfernen können, unabhängig durch Verwendung von Nebenprodukten sein (heißt, die Wirkung ändert sich nicht bei zusätzlicher Verwendung eines anderen Produkts), keine Wirkung auf Geruch und Geschmack haben und nicht ätzen.
„Wir schauen viel in Tränkwasserleitungen hinein. In Ecken oder Verbindungsstücken sammelt sich immer wieder Dreck an, weswegen außerdem auch in der Serviceperiode einmal komplett richtig gereinigt werden sollte“, unterstrich Gröne. Im Leerstand werden die Leitungen mit diesen Maßnahmen von Biofilm gereinigt:
- Beginn mit alkalischem Reiniger (gegen die weiche Schicht)
- Saurer Reiniger (sieben bis acht Stunden gegen die Mineralien)
- Optional: Wasserstoffperoxid
Tiergesundheit: Risikofaktoren im Blick
Carola Basmer ging im Schnelldurchlauf auf die wichtigsten Risikofaktoren in Bezug auf die optimale Versorgung der Legehennen und die Tiergesundheit ein:
- Einstallung
- Start und Verbesserung Legeleistung
- Legespitze
- Leberverfettung
- Verminderte Eischalenqualität
- Impfungen und Wurmkuren
- Wetter und Stallklima
Einstallung und Legeleistung
Das Verladen und der Transport, die neue Umgebung, verbunden mit einer Futterumstellung, sind Stressfaktoren für die Jungleger in der Phase der Umstallung zwischen der 17. und 19. Lebenswoche. Stress wirkt sich negativ auf den Körper aus und beeinflusst die Darmfunktion. Gegengesteuert werden könne mit Vitamin C als Antioxidant und einer gezielten Säureunterstützung bei Coliproblemen. Ein niedriger pH-Wert erleichtert überdies die Enzymverdauung. Bereits im Vorfeld helfen Elektrolyte plus Vitamin C, erklärte Basmer.
Der Start und die Steigerung der Legeleistung sind ebenfalls Stressfaktoren für die Legehennen, die den Colidruck steigen lassen. Mit der Eierproduktion erhöht sich überdies die Calcium- und Phosphorausschüttung aus dem Skelett. Bei steigender Eierproduktion und, bedingt durch den Futtermittelwechsel, besteht das Risiko von Darmproblemen, verstärkt durch den Druck aus dem Legeapparat. Die Hennen können hier durch gezielte Gaben von Säuren, Calcium (Ca), Phosphor (P), Selen (als „Muskelentspanner“) und anderen Mineralstoffen sowie Verabreichung der Vitamine A, D3 und E (das „Fruchtbarkeitsvitamin“) unterstützt werden.
Ein spezieller Risikofaktor ist die Legespitze. „Je langsamer die Legekurve steigt, desto länger dauert die Legephase“, verdeutlichte die Beraterin und riet dazu, die Legespitze einfach kommen zu lassen. „Machen Sie hier keine Experimente“, mahnte Basmer. Durch den anhaltenden Druck auf den Stoffwechsel werden die Legehennen maximal belastet, sodass eine kleine Änderung sofort große Konsequenzen haben kann. Die Hochleistungstiere sollten mit absolut sauberem Wasser versorgt und in der Phase besonders gut beobachtet werden.
1Risikofaktor Leberverfettung – schnell handeln
Das Risiko der Leberverfettung ist bei den Hochleistungstieren hoch und eher bei weißen als bei braunen Legern zu beobachten, führte Carola Basmer aus. Ein Ungleichgewicht zwischen Proteinen und/oder Fettsäuren erhöht die Leberaktivität. Die Leber will keine Energie verschwenden. Es besteht die Gefahr, dass übermäßig Fett in der Leber und der Bauchhöhle gespeichert wird. Eine zu hohe Fettansammlung in der Leber führt zu Entzündungen (NASH) und Narbenbildung bis hin zur Leberzirrhose (Ersatz der Leberzellen durch Narbengewebe).
Bei entsprechenden Symptomen (Kämme beobachten, Gewichtskontrollen!) sollten Legehennenhalter schnell handeln und mit dem Tierarzt und der Futterfirma eng zusammenarbeiten. Gaben von Cholin, Vitamin B und E ab Woche 30 wirken vorbeugend. Als „Brandlöscher“ eignen sich zusätzliche Gaben von Vitamin E und K.
Eischalenqualitätsproblemen begegnen
Physiologische Veränderungen verzögern den Ca-Stoffwechsel, was zu Eischalenqualitätsproblemen führen kann. Legehennen sollten deswegen mit verschiedenen Kalziumquellen versorgt werden: Zusätzlich neben dem Futter sollte länger verfügbares Ca angeboten werden. Zu achten ist hierbei auch auf die richtige Wichtung von P zu Ca, das Gleichgewicht sollte am Ende fast 1 : 1 betragen. Denn ohne P kein Ca-Einbau. Zur Regulierung der Kalkspeicherung ist auch Vitamin D3 in der Niere nötig – hier ist aber Überdosierung zu vermeiden.
Impfungen und Wurmkuren
Auch Impfungen und Wurmkuren können kurzfristig das Wohlbefinden beeinträchtigen. Impfungen sollten gut geplant und vorher mit zusätzlichen Vitamin- und Mineralstoffgaben unterstützt werden. Zu achten ist auf ein sauberes Impfen (Impfhygiene).
Regelmäßige Wurmkuren sind ebenfalls in Bodenhaltung wichtig, mahnte Basmer. Bei einer Wurmkur wird die Leber stark beansprucht, weswegen das Organ unterstützt werden sollte, damit es die gebildeten Mykotoxine hinterher wieder ausscheiden kann.
Stallklima und Wetter
Wind, Regen, Temperatur, Ammoniak und Hitzestress sind ebenfalls Stressfaktoren. Bei Wind steigt mit der Zugluft im Stall der Colidruck. Hier lässt sich eventuell auch mit baulichen Möglichkeiten gegensteuern, z. B. durch Bepflanzung an der Wetterseite. Auch Regen führt zu verstärktem Colidruck, dem mit entsprechendem Säuremanagement begegnet werden kann. Wichtig sind bei Niederschlägen Wasserhygienemaßnahmen, vor allem bei Auslaufhaltungen – die Hennen kommen von draußen rein und verschmutzen die ersten Nippel.
Bei Temperaturschwankungen bleiben vor allem schwache Tiere gern im Stall, das sich bildende Kondenswasser kann dann zu dreckigem Gefieder und verdreckten Eiern führen. Durch ein angepasstes Entmistungsmanagement lassen sich diese Auswirkungen reduzieren.
Auch bei übermäßiger Ammoniakbelastung bleiben vor allem schwache Tiere sitzen, fressen und trinken nicht mehr, verstecken sich in der Anlage. In einem mit Schadgasen belasteten Stall steigt überdies der Milbendruck.
Bei Hitze ist auf ausreichende Wasserversorgung zu achten. Unterstützend wirken hier ebenfalls Elektrolyte und Vitamin C (Stressreduktion gerade bei Respirationsstress).
Schädlingsbekämpfung professionell bekämpfen
Ein enormes Risiko für langlebige, gesunde und leistungsfähige Legehennen stellen Schädlinge – von Schadnagern bis Parasiten – dar. Schadnager übertragen Krankheiten, verunreinigen das Futter und können Wege für andere Schädlinge wie den Fuchs schaffen. Für ein ganzheitliches Konzept zur Schadnagerbekämpfung sollte eng mit Profifirmen zusammengearbeitet werden.
Schädling Nummer 1 unter den Ektoparasiten ist die Rote Vogelmilbe. Mit einem entsprechenden Monitoring ist Sorge zu tragen, dass man immer über den Milbenbefallsgrad im Stall informiert ist. Ganzjährige Maßnahmen sind besser als Maßnahmen, wenn der Milbenbefall überhandnimmt. Milbennester sollten zeitig mit bewährten Mitteln, wie z. B. Raubmilben, Silikate oder einer Seifen-Spiritus-Mischung, beseitigt werden. Zu den Endoparasiten zählen Würmer und Histomonaden. Wichtig ist eine regelmäßige Entwurmung nach Plan, bei Schwarzkopfproblemen ist Auslaufpflege bedeutsam.

Fünfte Säule: Porenfreie Oberflächen
Die fünfte tragende Säule des HyCare-Konzepts ist die Schaffung porenfreier Oberflächen durch spezielle Kunstharzbeschichtungen. Solch eine Beschichtung isoliere laut MS Schippers gegen Kokzidien und Salmonellen sowie Feuchtigkeit aus dem darunterliegenden Beton und verbessere die allgemeine Gesundheit der Tiere. Sie sei widerstandsfähig gegen Abnutzung der Böden durch chemische Mittel oder Dung und erleichtere die Reinigung. Die thermische Isolierung senke die Temperatur im Sommer um 1 bis 2 Grad und halte die Ställe im Winter wärmer. Hier bestehe vor allem Handlungsbedarf in älteren Ställen im Stallbereich sowie in den Vorräumen und im Eierlager.












