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Tierwohl und Leistung in der Putenmast

Schnelles Wachstum fordert das Skelett heraus

Ein schnelles Wachstum ist in der Putenmast gewollt. Eine aktuelle US-Untersuchung zeigt jedoch, dass das Skelett nicht im gleichen Tempo mitkommt. Damit stellt sich die Frage, welche Folgen das für Lahmheiten, Tierwohl und Zuchtziele hat.

von DGS Redaktion Quelle University of Georgia, ModernPoultry erschienen am 20.03.2026
Schnelles Wachstum stellt hohe Anforderungen an Knochen und Bewegungsapparat von Mastputen. Die Entwicklung in den ersten Mastwochen ist entscheidend. © Budimir Jevtic/Shutterstock
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Im Rahmen eines Webinars des Poultry Extension Collaborative 2025 hat Stephanie Kulbacki von der University of Georgia Ergebnisse zur Skelettentwicklung und zum Gangbild bei Mastputen vorgestellt. Grundlage waren Versuche aus ihrer Zeit an der Purdue University.

Im Kern zeigt die Arbeit ein bekanntes, aber selten so klar quantifiziertes Problem. Das Körpergewicht männlicher Mastputen steigt schneller als sich Knochenstruktur und Belastbarkeit entwickeln. Gleichzeitig relativiert die Studie eine verbreitete Annahme: Ein schweres Tier hat nicht automatisch stabilere Knochen, ein leichteres Tier nicht zwangsläufig schwächere.

Die frühe Mastphase ist entscheidend

Im Verlauf der Mast zeigt sich der Zusammenhang sehr klar: Zwischen der achten und zwölften Lebenswoche wachsen die Tiere am stärksten, sie legen in kurzer Zeit deutlich an Gewicht zu und bauen gleichzeitig Knochenmasse auf, wobei vor allem die Knochengewichte kräftig zunehmen, bevor sich dieses Wachstum in den folgenden Wochen sichtbar verlangsamt. Gleichzeitig verändert sich, wie eng Gewicht und Stabilität zusammenhängen. Zu Beginn lässt sich noch erkennen, dass schwerere Tiere tendenziell belastbarere Knochen haben, doch dieser Zusammenhang schwächt sich mit zunehmendem Alter deutlich ab und verschwindet schließlich fast vollständig. Für die Praxis bedeutet das: Wer nur auf das Körpergewicht schaut, kann die tatsächliche Belastbarkeit des Skeletts nicht verlässlich beurteilen.

Umweltanreize mit begrenzter Wirkung

Im Versuch wurden verschiedene Beschäftigungs- und Strukturangebote eingesetzt, darunter Plattformen, Strohballen, Pickblöcke und Tunnel. Hier waren einzelne Effekte messbar, etwa beim Knochendurchmesser oder bei biomechanischen Eigenschaften in der frühen Phase. Allerdings ergab sich kein klares, durchgängiges Bild. Dabei spielte eine entscheidende Rolle, wie die Tiere die Angebote nutzten. Dies wurde parallel beobachtet. Insgesamt blieb der Einfluss der Umweltanreize auf die Knochenqualität begrenzt.

Gangbild als praxisnaher Ansatz

Ein zweiter Schwerpunkt lag auf der Bewertung des Gangbildes. Hier zeigt sich ein Ansatz, der sich auch für die Praxis eignet.

Tiere mit Lahmheit bewegten sich langsamer, machten weniger Schritte pro Minute und benötigten mehr Zeit für einzelne Bewegungsabläufe. Gleichzeitig verlagerten sie die Belastung stärker auf ein Bein. Die Messungen deuten darauf hin, dass dabei häufig eine Seite stärker eingeschränkt ist. Interessant ist, dass sich das Körpergewicht zwischen lahmen und unauffälligen Tieren nicht unterschied. Lahmheit ist damit kein reines Gewichtsproblem.

Für die Beurteilung wurden sowohl klassische Bonituren als auch ein drucksensitiver Laufgang eingesetzt. Die Ergebnisse zeigen, dass sich beide Methoden sinnvoll ergänzen. Während die visuelle Einschätzung schnell im Bestand möglich ist, liefern technische Verfahren zusätzliche Genauigkeit.

Ergebnisse zu Alter und Umweltanreicherung

Zwischen der achten und zwölften Lebenswoche wachsen die Tiere am stärksten, sie legen in kurzer Zeit deutlich an Gewicht zu und bauen gleichzeitig Knochenmasse auf, wobei vor allem die Knochengewichte kräftig ansteigen, bevor sich dieses Wachstum in den folgenden Wochen spürbar verlangsamt. Gleichzeitig verändert sich, wie eng Gewicht und Stabilität tatsächlich zusammenhängen. Zu Beginn lässt sich noch erkennen, dass schwerere Tiere tendenziell belastbarere Knochen haben, doch dieser Zusammenhang schwächt sich mit zunehmendem Alter deutlich ab und verschwindet schließlich fast vollständig. Für die Praxis bedeutet das: Wer nur auf das Körpergewicht schaut, kann die tatsächliche Belastbarkeit des Skeletts nicht verlässlich beurteilen.

Die Effekte der Umweltanreicherung bleiben dagegen uneinheitlich. Einzelne Angebote wie Tunnel oder Strohballen zeigen in frühen Phasen messbare Effekte auf Knochendurchmesser oder biomechanische Eigenschaften. Ein durchgängiger Einfluss über alle Altersstufen hinweg lässt sich jedoch nicht ableiten. Hinzu kommt, dass die Nutzung dieser Angebote im Bestand unterschiedlich ausfällt. Ob ein Effekt überhaupt zum Tragen kommt, hängt also stark davon ab, ob die Tiere die Strukturen tatsächlich annehmen.

Unterm Strich zeigt sich: Die entscheidenden Prozesse für die Skelettentwicklung laufen früh in der Mast ab. Maßnahmen später im Verlauf haben deutlich weniger Einfluss.

Konsequenzen für Zucht und Management

Die Ergebnisse zeigen also, dass Leistung und Skelett nicht automatisch im gleichen Tempo wachsen. Dies stellt die Zucht vor eine Herausforderung. Denn, wenn Tiere schnell an Gewicht zulegen, müssen Knochen und Bewegungsapparat diese Last auch tragen können.

Kulbacki leitet daraus ab, dass skelettbezogene Merkmale stärker in die Zucht einfließen können, ohne dass die Mastleistung zwangsläufig sinkt. Gleichzeitig entscheidet sich vieles im Bestand selbst, vor allem in den ersten Mastwochen.

Für die Praxis heißt das: Betriebe sollten das Gangbild regelmäßig kontrollieren und Veränderungen früh wahrnehmen. Wer Lahmheiten rechtzeitig erkennt, kann gegensteuern, bevor sich Probleme festsetzen und Leistung oder Tiergesundheit leiden.

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