
Unterschiedliche Motive in Europa
Die Motive von Landwirten in Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden, ihren Protest im Winter 2024/25 auf die Straßen zu tragen, unterscheiden sich deutlich. Das ist das Ergebnis einer Studie eines internationalen Forscherteams unter Federführung der Universität Göttingen.
von AgE erschienen am 22.01.2026Auch wenn im Winter 2024/25 zeitgleich in mehreren europäischen Ländern Bauernproteste stattgefunden haben, unterscheiden sie sich deutlich in den zugrunde liegenden Motiven. Zu dieser Erkenntnis ist ein internationales Forscherteam unter Federführung der Universität Göttingen gekommen, das dafür erstmals systematisch Aussagen von Landwirten ausgewertet hat. Dazu wurden online 2.232 Betriebsleiter aus Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden befragt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Food Policy veröffentlicht.
Während hierzulande Landwirte hauptsächlich bürokratische Belastungen beklagten, waren es für Berufskollegen in Frankreich finanzielle Gründe, auf die Straße zu gehen. Während der Protest der niederländischen Landwirte wiederum hauptsächlich politisch motiviert war, konnten die Forschenden für Belgien keine klare Motivlage ausmachen.
Die Wissenschaftler haben zugleich auf Basis einer manuellen Auswertung und mithilfe KI-gestützter Textanalyse die Antworten zu den offen gestellten Fragen kategorisiert und den emotionalen Tonfall analysiert. Dabei stellte sich laut den Studienergebnissen heraus, dass spezifische, gezielte Beschwerden häufiger in einem genervten, wütenden Tonfall geäußert wurden, wohingegen allgemeinere Themen eher eine aggressive Wut bei den befragten Landwirten auslösten.
Für die Forscher zeigt die Verknüpfung der Protestgründe mit den politischen Reaktionen auf nationaler und auf europäischer Ebene, dass zwar wichtige Beschwerden angemessene politische Beachtung fanden. Jedoch seien Beschwerden über zu hohe Umweltauflagen von den politischen Entscheidungsträgern der EU und in einigen Mitgliedstaaten „unverhältnismäßig stark priorisiert“ worden.








