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Konjunkturbarometer Agribusiness

Trübe Aussichten für 2026

Das Agribusiness in Deutschland hat zwar 2025 den Gesamtumsatz steigern können, doch die Aussichten für das neue Jahr sind trüb. Dies zeigt das Konjunkturbarometer Agribusiness 2026. Die Autoren sehen die Branche vor einem „Balanceakt zwischen Anpassung an Klimarisiken und der Bewältigung globaler Marktverwerfungen“. Entscheidend seien dabei Effizienz, Vernetzung und Transparenz. Auf schwierigere Verhältnisse müssten sich vor allem die Milch- und Fleischwirtschaft sowie die Landtechnikindustrie einstellen.

von AgE erschienen am 14.01.2026
Nach dem guten Vorjahr steht die Branche vor einem „Balanceakt“. © DesignRage/Shutterstock
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Obwohl das Agribusiness in Deutschland 2025 den Gesamtumsatz steigern konnte, sind die wirtschaftlichen Aussichten eingetrübt. Diese Grundtendenz ist aus dem Konjunkturbarometer Agribusiness 2026 abzulesen, für das die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY gemeinsam mit den Universitäten Göttingen und Gießen Trends und Kennzahlen für die Branche ausgewertet hat. Laut Konjunkturbarometer erzielte das deutsche Agribusiness im Jahr 2025 einen Gesamtumsatz von 299 Mrd. Euro; gegenüber dem Vorjahr war das ein Plus von 3,5%. Damit blieb das Agribusiness mit einem Anteil von knapp 14% der zweitstärkste Sektor im verarbeitenden Gewerbe. Allerdings waren die Erlössteigerungen größtenteils preisgetrieben.

Der mit Abstand umsatzstärkste Bereich im deutschen Agribusiness war einmal mehr die Ernährungsindustrie. Mit rund 240 Mrd. Euro erwirtschaftete dieser Sektor 2025 etwa 80% der Einnahmen. Im Vergleich zu 2024 legten die Erlöse nominal um 4,1% zu. Angetrieben wurde diese Entwicklung vor allem von der Milchwirtschaft, die ein deutliches Plus von 8,6% auf 43 Mrd. Euro schaffte. Der Rekordwert des Vorjahres wurde damit übertroffen, allerdings aufgrund der Preisentwicklung. Den größten Anteil am Gesamtergebnis der Ernährungsindustrie hatte die Fleischwirtschaft, deren Umsatz sich um 3,7% auf 51 Mrd. Euro erhöhte, ebenfalls ein neuer Spitzenwert.

Zinsen hemmen Investitionen

Lediglich um 1,3% auf 5,4 Mrd. Euro legte im vergangenen Jahr die Düngemittelindustrie zu. Beim Handel mit Getreide-, Saatgut- und Futtermitteln ergab sich hingegen ein Umsatzrückgang von 3,4% auf 34 Mrd. Euro. Die Pflanzenschutzmittelindustrie nahm 3,9 Mrd. Euro ein, was einem Minus von 2,4% entsprach. In der Landtechnik – ohne Forsttechnik – wurden knapp 11 Mrd. Euro erwirtschaftet, womit der Vorjahreswert um 1,5% unterschritten wurde.

Allen Widrigkeiten zum Trotz habe das Agribusiness in den vergangenen zwölf Monaten erneut gezeigt, wie widerstandsfähig es sei, erklärte Dr. Christian Janze, Partner bei EY. Trotz extremer Witterung und globaler wirtschaftlicher Unsicherheiten hätten die deutschen Landwirte stabile und teils sogar überraschend gute Ernten einfahren. Allerdings werden 2026 nach Einschätzung von Janze vor allem die Landtechnik sowie die Märkte für Düngemittel und Futtermittel unter Druck bleiben. Hohe Zinsen hemmten Investitionsanstrengungen, und geopolitische Risiken sowie volatile Rohstoffpreise verstärkten die Kaufzurückhaltung.

Milch- und Fleischwirtschaft unter Druck

Für die Milchwirtschaft sind die Aussichten auf 2026 laut Seifert sehr getrübt. Es sei nicht davon auszugehen, dass sich das Hochpreisniveau des vergangenen Jahres nochmals einstellen werde. Vielmehr seien sinkende Preis und damit Umsatzrückgänge zu erwarten. Unklar sei auch, wohin die Reise bei Investitionen im Bereich Nachhaltigkeit gehe. Hier würden Investitionen von den Unternehmen aufgeschoben.

Sehr negative Geschäftserwartungen gebe es für die Fleischindustrie, so Seifert. Gekennzeichnet sei die aktuelle Situation weiterhin durch geopolitische Spannungen und protektionistische Tendenzen. Abzuwarten sei, wie die Branche auf die Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens reagieren werde. Eventuell gebe es aber schon in diesem Jahr entsprechende Anpassungen.

Janze sieht 2026 für Deutschlands Landtechnikindustrie „eine herausfordernde Gemengelage“. Trotz einer weltweit schwachen Nachfrage böten sich sowohl in Schwellenländern als auch in Wachstumsmärkten weiter Wachstumschancen. Allerdings hätten noch nicht alle heimischen Landtechnikhersteller die passenden Produkte für diese Märkte im Angebot und müssten dies ergänzen. „Die Investitionen werden voraussichtlich nur leicht steigen“, prognostizierte Janze. Gerade dies könnte sich auf lange Sicht aber als strategischer Nachteil gegenüber der internationalen Konkurrenz erweisen, denn es gebe einen immensen Innovations- und Wettbewerbsdruck in der Landtechnikbranche.