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Großbritannien

Analyse: Die Folgen des Irankriegs auf den britischen Geflügelsektor

Eine neue Analyse zeigt die Folgen des Irankrieges auf die britische Geflügelindustrie. Betroffen sind vor allem die Energieversorgung, Futtermittelpreise sowie logistische Abläufe.

von Poultry News erschienen am 05.05.2026
Die Geflügelindustrie in Großbritannien spürt die Folgen des Irankriegs. © STILLFX/Shutterstock
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Die Landwirte und die Geflügelwirtschaft in Großbritannien spüren die Folgen des Irankriegs deutlich, auch wenn das Land nicht direkt in den Konflikt verwickelt ist. Über eine Analyse dazu berichtet die britische Internetplattform Poultry News.

Der unvorhersehbare Verlauf mit militärischen Drohungen, Gewaltausbrüchen und gelegentlichen Gesprächen über Waffenstillstände sorgen demnach für steigende Kosten und Komplikationen entlang der gesamten Lieferkette. Die National Farmers’ Union (NFU) weist darauf hin, dass rund 20?% des weltweiten Öl- und Gastransports sowie ein Fünftel der globalen Ammoniak- und Harnstofflieferungen durch die Straße von Hormus laufen. Bereits jetzt entstehen dadurch erhebliche wirtschaftliche Belastungen für britische Landwirte.

Hohe Abhängigkeit von Energie

Will Raw, Vorsitzender des NFU-Poultry Boards, erläutert Poultry News: „Geflügelbetriebe sind stark auf Energie angewiesen, um effizient arbeiten und das Wohlbefinden der Tiere sicherstellen zu können. Junge Tiere brauchen Wärme. Steigen Gas- oder Ölpreise, spüren wir die Auswirkungen sofort.“ Hinzu kommen steigende Transportkosten, die besonders für den Spezialtransport von Geflügel relevant sind. Raw fordert staatliche Maßnahmen und Zusammenarbeit entlang der Lieferkette, um die Resilienz gegenüber globalen Schocks zu stärken.

Energie- und Brennstoffkosten besonders betroffen

Der British Poultry Council (BPC), die Interessenvertretung der Geflügelfleischindustrie in Großbritannien, warnt vor einer Kettenreaktion aus Lieferengpässen und steigenden Kosten, die sich auf Produktionskosten und letztlich auf die Lebensmittelpreise auswirken könnten. Besonders betroffen sind die Energie- und Brennstoffkosten sowie der Bezug von wichtigen Futtermittelbestandteilen. Die Inflation bei Flüssiggas (LPG), das zum Aufheizen der Ställe genutzt wird, wird als besonders kritisch eingeschätzt.

Außerdem bestehen Unsicherheiten bei der Versorgung mit essenziellen Vitaminen, Mineralstoffen und Aminosäuren, die für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere unverzichtbar sind. Auch die Versorgung mit Tierarzneimitteln könnte eingeschränkt sein – ein zusätzliches Risiko gerade vor dem Hintergrund der Bekämpfung der Geflügelpest.

Etwa ein Drittel des weltweiten Düngemittelhandels läuft durch die betroffene Region, und die Produktion hängt stark von Erdgas ab. Unterbrechungen treiben die Preise nach oben, was besonders Soja-basierte Futtermittel teurer macht. Der BPC warnt: „Diese Faktoren erzeugen anhaltenden Aufwärtsdruck auf die Produktionskosten in der Geflügelhaltung. Teile der Kosten werden möglicherweise an Verbraucher weitergegeben.“

Auswirkungen auf die Eiererzeugung

Die Herausforderungen treffen auch Eierproduzenten: Steigende Preise für Öl, Flüssiggas, Harnstoff, Ammoniak und Phosphate beeinflussen Strom, Heizkosten, Düngung und Futtermittelpreise. Bereits eine 30?-prozentige Steigerung der Düngemittelkosten kann schon die Gewinnmargen der Betriebe massiv gefährden. Zusätzlich wirkt sich die Inflation auf Transport, Aufzucht der Junghennen und Verpackung aus.

Die British Free Range Egg Producers Association (BFREPA), die britische Vereinigung der Erzeuger von Freilandeiern berichtet, dass sich die Märkte bereits angepasst haben: Soja etwa ist von 300?£/t auf 330?£/t (rund 380,00 EUR per 5. Mai 2026) gestiegen, was bei üblichen Futtermischungen Mehrkosten von rund 4,50?£/t (5,21 EUR) ausmacht. Auch pflanzliche Öle verteuern sich deutlich.

Herausforderung für Lieferketten und Transport

Von Transport über Verpackung bis hin zu internationalen Lieferungen steigen die Kosten auf jeder Stufe. Verzögerungen im Handel mit dem Nahen Osten können Überkapazitäten erzeugen, die den Herstellern zusätzliche Probleme bereiten. Besonders kritisch ist die Versorgung mit Verpackungsmaterial wie Eierschachteln, bei der es wenige Lieferanten und lange Lieferzeiten gibt.

Kurz- und langfristige Folgen

Kurzfristige Schocks summieren sich auf eine ohnehin angespannte Situation in der britischen Geflügelwirtschaft. Trotz steigender Nachfrage nach Geflügelfleisch – zwei bis vier Prozent pro Jahr – werden Wachstumschancen durch Planungshürden und steigende Importe, die nach niedrigeren Standards produziert werden, eingeschränkt.

BPC-Geschäftsführer Richard Griffiths sagte gegenüber Poultry News: „Globale Ereignisse fordern erneut die Resilienz unserer heimischen Lebensmittelproduktion heraus. Da Hühnerfleisch ungefähr die Hälfte des Fleischkonsums in Großbritannien ausmacht, nehmen wir unsere Verantwortung ernst. Die Regierung muss den angekündigten Wachstumsplan für die Geflügelwirtschaft nun zügig umsetzen.“