
Investitionsbereitschaft sinkt
Der Iran-Krieg und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Landwirtschaft werden auch im Agrarbarometer der Landwirtschaftlichen Rentenbank sichtbar. Der Agar-Geschäftsklima-Index ist weiter gefallen auf nun minus 2,6 Punkte. Das ist der niedrigste Wert seit 2016. Deutlich zurückgegangen ist auch die Bewertung der wirtschaftlichen Lage auf nun minus 1,2 Punkte. Am schlechtesten bewerten Ackerbauern ihre wirtschaftliche Lage. Auch die Investitionsbereitschaft geht zurück.
von AgE erschienen am 29.04.2026Die Auswirkungen des Iran-Krieges haben sich deutlich auf die Beurteilung der aktuellen Lage und die Investitionsbereitschaft der Landwirte niedergeschlagen. Das wird im jüngsten Agrarbarometer deutlich, das die Landwirtschaftliche Rentenbank (LR) am Dienstag (28.4.) vorgelegt hat. Demnach ist in der Frühjahrsumfrage die Bewertung der aktuellen wirtschaftlichen Situation gegenüber der Winterherhebung weiter gefallen auf nun minus 2,6 Punkte. Das entspricht dem niedrigsten Wert seit 2016. Die Befragung wurde in den ersten vier Wochen des Iran-Krieges durchgeführt.
Noch deutlicher zurückgegangen ist die Bewertung der aktuellen wirtschaftlichen Lage, und zwar von minus 0,1 auf jetzt minus 1,2 Punkte und damit den niedrigsten Wert seit 2022. Als Grund für diese Entwicklung nennt die LR in erster Linie die gestiegenen Betriebsmittelpreise und die niedrigeren Erlöse für pflanzliche Produkte. Gleichwohl hätten 69% der befragten 1.000 Landwirte und 150 Lohnunternehmer ihre derzeitige Lage als befriedigend oder besser eingeordnet; im Dezember seien es 73% gewesen, berichtete die Rentenbank.
© Landwirtschaftliche RentenbankWeiter gesunken ist laut dem Agrarbarometer die Stimmung in allen Betriebsformen, und zwar auf 1,3 Punkte in der Milchvieh- und Rinderhaltung und auf 0,4 Punkte in der Schweine- und Geflügelhaltung. Am schlechtesten beurteilten die Ackerbauern ihre aktuelle wirtschaftliche Lage, die nun auf minus 2,1 Punkte gefallen ist.
Ackerbauern bewerten Zukunft am schlechtesten
Etwas besser fällt laut der Rentenbank im Agrarbarometer der Ausblick auf die nächsten zwei bis drei Jahre aus. Hier verbesserte sich in der Erhebung die Bewertung der zukünftigen wirtschaftlichen Lage von minus 4,6 auf minus 3,9 Punkte. Die LR führt diese Entwicklung auf die positiven Aussichten in der Milchvieh- und Rinderhaltung zurück.
Hingegen hätten sich die Erwartungen an die künftige wirtschaftliche Entwicklung im Ackerbau deutlich eingetrübt, berichtete die Rentenbank. Demnach bewerteten 42% der Befragten ihre Zukunftsaussichten als „gleich“, 11% als „günstiger“ oder „sehr viel günstiger“. Im Dezember hatten noch 48% der Ackerbauern ihre Zukunftsaussichten als „gleich“ und 8% als „günstiger“ oder „sehr viel günstiger“ gesehen.
Investitionsbereitschaft geht zurück
Mit Blick auf die Investitionsbereitschaft sagten in der Befragung 55% der Landwirte und Lohnunternehmer, dass sie eine Investition in den nächsten zwölf Monaten planten. Im Dezember 2025 lag dieser Anteil noch bei 62%. Das geplante Investitionsvolumen erhöht sich laut Agrarbarometer auf durchschnittlich 263.500 Euro, während es bei der vorherigen Befragung 221.500 Euro waren. Insbesondere für Stallbauten und für den Bereich erneuerbare Energien hätten die Landwirte höhere Summen eingeplant, berichtete die Rentenbank.
In den zurückliegenden zwölf Monaten hätten trotz der gedämpften Stimmung immerhin 71% der Landwirte investiert. Das mittlere Investitionsvolumen habe bei 218.300 Euro gelegen, so die Rentenbank.
Mehr als 80% der befragten Landwirte und Lohnunternehmer bewerten der Erhebung zufolge ihre betriebliche Liquidität aktuell als „mittel“ bis „sehr gut“. Der Anteil derjenigen, die ihre betriebliche Liquidität als „gut“ oder „sehr gut“ bewerteten, verbesserte sich um 4 Prozentpunkte auf 42%. Dies sei der erste Anstieg seit März 2025, hob die Rentenbank hervor.
Agrarökonom bringt Schnellkredite ins Spiel?
Agrarökonom Prof. Oliver Mußhoff von der Humboldt-Universität Berlin hält es mit Blick auf das vorgestellte Agrarbarometer gleichwohl für wahrscheinlich, dass sich die Liquiditätslage in den kommenden Monaten eher verschlechtert. Er gab zu bedenken, dass etwa reine Ackerbaubetriebe ohne Lagerkapazitäten derzeit kaum über Liquiditätsflüsse verfügten. Bei einer längeren Dauer der Krise erwartet Mußhoff eine Diskussion über staatliche Unterstützungsmaßnahmen. „Wichtig wäre dann aus meiner Sicht als Agrarökonom, nicht erneut auf nicht rückzahlbare Zuschüsse zu setzen“, unterstrich Mußhoff.
Der Agrarökonom verwies hierzu auf die Erfahrungen aus dem „Dürrejahr“ 2018. Das seinerzeit auf den Weg gebrachte Instrument sei mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden gewesen. Der Wissenschaftler plädierte eher für staatlich zinssubventionierte Schnellkredite. Aus seiner Sicht ermöglichen sie eine zügige Liquiditätssicherung, entfalten bei gleichem Mitteleinsatz eine größere Wirkung und erhalten die notwendigen Anreize für eigenverantwortliches wirtschaftliches Handeln.
Die Sprecherin des Vorstands der Rentenbank, Nicola Steinbock, betonte, dass ihr Haus die Preisentwicklungen bei Betriebsmitteln und Agrarerzeugnissen weiter sehr genau beobachte. Gleichzeitig bereite sich die Rentenbank darauf vor, das Programm „Liquiditätssicherung“ zu öffnen.












