
Sachsen bleibt Eierland: Chancen, Kosten und Seuchen im Fokus
Im „Eierproduktionsland Sachsen“ diskutierten die Teilnehmer der Lohmann-Fachtagung für Legehennenhalter im vollen Saal des Hotels Kloster Nimbschen am 22. April mit Wissenschaftlern und Praktikern über die aktuellen Herausforderungen der Branche. Spannende Einblicke gab es auch aus anderen Bereichen der Landwirtschaft.
von Susanne Gnauk erschienen am 24.04.2026Sachsen ist eindeutig ein Eierproduktionsland, stellte Dr. Anne Porte vom Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) in ihren Grußworten auf der von Lohmann Deutschland organisierten Vortragstagung für Legehennenhalter am 22. April 2026 im sächsischen Hotel Kloster Nimbschen fest. Mit 947 Mio. Stück werden im Freistaat immerhin rund 7 % der Eier deutschlandweit erzeugt. Hohe Eierpreise und eine anhaltend gute Nachfrage seien positiv für die Branche, die hohen Produktionskosten für Futter und Energie drückten allerdings den Erlös.
Bezüglich der Hochpathogenen Aviären Influenza (HPAI) werde seitens des Bundeslandwirtschaftsministeriums an einer breiten Rechtsgrundlage gearbeitet, die auch das Thema Impfungen mit aufnehmen soll, berichtete die Ministeriumsvertreterin. Impfungen müssten aber für die Betriebe wirtschaftlich und auf alle Geflügelarten anwendbar sein. Zudem dürften keine Handelsbeschränkungen damit einhergehen. Aufgrund der weiterhin hohen Gefahr des Eintrages der HPAI und der Newcastle Disease (ND) sei die Einhaltung strenger Biosicherheitsmaßnahmen und des Impfregimes für ND essenziell in den Betrieben. Positiv hob sie die gute Zusammenarbeit zwischen Behörden und Betrieben in Sachsen hervor.
Tierseuchenkasse: Beitragsanpassung bitte mit Augenmaß
Nötig ist die Anpassung der Beiträge für die Sächsische Tierseuchenkasse. Diese sollte aber mit Augenmaß vorgenommen werden, appellierte Porte an den Verwaltungsrat, der aktuell darüber berate. Einerseits dürfen die Tierhalter finanziell nicht überfordert werden, anderseits müssten angemessene Rücklagen für etwaige Entschädigungen aufgebaut werden.
Porte rief die Legehennenhalter in Sachsen überdies dazu auf, Anträge für geplante Investitionen innerhalb der Förderrichtlinie Landwirtschaft, Investition, Existenzgründung (FRL LIE/2023) zu stellen, dies sei noch bis August möglich.
Seuchenlage, Europas Eierbranche und Direktvermartung im Familienbetrieb
Auf der Tagung konnte überdies mit dem Leiter des Nationalen Referenzlabors für die Newcastle Krankheit am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) der Insel Riems, PD Dr. Christian Grund, über die aktuelle Seuchenlage diskutiert werden.
Welche Volieren und Techniken sind europaweit in der Eierproduktion gefragt? Europäische Entwicklungen und ihre Bedeutung für die heimische Branche beleuchtete Stefan Hinners von Big Dutchman.
Der Großenhainer Geflügelhof hat nach der Wende von Beginn an konsequent auf Freilandhaltung und Direktvermarktung gesetzt und ist wird mittlerweile in zweiter Generation von Fabian Riedel geführt. Wie, darüber berichtete der Unterehmer im Hotel Kloster Nimbschen.
Blicke über den Tellerrand
Einen Blick über den Geflügel-Tellerrand gab es mit zwei spannenden Vorträgen am Nachmittag. Ein Betrieb mit Weitblick: Das Gut Darß und seine Erfolgsstrategie stellte Steffen Schlottbom vom Gut Darß (Mecklenburg-Vorpommern) vor. Der Betrieb ist stark von Renaturierungsmaßnahmen wie Vernässung von Mooren betroffen und entwickelte eigene Strategien, um damit umzugehen. Nur 5 % der Ackerfläche ganzjährig zu befahren, das schafft das Unternehmen NEXAT mit seinem „ganzheitlichen System für eine effiziente und nachhaltige Pflanzenproduktion“. die beeindruckende Technik, die allerdings auch nur auf größeren Flächen effizient eingesetzt werden kann, stellte Jens Willeke vom Unternehmen vor.
Christian Riedel, der sich in diesem Jahr im Übrigen seit 25 Jahren unermüdlich als Vorsitzender des Geflügelwirtschaftsverbandes Sachsen für die Belange der Eiererzeuger einsetzt, plädierte in seinen Schlussworten genauso wie bereits Dr. Anne Porte vom SMUL dafür, die notwendige Anpassung der Beiträge für die Sächsische Tierseuchenkasse mit Augenmaß vorzunehmen. Er dankte den Organisatoren von Lohmann Deutschland rund um Geschäftsführer Christoph Hüsing, der die Teilnehmer begrüßt hatte, Falk Schuster, Vertriebsleitung Ostdeutschland und Ines Rietmann aus der Kommunikationsabteilung, für die gelungene Veranstaltung. Moderiert wurde die Veranstaltung in bewährter Weise von Dr. Ruben Schreiter von der Martin-Luther-Universität Halle.












