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Ökofütterung bei Puten

Mit welchen N- und P-Ausscheidungen ist zu rechnen?

Eine Studie vergleicht die schnell wachsende Herkunft B.U.T. 6 mit der langsam wachsenden Linie Auburn unter den Bedingungen einer 100-prozentigen Öko-Fütterung. Unterschiede zeigen sich bei Mastleistung, Stickstoffverwertung und Phosphorausscheidung.

von Gerhard Bellof & Sina Göppel (Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Freising-Weihenstephan), Wolfgang Siegert (Department für Nutztierwissenschaften, Georg-August-Universität Göttingen), Christian Lambertz (Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Witzenhausen) erschienen am 20.03.2026
Im Forschungsprojekt „AminoVit“ wurden unterschiedliche Putenherkünfte unter ökologischen Fütterungsbedingungen untersucht. Ziel war es, belastbare Daten zur Nährstoffverwertung und zu Umweltwirkungen verschiedener Genotypen zu gewinnen. © Gerhard Bellof
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Wachsende Puten haben einen hohen Bedarf an Nährstoffen, Mineralstoffen und weiteren Wirkstoffen. Unter ökologischen Fütterungsbedingungen ist es jedoch schwieriger, diesen Bedarf vollständig zu decken. Ursache sind unter anderem Vorgaben wie der Verzicht auf Extraktionsschrote, freie Aminosäuren sowie das Enzym Phytase. Als möglicher Lösungsansatz wird von Anbauverbänden die Haltung langsam wachsender Genotypen anstelle schnell wachsender Herkünfte gefordert, etwa der Linie B.U.T. 6 (Aviagen 2018). Für langsam wachsende Herkünfte wie Auburn (Aviagen 2020) liegen bislang jedoch nur wenige belastbare Daten zur bedarfsgerechten Nährstoffversorgung vor. Im Rahmen des Forschungsprojekts „AminoVit“ sollte diese Wissenslücke geschlossen werden. In mehreren Fütterungs- und Haltungsversuchen wurden dazu systematische Untersuchungen durchgeführt. Die hier dargestellte Studie ging zwei zentralen Fragen nach: Welche biologischen Leistungen können Putenhähne unter den Bedingungen einer 100-prozentigen Öko-Fütterung erreichen, wenn die Versorgung mit essenziellen Aminosäuren abgestuft erfolgt? Unterscheiden sich schnell und langsam wachsende Putenhähne hinsichtlich Ansatz, Verwertung und Ausscheidung von Stickstoff und Phosphor?

Hähne der Herkunft Auburn im Grünauslauf. Der Mastversuch wurde am Versuchs- und Bildungszentrum für Geflügel der Bayerischen Staatsgüter in Kitzingen durchgeführt. Untersucht wurden zwei Putenherkünfte unter kontrollierten Fütterungsbedingungen.
Hähne der Herkunft Auburn im Grünauslauf. Der Mastversuch wurde am Versuchs- und Bildungszentrum für Geflügel der Bayerischen Staatsgüter in Kitzingen durchgeführt. Untersucht wurden zwei Putenherkünfte unter kontrollierten Fütterungsbedingungen. © Gerhard Bellof

Wie war der Versuch aufgebaut?

Für den Mastversuch wurden jeweils 240 männliche Eintagsküken der schnell wachsenden Herkunft B.U.T. 6 sowie der langsam wachsenden Linie Auburn am Versuchs- und Bildungszentrum für Geflügel der Bayerischen Staatsgüter in Kitzingen eingestallt.

Die Hähne wurden über einen Zeitraum von 19 Wochen in fünf Phasen zu jeweils vier Wochen gehalten und mit nährstoffangepassten Alleinfuttermischungen gefüttert. Die Phasen 1 und 2 bildeten die Aufzucht, die Phasen 3 bis 5 die Mast.

Die Tiere wurden während der gesamten Versuchszeit im klimatisierten Stall gehalten und ausschließlich mit Kraftfutter versorgt. Insgesamt wurden vier Fütterungsstrategien beziehungsweise Fütterungsgruppen untersucht, deren Futtermischungen unterschiedliche Gehalte an Aminosäuren aufwiesen. Die Mischungen enthielten durchgehend abgesenkte Energiegehalte (AMEN, scheinbare umsetzbare Energie, stickstoffkorrigiert) sowie abgestufte Aminosäurengehalte (Tabelle 1). Alle Fütterungsgruppen erhielten innerhalb der jeweiligen Phase isoenergetische Mischungen.

Tabelle 1: Die Mischungen enthielten durchgehend abgesenkte Energiegehalte (AMEN, scheinbare umsetzbare Energie, stickstoffkorrigiert) sowie abgestufte Aminosäurengehalte.
Tabelle 1: Die Mischungen enthielten durchgehend abgesenkte Energiegehalte (AMEN, scheinbare umsetzbare Energie, stickstoffkorrigiert) sowie abgestufte Aminosäurengehalte. © Gerhard Bellof

Pro Abteil wurden jeweils 20 Tiere eingestallt. Insgesamt standen 24 Abteile zur Verfügung, sodass jede Fütterungsgruppe sechs Wiederholungen umfasste. Die Tiere wurden während der gesamten Versuchsperiode ohne Auslauf gehalten. Dadurch war sichergestellt, dass die aufgenommenen Nährstoffe ausschließlich aus den Futtermischungen stammten und eine vollständige Nährstoffbilanz erstellt werden konnte.

Die Futtermischungen entsprachen hinsichtlich der eingesetzten Rohstoffe den Vorgaben einer 100-prozentigen Öko-Fütterung. Als Proteinfuttermittel wurden unter anderem Erbsenproteinkonzentrat (78 % Rohprotein), Erbsen (18 % Rohprotein), Rapskernkuchen (29 % Rohprotein), Rapskuchen (27 % Rohprotein), verschiedene Sonnenblumenkuchen (30 bis 45 % Rohprotein), Sojakuchen (42 % Rohprotein) sowie Maiskleber (60 % Rohprotein) eingesetzt.

In der ersten Aufzuchtphase kamen bevorzugt Rohstoffe mit höherem Rohprotein- und Aminosäurengehalt zum Einsatz. In den folgenden Phasen wurden diese schrittweise durch Rohstoffe mit geringerem Rohproteingehalt ersetzt. Zur Beantwortung der Forschungsfragen wurden Ganzkörperanalysen durchgeführt. Dabei wird der gesamte Tierkörper analysiert, um die enthaltenen Mengen an Nährstoffen bestimmen zu können.

Am Ende jeder Phase wurden aus jedem Abteil Tiere entnommen, deren Lebendmasse dem Durchschnitt des jeweiligen Abteils entsprach. Nach den Phasen 3 bis 5 wurde jeweils ein Tier pro Abteil entnommen. Nach den Phasen 1 und 2 wurden jeweils zwei Tiere pro Abteil entnommen und zu einer Sammelprobe zusammengeführt, um ausreichend Probenmaterial zu erhalten. Die Tiere wurden tierschutzgerecht betäubt und getötet. Nach der Entnahme und der Entleerung des Verdauungstraktes wurden die Tierkörper im Autoklaven unter hohem Druck und hoher Temperatur behandelt und anschließend mit einem Kutter homogenisiert. Von jedem homogenisierten Ganzkörper wurde eine Teilprobe entnommen, gefriergetrocknet und vermahlen. Anschließend erfolgten die Bestimmung der Trockensubstanz sowie Nährstoffanalysen für Rohprotein (Stickstoff), Rohfett und Rohasche (Phosphor).

Insgesamt standen 120 Proben für die statistische Auswertung zur Verfügung. Die Daten wurden mit einer zweifaktoriellen Varianzanalyse ausgewertet. Dabei wurden die Faktoren Genotyp (G) und Fütterung (F) sowie ihre Wechselwirkung (G × F) berücksichtigt.

Ergebnisse und Diskussion

Der Versuch verlief ohne größere Störungen. Über die gesamte Wachstumsperiode traten vergleichsweise geringe Verluste von insgesamt 7,7 % auf.

Die Ergebnisse der Futtermittelanalysen sowie die daraus abgeleiteten Energiegehalte (AMEN) sind in Tabelle 2 dargestellt. Die Rohproteingehalte der Futtermischungen lagen in einem ähnlichen Bereich wie in der konventionellen Putenmast. So empfiehlt das Zuchtunternehmen Aviagen (2015) für B.U.T.-6-Hähne eine Absenkung der Rohproteingehalte von etwa 26 bis 28 % in den ersten drei Lebenswochen auf etwa 15 bis 18 % in den Lebenswochen 15 bis 18.

Die Phosphorgehalte der eingesetzten Futtermischungen lagen in allen Phasen über den Werten konventioneller Mischungen (Tabelle 2). Hintergrund ist, dass in der ökologischen Fütterung das Enzym Phytase nicht eingesetzt werden darf. Um dennoch eine ausreichende Phosphorversorgung sicherzustellen, wurden deshalb höhere Mengen an mineralischem Phosphor in die Futtermischungen aufgenommen.

Tabelle 3 zeigt die Futteraufnahme der Tiere sowie die daraus resultierende Aufnahme von Stickstoff und Phosphor. Im Vergleich zu den Angaben der DLG (2014) nahmen die B.U.T.-6-Hähne ähnliche Stickstoffmengen, jedoch deutlich höhere Phosphormengen, auf. So lag die Phosphoraufnahme bei 436 g pro Tier, während die DLG für vergleichbare Tiere etwa 353 g pro Tier angibt.

Die im Versuch erzielten biologischen Leistungen lagen insgesamt auf einem hohen Niveau. Die B.U.T.-6-Hähne hatten am Ende der 19. Lebenswoche ein durchschnittliches Mastendgewicht von 19,7 kg. Die Tiere der Herkunft Auburn erreichten im selben Zeitraum ein Gewicht von 13,7 kg.

Zwischen den Genotypen zeigten sich sowohl am Ende der Aufzucht als auch zum Mastende statistisch abgesicherte Unterschiede beim Ganzkörpergewicht (Frischmasse) sowie beim Ganzkörperzuwachs (Trockenmasse) (Tabelle 4). Die Tiere der Herkunft B.U.T. 6 erzielten erwartungsgemäß höhere Leistungen als die Auburn-Hähne.

Die Stickstoff- und Phosphorgehalte im Ganzkörper lagen dagegen sowohl am Ende der Aufzucht als auch zum Mastende bei beiden Herkünften auf einem vergleichbaren Niveau. Auch zwischen den Fütterungsgruppen konnten für diese Merkmale keine statistisch abgesicherten Unterschiede festgestellt werden (Tabelle 4).

Stickstoff- und Phosphoransatz sowie Nährstoffverwertung

Der Stickstoff- und Phosphoransatz im Ganzkörperzuwachs sowie die entsprechende Nährstoffverwertung sind in Tabelle 5 dargestellt. Dabei wird die Verwertung als Verhältnis von Nährstoffansatz im Körper zur aufgenommenen Nährstoffmenge angegeben.

Tabelle 5: Stickstoff- und Phosphoransatz im Ganzkörperzuwachs sowie die entsprechende Nährstoffverwertung.
Tabelle 5: Stickstoff- und Phosphoransatz im Ganzkörperzuwachs sowie die entsprechende Nährstoffverwertung. © Gerhard Bellof

Am Ende der Aufzucht lagen sowohl der Stickstoff- als auch der Phosphoransatz deutlich höher als am Ende der Mast. Zwischen den beiden Herkünften konnten für diese Zeitpunkte keine statistisch abgesicherten Unterschiede beim Ansatz von Stickstoff oder Phosphor festgestellt werden. Auch zwischen den Fütterungsgruppen ergaben sich hierfür keine signifikanten Unterschiede.

Bei der Stickstoffverwertung zeigte sich ein differenzierteres Bild. Am Ende der Aufzucht lag die Verwertung bei beiden Genotypen bei etwa 46 %. Am Ende der Mast sank dieser Wert auf unter 40 %. Die B.U.T.-6-Hähne hatten dabei im Vergleich zu den Auburn-Tieren signifikant höhere Werte (39,8 % gegenüber 37,8 %).

Damit erreichten die ökokonform gefütterten B.U.T.-6-Hähne nahezu das Niveau konventionell gefütterter Tiere dieser Herkunft, für die die DLG (2014) eine Stickstoffverwertung von etwa 43 % angibt.

Die Auswertung der Ganzkörperanalysen liefert Hinweise darauf, wie effizient Putenhähne Nährstoffe während Aufzucht und Mast im Körper einlagern und nutzen. Hier zeigen sich Hähne der Herkunft B.U.T. 6 im Grünauslauf.
Die Auswertung der Ganzkörperanalysen liefert Hinweise darauf, wie effizient Putenhähne Nährstoffe während Aufzucht und Mast im Körper einlagern und nutzen. Hier zeigen sich Hähne der Herkunft B.U.T. 6 im Grünauslauf. © Gerhard Bellof

Zwischen den Fütterungsgruppen zeigten sich sowohl am Ende der Aufzucht als auch am Ende der Mast deutliche Unterschiede in der Stickstoffverwertung. Eine abnehmende Versorgung mit den beiden erstlimitierenden Aminosäuren führte zu einer geringeren Gewichtsentwicklung, gleichzeitig jedoch zu einer höheren Stickstoffverwertung.

Bei der Phosphorverwertung traten statistisch abgesicherte Unterschiede zwischen den Herkünften nur am Ende der Mast auf. Die B.U.T.-6-Tiere zeigten dabei eine signifikant höhere Phosphorverwertung als die Auburn-Hähne.

Im Vergleich zu den von der DLG (2014) angegebenen Werten für B.U.T.-6-Hähne lag die Phosphorverwertung in der vorliegenden Studie jedoch deutlich niedriger. Während die DLG eine Phosphorverwertung von etwa 32 % angibt, ist dieser Wert in der Studie bei etwa 24 %. Daraus ergibt sich, dass unter ökologischen Fütterungsbedingungen mit deutlich höheren Phosphorausscheidungen zu rechnen ist.

Kurz + bündig

Unter den Bedingungen einer 100-prozentigen Öko-Fütterung erreichten schnell wachsende Putenhähne der Herkunft B.U.T. 6 hohe Mastleistungen. Am Ende der 19. Lebenswoche war das Mastendgewicht bei 19,7 kg, während Tiere der langsam wachsenden Linie Auburn 13,7 kg wogen. Stickstoffansatz und Stickstoffverwertung lagen bei ökokonformer Fütterung auf einem ähnlichen Niveau wie unter konventionellen Bedingungen; B.U.T.-6-Hähne hatten am Mastende eine Stickstoffverwertung von rund 40 %. Zwischen den Fütterungsstrategien zeigten sich Unterschiede: Eine geringere Versorgung mit den erstlimitierenden Aminosäuren führte zu geringerer Gewichtsentwicklung, gleichzeitig jedoch zu einer höheren Stickstoffverwertung. Die Phosphorverwertung lag deutlich unter konventionellen Werten. Ursache ist der Verzicht auf Phytase in der ökologischen Fütterung, wodurch die Phosphorausscheidungen deutlich steigen.