
Neues Potenzial für Ackerbohnen im Geflügelfutter
Neue Versuche aus Großbritannien zeigen, dass Ackerbohnen deutlich höher in Geflügelrationen eingesetzt werden können als bislang üblich. Für die Branche wäre das interessant, weil importiertes Soja die Klimabilanz der Fütterung stark prägt.
von DGS Redaktion Quelle .poultrynews erschienen am 13.03.2026Importiertes Sojaschrot ist bis heute das wichtigste Eiweißfuttermittel in der Geflügelhaltung. Auch in Deutschland basieren Broiler- und Legehennenrationen überwiegend auf Soja aus Übersee. Gleichzeitig wird seit Jahren nach Möglichkeiten gesucht, einen Teil dieser Eiweißimporte durch heimische Alternativen zu ersetzen.
Neue Ergebnisse aus Großbritannien zeigen nun, dass Körnerleguminosen dabei eine größere Rolle spielen könnten als lange angenommen. Versuche mit Ackerbohnen deuten darauf hin, dass sich der Sojaeinsatz deutlich reduzieren lässt, wenn die Bohnen entsprechend aufbereitet werden.
Die Ergebnisse wurden im Januar auf der Branchenkonferenz „From Soya to Sustainability“ in Peterborough vorgestellt. Grundlage sind Untersuchungen der schottischen Forschungseinrichtung SRUC sowie Praxistests des Futtermittelunternehmens ABN im Rahmen des Forschungsprojekts Nitrogen Climate Smart (NCS).
Verarbeitung verbessert Nutzung der Bohnen
Ein zentrales Problem beim Einsatz von Ackerbohnen in Geflügelrationen liegt in ihrer Verdaulichkeit. Werden größere Mengen eingesetzt, kann die Futterverwertung leiden. Versuche unter Leitung von Professor Jos Houdijk von SRUC zeigen jedoch, dass sich diese Einschränkung durch technische Aufbereitung deutlich verringern lässt. Vor allem das Schälen der Bohnen verbessert die Nährstoffverfügbarkeit.
In den Fütterungsversuchen erhielten die Tiere ganze Bohnen, geschälte Bohnen sowie geschälte und getoastete Bohnen. Die Einschlussraten lagen bei 10, 20 und 30 % der Ration. Nach Angaben der Forscher brachte vor allem das Entfernen der Samenschale einen klaren Effekt. Das zusätzliche Toasten zeigte ebenfalls Vorteile, der Zusatznutzen fiel jedoch deutlich kleiner aus. Sowohl bei Broilern als auch bei Legehennen erhöhte die Verarbeitung der Bohnen das Potenzial, Sojaschrot zu ersetzen. Auffällig war zudem eine dunklere Dotterfarbe bei Eiern aus Bohnenfütterung, besonders wenn die Bohnen zuvor getoastet wurden.
Deutlich weniger Soja im Versuch
Der Geflügelernährungsberater Brian Kenyon vom Futtermittelunternehmen ABN übertrug die Ergebnisse in kommerzielle Versuche. In einem Broilerversuch führte ein Pulsanteil von zehn Prozent zu einer durchschnittlichen Verringerung des Sojaeinsatzes um 27 %. Gleichzeitig sank der berechnete CO2-Fußabdruck der Ration um rund 14 %. Bei Legehennen lag der Anteil der Körnerleguminosen in den Versuchen bei etwa 7,5 %. Auch hier ging der Sojaanteil deutlich zurück. Die Auswertung ergab eine Reduktion von etwa 24 bis 26 %.
Weitere Praxistests in einer Freilandlegeherde zeigen laut ABN bislang keine negativen Auswirkungen auf die Eiergröße. Parallel läuft ein groß angelegter Versuch mit 80.000 Broilern, die geschälte Ackerbohnen erhalten. Erste Auswertungen weisen auf eine Verringerung des Sojaeinsatzes um rund 20 % und eine Reduktion der CO2-Emissionen um etwa elf Prozent hin.
Potenzial für die Klimabilanz
Berechnungen des Beratungsunternehmens The Andersons Centre zeigen, welches Potenzial eine stärkere Nutzung heimischer Eiweißpflanzen haben könnte. Würden Körnerleguminosen künftig etwa 30 Prozent der Geflügelrationen ausmachen, ließen sich rund eine Million Tonnen CO2 einsparen. Die vorgestellten Arbeiten sind Teil des Forschungsprogramms „Nitrogen Efficient Plants for Climate Smart Arable Cropping Systems“. Das Projekt läuft über vier Jahre, umfasst rund 200 landwirtschaftliche Betriebe und 17 Partnerorganisationen. Ziel ist es unter anderem, den Anteil von Leguminosen in Fruchtfolgen zu erhöhen und einen Teil des importierten Sojas in Tierfutter durch heimische Eiweißpflanzen zu ersetzen.
Auch in Deutschland seit Jahren Thema
Die Frage nach alternativen Eiweißquellen beschäftigt auch die deutsche Geflügelbranche seit Jahren. Ackerbohnen, Erbsen oder Lupinen werden zwar eingesetzt, ihr Anteil im Futter bleibt aber meist begrenzt.
Gründe sind schwankende Nährstoffgehalte, antinutritive Inhaltsstoffe und eine begrenzte Verfügbarkeit größerer Mengen. Zudem bietet Sojaschrot eine sehr konstante Proteinqualität. Die neuen Versuche zeigen jedoch, dass technische Aufbereitung und angepasste Fütterungsstrategien den Einsatz von Ackerbohnen deutlich erweitern könnten.










