
Praxistest: Zweinutzungshühner und Probiotika
Zweinutzungshühner gelten als robust, stellen aber besondere Anforderungen an Fütterung und Management. Ein Praxisversuch auf einem Betrieb zeigt, welche Rolle Darmgesundheit und angepasste Fütterungsstrategien für stabile Leistungen spielen.
von Dr. Birgit Hildebrand erschienen am 19.03.2026Bei Sebastian Seelig von dem Betrieb Wendland Geflügel steht die Freude am Tier im Fokus einer artgerechten und ökologischen Haltung von Geflügel. Er hält seine Tiere zur Eier- und Fleischproduktion in kleinen Einheiten von maximal 1.000 Tierplätzen in Mobilställen. Das Besondere: Er setzt auf alte Rassen und nachhaltige Kreuzungen mit Zweinutzungspotenzial. Besonders stolz ist Sebastian Seelig auf die Haltung des Deutschen Lachshuhns zur Erhaltungszucht in eigenen isolierten Linien. Aber auch der Elterntierherde zur Bruteiproduktion für das Zweinutzungshuhn ÖTZ Caramel (Kreuzung aus White Rock x Deutsches Lachshuhn), den Hennen der Rasse White Rock, den Zweinutzungshühnern ÖTZ Coffee und den langsam wachsenden Masthähnchen wird besonderes Augenmerk geschenkt. Das Konzept des Betriebs wird abgerundet durch ein Lebensmittelbündnis mit dem Caterer „Wackelpeter“ aus Hamburg, welcher ausschließlich ökologische Lebensmittel verarbeitet und unter anderem Kindertagesstätten beliefert.

Zweinutzungshühner: Echte Multitalente mit eigenen Ansprüchen
Das Zweinutzungshuhn ist eine Züchtung aus ausgewählten Hühnerrassen. Das Ziel dieser Züchtung ist, eine gute Legeleistung mit gutem Fleischansatz/guter Fleischqualität zu kombinieren, um so für die ökologische Tierhaltung wirtschaftlich interessant zu sein. Grundsätzlich kann man die Hühner als robust und anpassungsfähig bezeichnen. Allerdings haben sie auch ihre eigenen Ansprüche, beispielsweise im Vergleich zur Fütterung von sonst üblichen Legehybriden. „Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass die übliche Legehennenfütterung unseren Tieren schaden kann“, erklärt Sebastian Seelig. „Zum Beispiel haben unsere Tiere ein hohes Futteraufnahmevermögen, was bei einer Ad-libitum-Fütterung zur starken Verfettung und allen negativen Konsequenzen auf die Tiergesundheit und Leistung führt.“ Aktuell wird viel Forschung zur optimalen Fütterung der Zweinutzungshühner betrieben, allerdings ist die Datenlage noch begrenzt und unübersichtlich.
„Wir müssen die Fütterung unserer Tiere ständig selbst hinterfragen und weiter optimieren. Neben der Auswahl der richtigen Rohstoffe und der Futtermischungen stehen auch das richtige Management mit rationierten Futtermengen und optimierten Fütterungszeiten im Fokus. Es muss für uns arbeitswirtschaftlich praktikabel, aber vor allem gut für das Tier sein“, führt Sebastian Seelig aus. Weitere Herausforderungen, welche man auch aus der konventionellen Legehennenhaltung kennt, sind die Erhaltung der Darmgesundheit, die Eiqualität und die Brustbeingesundheit. Allerdings zeigen sich diese Herausforderungen in einem unterschiedlichen Grad zur „normalen“ Legehennenhaltung, da Sebastian Seelig seine Tiere über mehrere Legeperioden hält. So sind die Althennen des Deutschen Lachshuhns mindestens im fünften, teilweise schon im neunten Lebensjahr. Hier spielen Darmgesundheit und Kalziummetabolismus eine ganz besondere Rolle beim Auftreten von verminderten Eiqualitäten, z. B. in Form von Schmutz- oder Knickeiern. Die Schmutzeier sind häufig bei den reinrassigen Elterntieren ein Problem durch verschmutztes Kloakengefieder, was auf Verdauungsprobleme hinweist. Die Knickeier sind unter anderem bedingt durch das hohe Alter der Tiere und die Größe der Eier.
Probiotikum im Fütterungstest
Schnell hat Sebastian Seelig erkannt, dass die Unterstützung der Darmgesundheit auch oder vor allem bei den Zweinutzungshühnern einen Schlüsselfaktor für das Tierwohl und die Leistung darstellt. „Daher haben wir uns nach Futterzusätzen zur Unterstützung der Darmgesundheit umgeschaut und sind in einem Fachartikel der DGS auf das Probiotikum Bactocell gestoßen. In dem Artikel wurden die positiven Effekte auf die Darmfunktion und den Calciumstoffwechsel durch den Einsatz in der konventionellen und ökologischen Legehennenfütterung beschrieben. Das wollten wir für unser Haltungskonzept auch mal auf den Prüfstand stellen“, schmunzelt Sebastian Seelig. Auf Grund dessen wurde entschieden, das Probiotikum Bactocell (Lallemand Animal Nutrition) bei den reinrassigen Elterntierherden der Deutschen Lachshühner und der White Rocks, bei der Zweinutzungskreuzung ÖTZ Coffee und den Junghennen der Reinrassen und Zweinutzungskreuzungen in einem einfachen Feldeinsatz zu testen. Die Ergebnisse konnten mit den bisherigen Leistungs- und Gesundheitsdaten der gehaltenen Tiere auf dem Betrieb verglichen werden.

Verbesserte Darmfunktion und stabile Eischalenqualität durch Probiotikum
Die Ergebnisse des probiotischen Zusatzes im Futter waren sehr überzeugend. Der Test bei den reinrassigen White Rocks startete ab der 66. Lebenswoche (LW) und wurde bis zur 74. LW fortgeführt.
Vor Versuchsbeginn war eine deutliche Zunahme der Knickeier beobachtet worden. Dieser für die Rasse typische, jedoch früh einsetzende, Anstieg der Knickeier wurde durch das Probiotikum unterdrückt. Besonders aufschlussreich waren die Ergebnisse einer Kotwaschung. Es wurden Kotproben vor der probiotischen Behandlung und vier Wochen nach Beginn der Behandlung gezogen und mittels Nasssiebung miteinander verglichen.
Hierzu wurden fünf repräsentative Kotproben je Probennahmetag zu je 20 g eingewogen und mittels Wasser durch ein handelsübliches Teesieb gewaschen. Das Verfahren wurde standardisiert durchgeführt, was bedeutet, dass immer die gleiche Einwaage, dasselbe Sieb, der gleiche Wasserdruck und die Waschzeit angewendet wurden. Das Verfahren der Kotwaschung ist in der Rinderfütterung ein bereits etabliertes Verfahren, um Rückschlüsse auf die Darm- bzw. Pansenfunktion ziehen zu können.
1Im vorliegenden Test wurden bei den White-Rock-Hennen nach vierwöchiger Fütterung des Probiotikums weniger Rückstände im Sieb, visuell feinere Kotpartikel und signifikant geringere Rückwaagen beobachtet.
2Die Ergebnisse der Kotwaschung deuten auf eine bessere Darmfunktion hin, vor allem hinsichtlich der Faserverwertung. Zusätzliche Beobachtungen in Form einer besseren Futterverwertung – sowohl bei den Hennen der White Rock als auch bei den Althennen des Deutschen Lachshuhns – unterstützen die Annahme einer besseren Darmfunktion. Darüber hinaus wurde bei den Althennen ab Einsatz des Probiotikums kein kloakenverschmutztes Gefieder beobachtet, was vorweg zwar nur geringgradig, aber durchweg aufgetreten ist.
Beim Einsatz des Probiotikums bei der ÖTZ Coffee wurden die potenziellen Effekte auf die Tierleistung deutlich. Bei dieser Herde wurde das Probiotikum ab der 53. LW eingesetzt. Sebastian Seelig berichtet, dass „die Legeleistung der Herde von stabilen 65 % innerhalb von knapp drei Wochen auf unter 50 % abgefallen war, ohne offensichtliche Anzeichen einer verminderten Tiergesundheit.
Durch den Einsatz des Probiotikums waren die Tiere schnell wieder bei 63 % mit zusätzlich verbesserter Eischalenqualität. Besonders ist uns aufgefallen, dass die Tiere insgesamt vom Temperament deutlich ruhiger und entspannter waren. Die Gier bei der Fütterung war gemäßigt. Die Legeperiode wurde trotz des Einbruchs mit 241 gelegten Eiern je DH beendet. Unser Fazit: Eine bessere Futterausnutzung der restriktiv gefütterten Gruppe führt zu besserer Leistung und zufriedeneren, ruhigeren Tieren.“
Junghennen profitieren von der probiotischen Fütterung
Bei den Junghennen der verschiedenen Rassen fand der Testeinsatz während der gesamten Aufzucht bis zum Ende des ersten Legedrittels statt. Sebastian Seelig berichtet „von einer besonders guten Kotqualität und stabilen Darmgesundheit. Selbst ein Wasserschaden im Stall und die Aufnahme von kotverunreinigtem Pfützenwasser hat keine offensichtlichen Auswirkungen auf die Darmgesundheit und Leistung gehabt. Die Tiere haben im Vergleich zu vorherigen Aufzuchten deutlich weniger verschmutztes Kloakengefieder, dies fiel insbesondere bei den reinrassigen Tieren auf.“ Weiter konnte Sebastian Seelig beobachten, dass „beim Ausmisten der Kotgrube bei Tieren dieser Gruppe im Legehennenstall eine deutlich geringere Geruchsentwicklung auffiel. Der geringere Geruch des Mists lässt eine bessere Stickstofffixierung vermuten. Die Konsistenz war ungewöhnlich pastös, fast wie ein Lehm.“
Alle Gruppen zeigten einen guten Legestart und hielten sich bis zur 37. LW stabil auf einem hohen Niveau, während dieser Phase gab es keine Tierverluste. Die reinrassigen Lachshühner haben einen außergewöhnlich guten Legestart gehabt und befinden sich aktuell bei einer konstanten Legeleistung über 70 %, welche erfahrungsgemäß überdurchschnittlich für diese Rasse ist.
Zusammenfassung und Ausblick
Durch den Einsatz des Probiotikums im Futter der verschiedenen Rassen scheint die Futterverwertung der restriktiv gefütterten Tiere positiv beeinflusst zu sein: bessere, stabile Leistung bei gleichem Futter. Indikatoren zum Tierwohl, unter anderem Verschmutzungsgrad des Gefieders, sind zusätzlich positiv beeinflusst. Die Verbesserung der Verdauungsfunktion konnte durch die Kotwaschung nachgewiesen werden.
Die Herausforderung in der Fütterung von Zweinutzungshühnern ist deren limitiertes Vermögen, Rohfaser zu verdauen und das hohe Futteraufnahmevermögen bzw. auch die Futteraufnahmebereitschaft auszubalancieren. Für zukünftige Tests hat Sebastian Seelig auch schon Ideen: „Gegebenenfalls lässt der Einsatz von Bactocell eine stärkere Verdünnung des Futters, zum Beispiel durch größere Anteile Quetschhafer oder auch Silage, zu. Das wollen wir in der Zukunft austesten.“
Der Betrieb Wendland Geflügel setzt auf alte Rassen und Zweinutzungshühner in einer ökologischen Mobilstallhaltung. Kürzlich testete der Betrieb die Fütterung eines probiotischen Futterzusatzes, um Darmgesundheit, Tierwohl und Legeleistung zu verbessern. Die Ergebnisse waren durchweg positiv und zeigten eine deutlich stabilere Darmfunktion und positive Effekte auf Eischalenqualität, während die Tiere insgesamt ruhiger wirkten. Junghennen profitierten ebenfalls stark durch stabilere Darmgesundheit und einen erfolgreichen Legestart.
















