
Nährstoffangepasste Fütterung
Wer glaubt, Umwelt-, Ressourcenschutz und Leistung schließen sich aus, sollte genau hinschauen: Mit nährstoffangepasster Legehennenfütterung gelingt es, Emissionen zu reduzieren, Ressourcen zu schonen und gleichzeitig die Leistung der Tiere zu sichern – ein Gewinn für Mensch, Tier und Umwelt.
von Prof. Dr. Reinhard Puntigam, Dr. Julia Slama, Katja Krebelder, Linda Fitz, Dr. Philipp Hofmann, erschienen am 24.02.2026Der Konsum von Hühnereiern in Deutschland steigt stetig: 2024 lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei 249 Eiern – ein neuer Rekord und zehn Eier mehr als im Vorjahr (BLE, 2025). Kaum verwunderlich: Eier zählen zu den wertvollsten Proteinquellen unter den Lebensmitteln. Sie liefern essenzielle Aminosäuren, also lebensnotwendige Eiweißbausteine, die der Körper nicht selbst bilden kann und dies in einem ausgewogenen Verhältnis. Mit einer biologischen Wertigkeit von 100 gilt das Vollei als Referenzprotein – an ihm wird die Qualität anderer Nahrungsproteine gemessen.
Fütterung als Schlüssel zur Emissionsminderung
Neben ihrer großen Bedeutung für die Lebensmittelproduktion gewinnen Umwelt- und Ressourcenschutz in der Legehennenhaltung zunehmend an Bedeutung. Deutschland hat sich verpflichtet, die Ammoniakemissionen (NH3) gemäß der EU-weiten NEC-Richtlinie (National Emission Ceilings Directive, eine EU-Vorgabe zu nationalen Emissionsobergrenzen) bis 2030 um 29 % gegenüber 2005 zu senken.
Dabei spielt – neben technischen und baulichen Maßnahmen – insbesondere die Fütterung eine zentrale Rolle. Denn „viel hilft nicht viel“: Überschüssiges Rohprotein (CP, Crude Protein = Gesamtgehalt an Eiweiß im Futter), das die Henne nicht in Ei-oder Körpermasse umwandelt, scheidet sie als Stickstoff (N) aus. Dieser überschüssige Stickstoff kann die Tiergesundheit, das Tierwohl sowie die Luft und Gewässer belasten.
Zwischen dem CP-Gehalt der Ration (also dem Eiweißgehalt der Futterzusammensetzung), der N-Ausscheidung und den NH3-Emissionen besteht somit ein direkter und auch sehr enger Zusammenhang. Hier setzt die nachhaltige, nährstoffangepasste Fütterung an: Sie passt die Eiweißmenge im Futter exakt an den Bedarf der Tiere an.
Die gezielte Reduktion des CP-Gehalts im Alleinfutter von Legehennen gilt als effektive und rechtlich anerkannte Maßnahme, um N-Ausscheidung und NH3-Emissionen zu senken. Weisen Betriebe eine N-reduzierte Fütterung nach, können sie gemäß TA Luft eine Minderung der NH3-Emissionen um 10 % bei Geflügel ansetzen.
Klimawirkung der Fütterung
Zugleich rückt auch der CO2-Fußabdruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette „Ei“ zunehmend in den Blick. Besonders die Futterproduktion verursacht erhebliche Emissionen – etwa durch den Anbau und den Import von Soja als Proteinquelle. Dabei entstehen sogenannte indirekte Emissionen oder „Scope 3“-Emissionen (Emissionen, die außerhalb des eigenen Betriebs entstehen, zum Beispiel beim Futtermittelanbau im Ausland). Da das Futter den größten Anteil an den Treibhausgasemissionen der Legehennenhaltung einnimmt, kann eine gezielte Reduktion von Eiweißfuttermitteln sowohl CO2- als auch NH3-Emissionen deutlich verringern. Zukunftsorientiertes Handeln erfordert Mut und neue Denkansätze – und den Willen, gewohnte Wege zu verlassen. Auch in der Tierernährung braucht es diesen Mut, denn kleine, konsequente Schritte können große Wirkung entfalten.
Eine Langzeitstudie in Bayern zeigt dies deutlich: Seit 2015 begleiten Berater Schweinemastbetriebe. Diese ersetzten Sojaextraktionsschrot (SES, ein eiweißreiches Nebenprodukt der Sojaölgewinnung) möglichst weitgehend durch hochwertige Mineralfuttermittel mit gezielter Ergänzung freier Aminosäuren (industriell hergestellte, einzeln zugesetzte Eiweißbausteine) sowie durch heimische Eiweißalternativen.
Das Ergebnis: Von Jahr zu Jahr sanken Sojagehalte sowie die NH3-Emissionen deutlich, während die Leistungsfähigkeit der bislang knapp 28 Mio. Schweine stabil blieb.
Aufbauend auf dieser Entwicklung prüften Fachleute das Konzept nun auch in der Legehennenfütterung. Die vorgestellte Untersuchung analysierte die Auswirkungen einer CP-Reduktion und den Einsatz heimischer Eiweißalternativen auf Legeleistung, Eiqualität, N- und P-Ausscheidung (Phosphorausscheidung) sowie den CO2-Fußabdruck.
Die Ergebnisse zeigen: Nährstoffangepasste Fütterung sowie Umweltschutz können Hand in Hand gehen – wenn Betriebe konsequent bedarfsgerecht füttern und neue Konzepte umsetzen.
Aufbau und Durchführung der Fütterungsstudie
Für die Untersuchung wurden rund 1.300 Legehennen der Herkunft Bovans Brown vom Unternehmen Hendrix Genetics eingesetzt. Die Tiere standen im Versuchs- und Bildungszentrum Geflügel der Bayerischen Staatsgüter in Kitzingen.

Der Beobachtungszeitraum startete mit Beginn der 49. Lebenswoche (LW) und erstreckte sich über 18 Wochen bis zum Ende der 66. LW. Es wurde also der zweite Legeabschnitt betrachtet.
Zu Beginn wurden alle Tiere gewogen und nach ihrem Körpergewicht gleichmäßig auf zwölf identische Stallabteile verteilt. Anschließend ordnete man die Tiere drei verschiedenen Fütterungsvarianten zu.
Die eingesetzten Alleinfuttermittel stellte ein kommerzieller Mischfutterhersteller (Garant-Tiernahrung, Pöchlarn, Österreich) bereit. Grundlage für die Zusammensetzung waren die Fütterungsempfehlungen der Hendrix Nutrition Guideline aus dem Jahr 2020 sowie das DLG-Merkblatt 457 aus dem Jahr 2023.
Folgende Futtergruppen fanden Anwendung (siehe Tabelle 1):
- 17CP (Kontrolle): 17? % CP, 25 % SES; Supplementierung von DL-Methionin und L-Threonin
- 16CP: 16? % CP, reduzierter SES-Anteil (22 %); Supplementierung von DL-Methionin und L-Threonin
- 16CPalternative: 16 ?% CP, vollständiger Ersatz von SES durch heimische Eiweißfuttermittel (vollfette Donausojabohne, Rapskuchen, Maistrockenschlempe, Sonnenblumenextraktionsschrot); Supplementierung von Lysin HCL, DL-Methionin, L-Threonin, L-Tryptophan, L-Isoleucin, L-Valin

Während der gesamten Untersuchung wurden zahlreiche Leistungsmerkmale erfasst. Dazu zählten Mortalität, Legeleistung, Eigewichtsklassen, Anteil vermarktungsfähiger Eier und B-Ware, mittleres Eigewicht sowie die Eimasse. Zudem wurde der Futterverbrauch je Henne sowie der Futteraufwand je kg Eimasse erhoben. Die Lebendmasse (LM) wurde in LW 66 bei jeweils 50 zufällig ausgewählten Tieren pro Abteil ermittelt.
Mittels Massenbilanzierung wurden die N- und P-Ausscheidungen aus der Differenz zwischen N-/P-Aufnahme über das Futter und dem Output über Ei- und LM berechnet (basierend auf DLG-Band 199; DLG, 2014). Zur Beurteilung der Umweltwirkung wurde außerdem der CO2-Fußabdruck (Carbon Footprint, CF) der eingesetzten Alleinfuttermittel und der erzeugten Eimasse kalkuliert.
Zu den Ergebnissen
Die untersuchten Futterproben bestätigten die kalkulierten Gehalte an CP und Aminosäuren (AS). Der analysierte Energiegehalt lag niedriger als jener, der zuvor berechnet wurde. Auch die Körnung der Futtermittel (= Partikelgrößenverteilung mittels Siebanalyse) entsprach den Empfehlungen. Der Anteil mittlerer Partikel (1 bis 2 mm) lag in allen Alleinfuttermitteln über dem Sollwert von 50 %.
Nur in der Variante mit Eiweißalternativen („16CPalternative“) war der Feinanteil, also der Anteil sehr kleiner Futterpartikel, etwas höher, während die 17CP-Ration etwas mehr an groben Partikeln enthielt.
Ein Blick auf die Leistungsdaten in Tabelle 2 zeigt: Legeleistung, Anteil vermarktungsfähiger Eier, täglicher Futterverbrauch und Futteraufwand unterschieden sich zwischen den Futtergruppen kaum – statistisch waren diese Unterschiede nicht nachweisbar.
Ein signifikanter, also statistisch gesicherter Effekt der Fütterung zeigte sich beim mittleren Eigewicht: Die Eier der Futtergruppe „16CPalternative“ waren im Mittel 1 g leichter als jene der Vergleichsgruppen. Dies spiegelte sich auch in der Eimasse pro Durchschnittshenne wider. Gleichzeitig legten die Hennen der „16CPalternative“-Gruppe eine größere Anzahl an M- und weniger XL-Eier. Die Eiqualität (Schalenstabilität, Haugh-Einheit) blieb in allen Gruppen unverändert. Lediglich die Dotterfarbe war bei der Gruppe „16CPalternative“ kräftiger orange – ein Merkmal, das viele Verbraucher als positiv empfinden.
Nährstoffausscheidung, Klimawirkung und Proteinqualität
Bei den Nährstoffausscheidungen zeigten sich klare Vorteile: Durch die Absenkung des CP-Gehalts konnten die berechneten N-Ausscheidungen um rund 15 % gesenkt werden – und dies ohne Leistungseinbußen. Während die berechneten P-Ausscheidungen bei der „16CP“-Ration geringer waren als in der Kontrollgruppe, lagen sie bei der Futtergruppe „16CPalternative“ aufgrund der höheren P-Gehalte in Raps- und Sonnenblumenfuttermitteln etwas höher.
Ein weiterer positiver Effekt zeigte sich beim CO2-Fußabdruck: Durch den Einsatz regionaler Eiweißfuttermittel konnte der CO2-Fußabdruck pro kg Futter und pro kg Eimasse um fast die Hälfte verkleinert werden.

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Eine moderate Absenkung des CP-Gehalts von 17 auf 16 % ab der 49. LW wirkt sich bei gezielter Ergänzung mit freien AS nicht negativ auf die Legeleistung aus. Damit bestätigt sich, was auch andere Studien zeigen: Entscheidend ist nicht die Menge an CP, sondern der Gehalt an praecaecal verdaulichen AS und deren Verhältnis zueinander in der Ration. Praecaecal verdaulich bedeutet, dass die Aminosäuren bereits im Dünndarm – also vor dem Blinddarm – aufgenommen werden können. Nur dieser Anteil steht dem Tier direkt für Stoffwechsel und Leistung zur Verfügung.
Wichtig ist dabei, dass Reduzieren immer auch Präzisieren erfordert. Im Vordergrund steht die Proteinqualität der eingesetzten Eiweißfuttermittel. Alternativen zu SES – wie Rapskuchen oder Sonnenblumenextraktionsschrot – enthalten meist weniger und geringer verdauliche AS als SES. Auch die Verarbeitung der Sojabohnen, etwa beim Toasten, spielt eine zentrale Rolle: Erfolgt es zu „kalt“ oder zu „heiß“, kann die Verfügbarkeit an Nährstoffen, insbesondere die der Aminosäuren, sinken – mit möglichen Auswirkungen auf die Leistung der Legehennen. Zugleich weisen alternative Eiweißfuttermittel häufig höhere Phosphorgehalte auf. Das sollte bei der Rationsgestaltung berücksichtigt werden, insbesondere mit Blick auf die P-Ausscheidung und die damit verbundenen Umweltwirkungen.

Schlussfolgerungen
Die Ergebnisse bestätigen, dass eine bedarfsgerechte Reduktion des CP-Gehalts in Legehennenrationen ein wirkungsvolles Instrument zur Verringerung der N-Ausscheidungen darstellt. Durch die gezielte Ergänzung von AS bleibt die Leistungsfähigkeit der Tiere erhalten, während Umweltbelastungen durch N-Überschüsse deutlich gesenkt werden können. Die vollständige Substitution von SES durch heimische Eiweißalternativen führte in dieser Untersuchung zu geringfügigen Leistungseinbußen, bietet jedoch das Potenzial, die Importabhängigkeit von Soja zu reduzieren und den CO2-Fußabdruck der Legehennenfütterung deutlich zu verkleinern.
Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung einer präzisen, nährstoffangepassten Fütterung als zentrale Maßnahme für eine ressourcenschonende Legehennenfütterung.
Die Untersuchung zeigt, welches Potenzial in einer präzise abgestimmten Legehennenfütterung für Umweltentlastung und Leistungsstabilität steckt. Die Absenkung des Rohproteingehalts von 17 auf 16 % senkte die berechnete Stickstoffausscheidung um rund 15 % , ohne dass Einbußen bei Legeleistung, Vermarktungsfähigkeit der Eier oder Futterverwertung auftraten. Der vollständige Ersatz von Sojaextraktionsschrot durch heimische Eiweißträger führte zu leicht geringeren Eigewichten, während sich die Eizahl je Durchschnittshenne kaum verändert. Der Anteil mittlerer Gewichtsklassen nahm zu, schwere Eier traten seltener auf. Beim Phosphor zeigte sich je nach Rationsgestaltung ein differenziertes Bild, da alternative Proteinquellen höhere Gehalte aufweisen. Gleichzeitig verringerte sich durch den Einsatz regionaler Komponenten der CO2-Fußabdruck deutlich, sowohl bezogen auf das Futter als auch auf die erzeugte Eimasse. Die Ergebnisse belegen, dass eine bedarfsgerechte Aminosäurenversorgung bei reduziertem Rohproteinniveau Emissionen mindert und die Leistungsfähigkeit der Tiere erhält.










