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US-Geflügelwirtschaft

Bedrohungen durch Krankheiten in der US-Geflügelwirtschaft

In der Geflügelhaltung in den USA besteht eine komplexe Krankheitslage. Neben der hochpathogenen Aviären Influenza und dem aviären Metapneumovirus gewinnen weitere Erreger und Sekundärinfektionen an Bedeutung.

von DGS Redaktion Quelle WATTPoultry erschienen am 08.04.2026
2026 werden in der Geflügelwirtschaft in den USA große Belastungen durch ein komplexes Zusammenspiel von Krankheiten prognostiziert. © blessingscaptured / Shutterstock
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Die Geflügelwirtschaft in den USA steht aktuell wegen der Belastung durch Geflügelkrankheiten vor komplexen Herausforderungen. Darauf wies Dustan Clark, Tierarzt für Geflügelgesundheit und stellvertretenden Direktor des Geflügelzentrums an der University of Arkansas hin. Nach seinen Worten hat die Branche eine der schwierigsten Krankheitsgeschehen in ihrer Geschichte zu bewältigen, wie er gegenüber WATTPoultry erläuterte.

Erkrankungen verstärken sich gegenseitig

Im Rahmen eines Onlineseminars verdeutlichte Clark, wie mehrere Erkrankungen gleichzeitig auftreten und sich gegenseitig beeinflussen und verstärken. Allen voran grassiert die hochpathogene Aviäre Influenza (AI) weiterhin ohne Anzeichen einer Abschwächung. Seit Beginn des Ausbruchs im Februar 2022 waren mehr als 200 Millionen Tiere in knapp 2.200 Betrieben betroffen. Das Virus wurde mittlerweile in allen 50 US-Bundesstaaten sowie in Puerto Rico nachgewiesen. Besonders stark betroffen ist die Legehennenhaltung, wo der Großteil der Verluste auftrat.

Zusätzlich brisant ist die Situation durch Infektionen bei Milchkühen und anderen Tierarten. Das wirft erneut Fragen zur Rolle von Wildvögeln als Eintragsquelle auf. Mittlerweile ist auch die Newcastle-Krankheit (ND) in das Blickfeld gerückt, obwohl sie derzeit in den USA nicht zirkuliert.

Aviäres Metapneumovirus in den USA endemisch

Neben HPAI war in den USA das aviäre Metapneumovirus (aMPV) in den vergangenen Jahren präsent. Nach Ausbrüchen der Subtypen A und B in den Jahren 2023 und 2024 gilt das Virus mittlerweile als endemisch in der US-Geflügelhaltung. Dieses Virus verursacht in erster Linie Atemwegserkrankungen, doch die folgenreichsten wirtschaftlichen Schäden entstehen durch seinen immunsuppressive Wirkung. Betroffene Herden zeigen eine erhöhte Anfälligkeit für Sekundärinfektionen, besonders für infektiöse Coryza sowie E.-coli-Infektionen. Diese Erkrankungen wurden zuvor in kommerziellen Haltungen in den USA nur selten beobachtet, wie Clark bei WATTPoultry weiter ausführte.

Produktionsverluste auch durch weitere Erreger

Außerdem sieht sich die Geflügelbranchen in den USA mit einer Reihe weiterer Erreger konfrontiert, die zu Produktionsverlusten führen können:

  • Infektiöse Bronchitis (IB): Dieses Coronavirus zählt zu den wirtschaftlich bedeutendsten Erkrankungen in Legebetrieben. Innerhalb von 24 bis 48 Stunden kann sich diese Infektion in einem Bestand ausbreiten. Die Legeleistung kann um über 10 % zurückgehen.
  • Infektiöse Laryngotracheitis (ILT): Dieses Herpesvirus tritt regional immer wieder auf. Genese und geimpfte Tiere können das Virus über einen langen Zeitraum ausscheiden und so als Reservoir dienen. Dadurch ist die Integration neuer Bestände in einem Betrieb ein Biosicherheitsrisiko.
  • Marek-Krankheit: Trotz flächendeckender Impfprogramme in den USA bleibt auch diese Erkrankung präsent. Vor allem die neurologische Form mit Lähmungen dominiert. Virusmutationen erhöhen den Druck auf die Entwicklung von Impfstoffen.
  • Mykoplasmen (M. gallisepticum und M. synoviae): Die chronischen Infektionen mit vertikaler Übertragung über das Ei erschweren die Kontrolle. Klinische Symptome treten häufig erst unter Stressbedingungen auf.

Auch Erkrankungen, die durch Einzeller verursacht werden, so genannte protozäre Erkrankungen, spielen weiterhin eine wichtige Rolle. Kokzidiose bleibt ein Dauerproblem in der Mast. Histomoniasis tritt in den USA zunehmend auch in Hühnerbeständen auf, während diese Erkrankung früher vor allem Puten betraf. Bei beiden Krankheiten sind die therapeutischen Möglichkeiten begrenzt, wie WATTPoultry beschrieb.

Ganzheitliches Herdenmanagement gefordert

Clark fasste zusammen, dass die gleichzeitige Bedrohung durch mehrere Krankheitserreger in den USA hohe Anforderungen an das Gesundheitsmanagement in Geflügelbetrieben stellt. Entscheidend sind nach seinen Ausführungen für die Betriebe in den USA die konsequente Umsetzung von Biosicherheitsmaßnahmen, ein engmaschiges Monitoring sowie an gepasst Impfstrategien. In den Mittelpunkt rücken besonders die Wechselwirkungen zwischen Primär- und Sekundärinfektionen. Sie erfordern ein ganzheitliches Herdenmanagement, wie Clark abschließend erläuterte.