
Tierwohl und Wirtschaftlichkeit verbinden
Strukturelemente wie Plattformen, Substrate oder Staubbäder fördern das natürliche Verhalten von Geflügel. US-Fachleute sehen darin auch betriebliche Vorteile für Mast- und Legehennenbetriebe.
von DGS Redaktion Quelle Egg Industry Insight, Virginia Tech University, Purdue University und California State University erschienen am 02.01.2026Der Einsatz von Beschäftigungs- und Strukturelementen im Geflügelstall kann zur Verbesserung des Tierwohls beitragen und zugleich wirtschaftliche Effekte für die Betriebe haben. Darauf weisen mehrere US-amerikanische Geflügelforscher hin. Beschäftigungsmaterialien ermöglichen es den Tieren, arttypische Verhaltensweisen auszuleben, etwa Ruhen auf erhöhten Flächen, Scharren, Picken oder Staubbaden.
Nach Einschätzung von Leonie Jacobs, Associate Professor für Geflügelwohl an der Virginia Tech University, verfügen Geflügelarten über grundlegende Verhaltensbedürfnisse, die in der Haltung berücksichtigt werden müssen. Werden entsprechende Ressourcen nicht bereitgestellt, könne dies das Wohlbefinden der Tiere beeinträchtigen.
Weniger Stress, geringere Verluste
Neben positiven Effekten auf das Verhalten nennen Fachleute auch gesundheitliche Vorteile. Beschäftigungsmaterialien können zur Stressreduktion beitragen, die Bewegungsaktivität fördern und die Gangstabilität verbessern. Zudem lassen sich unerwünschte Verhaltensweisen wie gegenseitiges Picken reduzieren. Solche Verhaltensstörungen können Verletzungen verursachen, die Mortalität erhöhen und den Anteil vermarktungsfähiger Tiere verringern.
Greg Fraley von der Purdue University verweist darauf, dass Verletzungen und Verluste direkte wirtschaftliche Auswirkungen für die Betriebe haben. Ruhigere Bestände wirkten sich aus seiner Sicht positiv auf Produktqualität und Erlöse aus.
Darüber hinaus sehen die Wissenschaftler Potenzial in der Kommunikation gegenüber dem Markt. Betriebe, die den Einsatz von Beschäftigungsmaterialien offen darstellen, können gezielt Abnehmer ansprechen, die höhere Tierwohlstandards nachfragen.
Hinweise auf positive Effekte von Beschäftigungsmaterialien finden sich auch in der wissenschaftlichen Literatur. Eine Übersichtsarbeit der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) wertet verschiedene Studien zu Umweltanreicherung in der Geflügelhaltung aus. Demnach können Strukturelemente wie erhöhte Ebenen, Substrate oder Staubbäder das Verhalten der Tiere positiv beeinflussen und zur Reduzierung von Stress sowie bewegungsbedingten Problemen beitragen. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass Auswahl, Platzierung und Pflege der Materialien entscheidend für den tatsächlichen Nutzen im Stall sind.
Verschiedene Formen von Beschäftigung
In der Praxis stehen unterschiedliche Arten von Beschäftigungsmaterialien zur Verfügung. Plattformen und erhöhte Strukturen werden insbesondere von Masthühnern genutzt, da sie im Vergleich zu Sitzstangen besser an das Körpergewicht angepasst sind. Das Aufsteigen auf erhöhte Flächen kann das Sicherheitsgefühl der Tiere stärken und die Beinmuskulatur fördern.
Substrate wie Stroh- oder Heuballen regen Erkundungs-, Such- und Pickverhalten an und können ebenfalls als erhöhte Liegeflächen dienen. Allerdings weisen Fachleute darauf hin, dass solche Materialien regelmäßig ausgetauscht werden müssen und bei unklarer Herkunft ein Biosicherheitsrisiko darstellen können. Staubbäder unterstützen die Gefiederpflege und tragen zu gesunden Fußballen und Gelenken bei.
Umsetzung erfordert Anpassung und Pflege
Bei der Auswahl geeigneter Maßnahmen kommt es nach Einschätzung der Wissenschaftler auf die jeweilige Geflügelart an. Verhaltensbedürfnisse unterscheiden sich zwischen Masthühnern, Legehennen und Puten. Werden diese Unterschiede nicht berücksichtigt, besteht die Gefahr, dass eingesetzte Materialien kaum genutzt werden.
Zudem verändert sich das Verhalten der Tiere im Verlauf eines Durchgangs. Untersuchungen zeigen, dass die Nutzung bestimmter Elemente, etwa von Plattformen, mit zunehmendem Alter der Tiere abnimmt. Eine regelmäßige Beobachtung des Bestands und gegebenenfalls Anpassungen gelten daher als sinnvoll.
Beschäftigungsmaterialien müssen außerdem dauerhaft betreut werden. Sie sollten leicht zu reinigen, stabil und sicher für Tiere und Beschäftigte sein sowie möglichst wenig Feuchtigkeit aufnehmen. Auch Aspekte wie Aufbauaufwand, Haltbarkeit und tatsächliche Nutzung spielen eine Rolle.
Nach Einschätzung von Katy Tarrant von der California State University, Fresno, sind Beschäftigungsmaterialien mit zusätzlichem Arbeitsaufwand und Kosten verbunden. Im Vergleich zu anderen Tierwohlmaßnahmen gelten sie jedoch als relativ gut in bestehende Haltungssysteme integrierbar. Vor Investitionen sei es aus ihrer Sicht nachvollziehbar, dass Betriebe prüfen, ob sich der Aufwand wirtschaftlich rechnet.
Wer tiefer ins Thema einsteigen möchte, kann Studien HIER und HIER nachlesen.








