
Auf Tuchfühlung mit Industrie und Wissenschaft
Interessante Einblicke in neue Haltungstechnik, in Zukunftsprojekte und in die Legehennenfütterung gab es bei einer zweitägigen Exkursion hessischer Legehennenhalter im März. Legehennenhalter erhielten hier neben Infos aus erster Hand auch Antworten auf Fragen aus dem eigenen Betrieb. Und wie so oft, liegt die Lösung meist im Detail.
von Luise Richard, Drensteinfurt erschienen am 21.04.2026So nah an die Industrie und Wissenschaft kommen Praktiker nicht so oft. Anfang März machte sich eine Gruppe hessischer Legehennenhalter auf den Weg nach Niedersachsen, um dort, wo sich der Hotspot der deutschen Geflügelhaltung befindet, ein eigens für sie zusammengestelltes Fachprogramm in Sachen Legehennen zu absolvieren. Konventionell wirtschaftende Eiererzeuger waren ebenso dabei wie Biolegehennenhalter, sie alle sind Mitglied im Arbeitskreis Legehennenhaltung des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH).
Tierwohl im Blick
Gefördert vom Projekt Netzwerk Fokus Tierwohl und organisiert vom LLH stand die Exkursion unter der fachlichen Leitung von Inga Garrelfs und Vanessa Anger-Buntjer (beide LLH). Im Mittelpunkt des Interesses: Haltungssysteme, Tränkesysteme und Fütterung, jeweils mit dem Fokus aufs Tierwohl.
Die Tour begann beim Unternehmen Lubing in Barnstorf. Fragen gab es von den Praktikern, die zumeist kleine bis mittlere Betriebe mit Boden- und Freilandhaltung führen, genug: Welche technischen Möglichkeiten gibt es, den Wasserverbrauch im Blick und die Tränken sauber zu halten? Wie bleiben die Tränkenippel und die Leitungen dicht? Wo gibt es Stellschrauben, um die Haltung in der Voliere und die Legenester zu optimieren? Wie kann man Legehennen am besten für eine lange Legeperiode, eine gleichbleibende Schalenqualität und einen gleichzeitig guten Gesundheitsstatus füttern?
Neben Lubing besuchte die Gruppe auch den Stalleinrichter Big Dutchman in Vechta und das auf Biolegehennenfutter spezialisierte Futtermittelwerk Reudink in Fürstenau. Ein Vortrag von Fütterungsexperte Robert Pottgüter im Grünen Centrum in Vechtabeleuchtete die „Ausgewogene und bedarfsgerechte Ernährung als Basis für Tierwohl bei Legehennen“. Den Abschluss der Exkursion bildete ein Besuch an der Hochschule Osnabrück und beim Team StanGe (Schwerpunkt Angewandte Geflügelwissenschaften), wo Prof. Dr. Robby Anderson, Dr. Kathrin Toppel und Robert Pottgüter offene Fragen zum Thema Legehennenfütterung diskutierten und die Teilnehmenden Einblicke in die Module der Hochschule im Programm Poultry Professional erhielten.
1Insight Lubing: Tierwohlgerechte Wasserversorgung
Ohne eine adäquate Trinkwasserversorgung geht nichts in der Geflügelhaltung – die Firma Lubing, die seit 1949 vom Standort Barnstorf als Zulieferer u. a. von Tränkesystemen fungiert, ist Spezialist dafür und beliefert ausschließlich Stalleinrichter, keine Endkunden. Trotzdem kennt fast jeder Geflügelhalter das Unternehmen. Laut Wolfgang Meyer, zuständig für den Bereich Research Tränkesysteme bei Lubing, zeichnen sie sich durch eine relativ einfache Bauweise aus. „Wir bieten einen Nippel an, der nur aus drei Teilen besteht: Edelstahlgehäuse mit Gewinde, Edelstahl-Unterpin, Edelstahl-Oberstift. Das System verzichtet auf Dichtungen und Gummi“, so Meyer. Der Lubing-Nippel schraube sich selbst in die Leitung – es gebe keinen Zwischenraum zwischen Rohr und Nippel, um Undichtigkeit zu vermeiden. Der kleinste Spalt sei immer oben am Nippel: Denn alles Wasser, was reinkommt, soll auch wieder raus, indem die Tiere trinken. Durch den konischen Dichtsitz fällt der Stift nach Betätigen immer wieder richtig zurück. Das mache das Tränkesystem relativ pflegeleicht. Überdies könne sich kein Schmutz ansammeln. Die neuesten Entwicklungen sind Nippel vom Typ E (Edelstahl) und F (Kunststoff) mit Gewinde und einer geringen Einschraubtiefe.
Dabei muss ein Tränkenippel nicht nur robust und langlebig sein, er muss auch von Tieren aller Altersstufen bedient werden können. Das ist ebenso Gegenstand der Forschungsarbeit von Lubing. Weil auch ein kleines 20-g-Küken trinken muss, ist die Frage relevant, wie viel Kraft so ein kleines Tier braucht, um den Stift im Tränkenippel – inklusive Wassersäule, was die meiste Kraft kostet – hochzudrücken und zu trinken. In den Versuchen hat sich gezeigt: Eintagsküken benötigen seitlich bedienbare Nippel. Auch größere Tiere präferieren diese oft, daher sind viele Lubing-Nippel seitlich und vertikal zu betätigen.
Viele Verbesserungen im Detail
Diskussionspunkte, um die Wasserversorgung zu optimieren, sind in der Praxis ebenfalls der Rohrdurchmesser – hier geht der Trend zu größeren Rohren mit bis zu 28er-Durchmesser –, die Schalenform oder die Höhe der Schalen und Tränkenippel. Ob die Schale einen Arm oder zwei hat, ist dabei für die Tiere relativ unerheblich. Und wenn Tiere eine Schale durchpicken, könnte der Fehler auch woanders liegen, erklärt Meyer: Zum Beispiel, dass sie das Wasser nicht mögen, weil es möglicherweise bitter schmeckt. „Probieren Sie das Wasser deswegen selbst mal“, appellierte er an die Exkursionsteilnehmer. Verbesserungen gibt es ebenso bei Druckminderer, Wassertank, Wasserdruck, Spülsystem, Messung des Wasserverbrauchs bzw. bei Techniken zum Sauberhalten der Leitungen. Für Letzteres hat Lubing das UltraFlush-System entwickelt (siehe Seite 44 im DGS-Magazin 5/2026).
2Big Dutchman: Automatisierung schreitet voran
Spannende Station der Exkursion war auch der Besuch bei Big Dutchman in Vechta. Der Stalleinrichter beschäftigt allein in Deutschland 850 Mitarbeitende, weltweit sind es rund 3.500 Angestellte an 120 Standorten. Die Produkte gehen in alle Welt, der Exportanteil beträgt 75 %. Nach dem Rundgang durch den Betrieb erläuterte Holger Brunnberg aus der Abteilung Produktentwicklung bei Big Dutchman International, welchen Herausforderungen sich die Legehennenhaltung gegenübersieht und welche Lösungen dafür angeboten werden.
- Eine zunehmende Automatisierung ist aufgrund des Arbeitskräftemangels in der Branche erforderlich, z. B. im Stall, am Eierband, bei Impfkolonnen oder in der Serviceperiode.
- Bei zunehmend längerer Nutzungsdauer der Legehennen – 100 Wochen plus sind mittlerweile keine Seltenheit mehr – steht die Schalenstabilität im Fokus.
- Produktivität und Tierwohl verbessern – beides steht im Fokus. Krankheitsdruck und Mortalitäten sind zu senken. Die Konstrukteure haben daher die Volieren in puncto Nestanordnung, Eierband und Kotband optimiert. Die Anlagen bieten viel Nutzfläche und sorgen für eine gute Stallauslastung; die gesamte Stallgrundfläche kann als Scharrraum genutzt werden.
- Die Umnutzung von alten Schweine- oder Rinderställen zwingt zu Kompromissen, insbesondere, was die Stallhöhe und die Unterbringung der Volieren angeht oder auch die Anordnung von Eierband und Nestern.
- Das Problem Hitzestress ist zunehmend anzugehen.
Lösungen für diese Herausforderungen aus dem Hause Big Dutchman konnten sich die Exkursionsteilnehmer vor Ort anschauen. Bei den Volieren Natura Step und Step XL ergeben unterschiedlich breite Etagen einen gestuften Aufbau, womit die Tiere alle Funktionsbereiche – vor allem die integrierte Nestebene – gut erreichen können. Die Step XL-Voliere biete viel Systemfläche, wodurch bei für Deutschland optimierter Stallauslastung (18 Tiere pro m²) trotzdem für Tier und Mensch angenehm breite Gänge bleiben, führte Brunnberg aus. Zwei getrennte Eierlängsbänder in der Mitte der Anlage sorgen – Brunnberg zufolge – für mehr Platz auf dem Band und einen sicheren und sauberen Transport der Eier. Das System sei auf zunehmende Automatisierung optimiert, die Verbesserung von Tierwohl und Eiqualität seien gewollte Nebeneffekte. Viele zusätzliche Details seien hier erhältlich, z. B. die integrierte Aufstiegshilfe („Hop and Turn“), die den Hennen den Wechsel zwischen den Etagen erleichtert.
Mit Natura Life entwickelt Big Dutchman ein Haltungssystem, bei dem die Legehennen vom Schlupf bis zum Lebensende im gleichen Stall und in der gleichen Voliere bleiben. Es kann also mit Bruteiern oder Eintagsküken gestartet werden – Transport- und Umstallungsstress entfallen. Pluspunkte seien eine bessere und schnellere Entwicklung der Küken zur Junghenne, ein geringeres Infektionsrisiko und weniger verlegte Eier, da das Nest zum optimalen Zeitpunkt geöffnet werden könne. Allerdings ist hierbei viel Equipment für eine differenzierte Nutzung des Stalles notwendig.
Für die automatisierte Tierkontrolle gibt es seit Kurzem das VIM – Vitality Inspection Management System, das die Vitalwerte der Tiere erfassen, messen und auswerten kann. Das System fährt viermal pro Tag an den Volieren entlang, erkennt auffällige Tiere per Laser und meldet die genaue Position. Das mache die Kontrolle durch den Menschen nicht überflüssig, aber erleichtere sie – laut Brunnberg – deutlich.
Insbesondere für Reinigungsunternehmen dürfte der neuartige Reinigungsroboter Sharky interessant sein, der frei und zu jeder Tageszeit durch die Anlage fährt und auch unter der Voliere reinigt. Der Roboter wird über eine spezielle Software auf die Anlage programmiert. Die Reinigungsqualität sei immer gleich.
Zum Patent angemeldet ist ein neues Verfahren für das automatisierte Impfen im Aufzuchtstall: Mit MultiVacc können bis zu vier Injektionen in die Brustmuskulatur sowie die Pockenimpfung in den Flügel synchron in einem Arbeitsgang durchgeführt werden, die Maschine kann auf unterschiedliche Herkünfte eingestellt werden. Sie garantiere eine hohe Impf- und Dosiergenauigkeit, einen hohen Hygienestandard und sei zudem mobil einsetzbar.
Mit dem Chillmaster, einer großen Klimaanlage für den Legehennenstall, geht Big Dutchman das Problem Hitzestress an und reduziert bei hohen Außentemperaturen die Temperatur im Stall, ohne dass sich die Luftfeuchtigkeit im Stall verschlechtert.
Für die Praktiker interessant war ebenfalls, wie sich „Favoritennester“ vermeiden lassen. Dafür werden Nestvorhänge in gewissen Abständen auch zwischen den Nestern angebracht, was die Hennen zur Nutzung aller Nester animieren soll. „Schon 10 % weniger Legehennen in den Favoritennestern sind von Vorteil“, so Holger Brunnberg. Der automatische Eierbandvorzug könne zudem die Abrollfläche vor den am meisten frequentierten Nestern in der Hauptlegezeit vergrößern und so zur besseren Eiqualität beitragen.
Einsichten in das Futtermittelwerk Reudink
Die Fütterung der Legehennen stand im Mittelpunkt des zweiten Teils der Exkursion. So konnte das moderne Futtermittelwerk Reudink in Fürstenau besichtigt werden. Reudink gehört zur niederländischen ForFarmers-Gruppe. In Fürstenau wird ausschließlich Biolegehennenfutter produziert – sowohl EU-Bioware als auch Verbandsfutter (Bioland und Naturland), aber keine Aufzuchtfutter. Ergänzer sind möglich und werden immer individuell – je nach Ausgangsware des Betriebes – konzipiert. Der Produktionsvorgang ist hoch automatisiert: Annahme, Mischen, Verladen können theoretisch mit einer einzigen Person gesteuert werden. Wie die Eingangskontrolle der Rohwaren unterliegt auch jede Futterlieferung der Ausgangskontrolle (mittels NIR-Spektroskopie). Die Analysen werden vor Ort in Fürstenau durchgeführt, die Ergebnisse mit dem Labor in Lochem geteilt und mit dem Produktmanagement bewertet.
Einige Exkursionsteilnehmer beziehen ihr Futter von Reudink; entsprechend interessant war es für sie zu sehen, wie hier auf höchstem Standard produziert wird. Und natürlich gab es eine Menge Fragen: Wo kommen die Rohkomponenten her? Wie wird die Qualität gewährleistet und wo wird beprobt? Wie wird die Anlage gesteuert? Welche Bezugsmöglichkeiten gibt es? Christian Meyer-Grönloh, Vertriebsleiter Deutschland, führte zusammen mit Müllermeister Lou Berling, der dieses Reudink-Werk leitet, durch den Betrieb.
Die fachliche Beratung der Kunden gehöre zum Fütterungskonzept, z. B. zum HomeMixxing, bei dem die Kunden eigene Futtermittel ergänzen. Beim sogenannten Split Feeding ist der Zyklus der Eibildung die Grundlage des Futterkonzepts. Die Nährstoffe im Futter sind auf den Bedarf in den verschiedenen Phasen des Zyklus abgestimmt. Ausgehend von der Leistung in der Startphase wird das Futter bei Bedarf angepasst, auf das gewünschte Eigewicht optimiert und gegebenenfalls im Rahmen des Fütterungsprogramms auf eine andere Futtersorte umgestellt. Reudink bietet – je nach Betriebszielen – verschiedene Futtersortimente und eine individuelle Anpassung an.
3Tierwohl und Fütterung im Fokus
„Eine Legeleistung von 600 Eiern in 120 Wochen ist bei weißen Herkünften (z. B. Lohmann LSL) fast schon normal“, sagte Robert Pottgüter, Experte für Geflügelernährung, in seinem Vortrag im Grünen Centrum in Vechta. Er machte die Teilnehmenden der Exkursion insbesondere auf die sehr sensible Phase des Übergangs von der Jung- zur Legehenne aufmerksam. Ein Nährstoffmangel in den ersten Wochen der Legephase schade den Tieren massiv und nachhaltig, sagte er. Insbesondere Hennen mit intaktem Schnabel verzeihen keine Fehler, weder im Management noch in der Fütterung.
Nicht nur Legeleistung und Eiqualität sind über die immer länger werdende Legeperiode wichtig, sondern vor allem auch die Lebergesundheit (Vermeiden der Fettleber), die Darmstabilität und der Immunstatus der Herde sowie die Futterqualität mit entsprechendem Rohfaser-/Strukturanteil. Pottgüter informierte über die neuesten Erkenntnisse zu Aminosäuren, zu Calcium und Schalenstabilität, zum Zusammenhang von Körper- und Eigewicht und zur richtigen Ergänzung des Futters mit Fetten. „Wer selbst mischt, sollte unbedingt wissen, wie die Gehalte seiner Rohkomponenten sind, um richtig ergänzen zu können. Die Mischungen müssen professionell berechnet werden“, sagte er. Das DGS-Magazin widmet sich noch einmal gesondert diesem Thema.
Fazit der Exkursionsteilnehmer nach zwei Tagen dichtem Exkursionsprogramm: absolut lohnend mit viel Input, viel Neuem, vielen Einblicken in Produktionsprozesse und vielen Antworten auf konkrete Fragen.









