
Newcastle-Impfstoff wirkt auch im Darm
Ein seit Jahren eingesetzter Impfstoff gegen Newcastle wird wissenschaftlich neu bewertet. Fachleute aus den USA sehen Hinweise darauf, dass bestimmte Impfvirusstämme nicht nur die Atemwege schützen, sondern das Darmimmunsystem frühzeitig stimulieren können. Welche Bedeutung das für die empfindliche Startphase von Küken hat, wird derzeit genauer untersucht.
von DGS Redaktion Quelle ModernPoultry erschienen am 25.02.2026Ein Beitrag der US-Branchenplattform Modern Poultry vom 23. Februar 2026 beschreibt neue Bewertungen eines weltweit eingesetzten Newcastle-Impfstamms. Nach Einschätzung von Chuck Hofacre, Präsident der Southern Poultry Research Group, könnte dessen Wirkung über den klassischen Schutz vor respiratorischer Newcastle-Infektion hinausgehen.
Vermehrung im Darm statt in der Luftröhre
Während viele herkömmliche Newcastle-Impfstämme vor allem in den Atemwegen replizieren, vermehrt sich der betreffende Stamm VG/GA überwiegend im Darm. Fachleute bezeichnen solche Impfviren als enterotrop.
Bislang wurde diese Eigenschaft vor allem mit einer guten Verträglichkeit in Verbindung gebracht. In Brütereien erhalten Eintagsküken häufig mehrere Lebendvakzinen. Jede zusätzliche Reizung der Atemwege kann sich in der sensiblen Startphase nachteilig auswirken. Nach Darstellung von Hofacre hat sich der enterotrope Stamm deshalb weltweit etabliert, weil er die Atemwege vergleichsweise wenig belastet.
Darm als Schaltstelle der Immunabwehr
Neu ist der verstärkte Blick auf die Rolle des Darms im Immunsystem. Der Verdauungstrakt ist nicht nur für die Nährstoffaufnahme zuständig, sondern enthält ein umfangreiches Abwehrsystem. Dieses Gewebe erkennt Krankheitserreger und beeinflusst die weitere Immunantwort des Tieres.
Wenn sich ein Impfvirus im Darm vermehrt, wird dieses System aktiviert. Nach Angaben von Modern Poultry gibt es Hinweise darauf, dass diese frühe Stimulation nicht nur lokal wirkt, sondern auch die allgemeine Immunbereitschaft beeinflussen kann. Die genauen Abläufe sind laut Hofacre noch nicht vollständig geklärt.
Mögliche Auswirkungen auf die Startphase
Die ersten sieben bis zehn Lebenstage gelten als entscheidend für die spätere Leistungsentwicklung. Küken, die in dieser Phase stabil fressen und sich gut entwickeln, zeigen häufig auch im weiteren Mastverlauf konstante Leistungen.
Es wird auf Untersuchungen verwiesen, die im Zusammenhang mit enterischen Impfstrategien Hinweise auf positive Effekte bei Gewichtsentwicklung oder Futterverwertung zeigen. Dabei handelt es sich nicht um leistungssteigernde Zusätze, sondern um mögliche Folgen einer stabilen Immunentwicklung.
Auch im Zusammenhang mit Kokzidien wird untersucht, ob eine frühe Aktivierung des Darmimmunsystems die Reaktionsfähigkeit der Tiere beeinflussen kann. Hofacre betont jedoch ausdrücklich, dass dies weder Antikokzidika noch spezifische Kokzidiose-Impfungen ersetzt.
Einordnung für die Praxis
In modernen Brütereien werden häufig mehrere respiratorische Vakzinen per Spray verabreicht. Ein zusätzlicher Impfstoff, der ebenfalls stark in den Atemwegen wirkt, kann die Belastung erhöhen. Ein enterotroper Newcastle-Stamm wird daher als gut kombinierbar mit umfangreichen Impfprogrammen beschrieben.
Auch wenn größere Ausbrüche in den USA derzeit selten sind, bleibt das Risiko virulenter Newcastle-Stämme bestehen. Die Impfung bleibt damit ein zentraler Bestandteil der Biosicherheit. Neu ist vor allem der Blick auf mögliche Zusatzwirkungen im Darm, die nun wissenschaftlich weiter untersucht werden.










