
KI wird zum Wettbewerbsfaktor für Geflügelbetriebe
Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in die internationale Geflügelwirtschaft. Branchenvertreter warnen davor, die Einführung digitaler Technologien aufzuschieben. Auch für deutsche Geflügelhalter gewinnt der strategische Umgang mit KI vor dem Hintergrund internationaler Konkurrenz an Bedeutung.
von DGS Redaktion Quelle WATTPoultry erschienen am 06.02.2026Die US-Geflügelwirtschaft sollte künstliche Intelligenz und digitale Technologien zeitnah einführen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Darauf wies Aidan Connolly, Präsident von AgriTech Capital LLC, bei einer Veranstaltung im Rahmen der International Production and Processing Expo 2026 hin. Betriebe, die KI aktiv nutzen, würden langfristig jene ersetzen, die auf den Technologieeinsatz verzichten.
Connolly verwies auf eine weltweit zunehmende Dynamik bei Investitionen in agrarische KI-Anwendungen. In mehreren Ländern werde künstliche Intelligenz bereits systematisch in Tierhaltung, Fütterung, Gesundheitsüberwachung und Logistik integriert. Diese Entwicklung betreffe nicht nur außereuropäische Märkte, sondern habe mittelbar auch Auswirkungen auf europäische und deutsche Geflügelbetriebe, die im internationalen Wettbewerb stehen.
KI als Führungsaufgabe in landwirtschaftlichen Unternehmen
Nach Einschätzung Connollys liegt die Verantwortung für die Einführung von KI nicht bei IT-Abteilungen, sondern bei Unternehmensleitungen und Aufsichtsgremien. Künstliche Intelligenz sei weniger ein technisches Einzelprojekt als vielmehr ein strategischer Einschnitt für die gesamte Organisation. Führungskräfte müssten sich selbst mit den verfügbaren Werkzeugen vertraut machen und deren Einsatz aktiv steuern.
Als kurzfristige Maßnahmen nannte Connolly unter anderem den Aufbau belastbarer Datenstrukturen, die Einbindung eigener Mitarbeiter in den Einführungsprozess sowie eine konsequente Umsetzung beschlossener Digitalstrategien. Diese Punkte sind auch für deutsche Betriebe relevant, da Förderprogramme, Dokumentationspflichten und Marktanforderungen zunehmend digitale Prozesse voraussetzen. Der Einsatz externer Berater könne sinnvoll sein, dürfe jedoch nicht die interne Verantwortung ersetzen.
Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Qualifikationsprofile
Mit Blick auf den Arbeitsmarkt erwartet Connolly keine Reduktion der Beschäftigtenzahlen, sondern eine Verschiebung der Tätigkeitsprofile. Klassische manuelle Arbeiten würden zunehmend durch Aufgaben ergänzt, die digitale Kompetenzen erfordern. Genannt wurden unter anderem Funktionen im digitalen Betriebsmanagement, in der datenbasierten Fütterung oder in der Überwachung komplexer Lieferketten. Vergleichbare Entwicklungen zeichnen sich auch in deutschen Geflügelunternehmen ab, insbesondere bei größeren integrierten Strukturen.
In der Geflügelwirtschaft kommen bereits heute KI-gestützte Systeme zum Einsatz, etwa zur Gewichtsschätzung von Herden mittels Bildanalyse, zur automatisierten Bewegung von Tieren in den Ställen oder zur Verhaltensüberwachung einzelner Tiere durch Kamerasysteme. Solche Anwendungen werden auch in Europa getestet und teilweise bereits eingesetzt.
Auf die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen für Beschäftigung räumte Connolly moralische Aspekte ein. Gleichzeitig verwies er auf strukturelle Veränderungen in anderen Agrarsektoren, in denen sich die Zahl der Betriebe deutlich reduziert habe, während Produktivität, Lebensmittelsicherheit und Effizienz gestiegen seien. Für deutsche Geflügelhalter bedeute dies, technologische Entwicklungen nicht isoliert zu betrachten, sondern frühzeitig in betriebliche Entscheidungen einzubeziehen.








