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US-Forschung Masthähnchen

Infektiöse Bronchitis im Winter: Diagnostik schafft Sicherheit

Die infektiöse Bronchitis ist auch in Deutschland ein relevantes Thema und fester Bestandteil der Impfprogramme. Gezielte Diagnostik vor dem Winter hilft, Impfstrategien abzusichern und Fehlalarme zu vermeiden.

von DGS Redaktion Quelle ModernPoultry, Ceva Animal Health erschienen am 14.01.2026
Um Probleme mit der infektiösen Bronchitis (IBV) in den Wintermonaten zu vermeiden, ist eine frühzeitige Kontrolle der Impfstrategie entscheidend. © 2025 Anom Harya/Shutterstock
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Die infektiöse Bronchitis (IBV) spielt nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland eine wichtige Rolle im Gesundheitsmanagement von Mastgeflügel. Die Erkrankung wird hierzulande aktiv über Impfprogramme berücksichtigt und ist fester Bestandteil der betrieblichen Prophylaxe. Entscheidend ist dabei, regelmäßig zu überprüfen, ob die eingesetzten Impfstoffe zur aktuellen Feldsituation passen und korrekt angewendet werden.

Darauf wies Jose Linares, Diagnostiker und Veterinär im Bereich Technical Services bei Ceva Animal Health auf dem 15. Internationalen Seminar für Geflügelpathologie und -produktion in Athens, Georgia, hin. Das Fachmedium ModernPoultry berichtete. Nach seinen Angaben lässt sich mit moderner Diagnostik beurteilen, ob ein Impfprogramm wirksam ist oder angepasst werden sollte.

Welche Diagnostik eingesetzt wird und was sie leistet

Zur Überprüfung von Impfprogrammen kommen mehrere Verfahren zum Einsatz. Eine zentrale Rolle spielt die RT-qPCR (Real-Time quantitative Polymerase-Kettenreaktion). Dabei wird Virus-Erbmaterial in Tupferproben aus den Atemwegen nachgewiesen. Die Methode zeigt, ob infektiöses Bronchitisvirus vorhanden ist, sagt jedoch zunächst nichts darüber aus, ob das Virus klinische Probleme verursacht.

Ergänzend werden stammspezifische PCR-Tests und bei Bedarf Sequenzierungen eingesetzt. Mit diesen Verfahren lässt sich klären, welcher Virustyp vorliegt und ob es sich um einen Impfstoffstamm oder ein Feldvirus handelt. Wenn Ergebnisse nicht eindeutig sind, kann eine weiterführende Next-Generation-Sequenzierung genau zeigen, ob bekannte Varianten oder neue Virusformen im Bestand zirkulieren.

Zusätzlich liefert die Serologie, also die Untersuchung von Blutproben, wichtige Informationen. Dabei werden Antikörper gemessen, die zeigen, wie das Immunsystem der Tiere auf IBV reagiert hat und ob der Schutz über den Mastdurchgang stabil geblieben ist.

Befunde richtig einordnen statt vorschnell reagieren

Linares betonte, dass alle diagnostischen Ergebnisse immer im Zusammenhang mit Tiergesundheit und Leistung bewertet werden müssen. Besonders die PCR sei sehr empfindlich. Virusnachweise seien daher häufig, ohne dass zwangsläufig klinische Symptome oder wirtschaftliche Schäden auftreten.

Ziel der Diagnostik sei es nicht, möglichst viele Befunde zu erzeugen, sondern Sicherheit für Managemententscheidungen zu gewinnen. Ein Virusnachweis allein sei kein Grund für Maßnahmen, wenn die Tiere gesund sind und die Leistung stimmt.

Winter erhöht den Druck auf die Atemwege

Vor allem in den Wintermonaten steigt der Druck auf das Atmungssystem der Tiere. Niedrige Außentemperaturen führen zu eingeschränkter Lüftung, feuchte Einstreu und erhöhte Ammoniakwerte belasten zusätzlich.

Dabei unterscheiden sich die Haltungsbedingungen deutlich zwischen den USA und Deutschland. In Deutschland dominieren geschlossene Stallhüllen mit Zwangslüftung, etwa über Lüftungsklappen oder Tunnellüftung. In den USA sind hingegen häufig sogenannte Louisianaställe verbreitet, die überwiegend mit Schwerkraftlüftung arbeiten und entlang der Windrichtung gebaut sind. Trotz dieser Unterschiede gilt in beiden Systemen: Feuchte Einstreu und Ammoniak verschlechtern das Stallklima und können respiratorische Erkrankungen verstärken.

Eine stabile Immunisierung gegen IBV hilft, Leistungseinbußen, erhöhte Verwerfungsraten sowie Verzögerungen und Mehrkosten in der Verarbeitung zu vermeiden.

Impfprogramme absichern und Stallklima berücksichtigen

Zur Kontrolle der Impfstoffapplikation empfiehlt Jose Linares, fünf bis sieben Tage nach der Brütereimpfung Tupferproben zu entnehmen und per RT-qPCR zu untersuchen. So lässt sich feststellen, ob der Impfstoff die Tiere gleichmäßig erreicht hat. Der reine Nachweis des Impfstoffs sei jedoch nur ein erster Schritt. Entscheidend sei, ob tatsächlich ein belastbarer Schutz aufgebaut wurde. Ist dies der Fall, seien zusätzliche Feldimpfungen in der Regel nicht erforderlich.

Erfahrungen zeigen, dass Impfprogramme ohne passende Kreuzprotektion bei bestimmten IBV-Varianten zu Leistungseinbußen führen können. Nach der Anpassung der Impfstrategien und dem Nachweis eines guten Impferfolgs blieben größere Ausbrüche aus, auch wenn saisonale Schwankungen weiterhin messbar waren. Ergänzend liefert die Serologie zum Schlachtalter Hinweise auf die Stabilität des Schutzes. Bleiben die Antikörpertiter stabil und stimmt die Leistung, spricht dies für ein funktionierendes Impfprogramm. Steigende Titer sollten differenziert bewertet werden.

Neben der Impfstrategie bleibt das Stallmanagement ein zentraler Faktor. Auch in geschlossenen Stallsystemen entstehen erhöhte Ammoniakwerte häufig durch mehrere kleinere Mängel wie feuchte Einstreu, undichte Tränken oder falsch eingestellte Lüftung. Eine gezielte Lüftung vor der Einstallung hilft, Feuchte und Ammoniak aus dem Stall zu entfernen und Belastungsspitzen in der empfindlichen Startphase der Küken zu vermeiden.

Für die Praxis lassen sich drei Punkte festhalten: den Impferfolg frühzeitig überprüfen, Diagnostik immer zusammen mit Tiergesundheit und Leistung bewerten und vor der Einstallung konsequent auf ein trockenes Stallklima achten. So lässt sich die infektiöse Bronchitis auch im Winter auf einem kontrollierbaren Niveau halten.