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Agrarhandel und Wettbewerbsfragen

Mercosur-Abkommen spaltet Agrarpolitik und Berufsstand

Die Geflügelwirtschaft warnt vor Wettbewerbsnachteilen und unklaren Schutzklauseln. Landwirtschaftliche Verbände und Bündnisse erhöhen vor der Grünen Woche den Druck auf Politik und EU-Parlament.

von DGS Redaktion Quelle AGRA Europe erschienen am 12.01.2026
Nach der Zustimmung der EU-Mitgliedstaaten zum Abkommen riss die Kritik aus dem landwirtschaftlichen Berufsstand nicht ab. Die europäischen Bauernverbände Copa und Cogeca bezeichneten das Abkommen trotz nachgebesserter Schutzklauseln als unausgewogen. Die Entscheidung liege nun beim Europäischen Parlament. Die Verbände kündigten an, ihren Protest fortzusetzen. © 2025 Marcelo Mollaretti/Shutterstock
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Das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen stößt in der Landwirtschaft weiterhin auf breite Ablehnung. Während Bundesregierung und EU-Kommission die handelspolitische Bedeutung hervorheben, warnen Verbände und Bündnisse vor strukturellen Risiken für die heimische Produktion. Auch die Geflügelbranche sieht sich mit wachsendem Wettbewerbsdruck und offenen Fragen beim Marktschutz konfrontiert.

Bündnis und Berufsstand lehnen Abkommen ab

Im Vorfeld der Grünen Woche hat das Bündnis „Wir haben es satt!“ seine Kritik am Mercosur-Abkommen bekräftigt. Vertreter aus Landwirtschaft und Zivilgesellschaft fordern, dass Deutschland dem Vertrag im EU-Rat nicht zustimmt. Nach Einschätzung des Bündnisses bergen die geplanten Marktöffnungen erhebliche Risiken für landwirtschaftliche Betriebe. Zwar habe die EU-Kommission zusätzliche Schutzmechanismen angekündigt, diese änderten aus Sicht der Kritiker jedoch nichts an den grundlegenden Problemen des Abkommens.

Auch nach der Zustimmung der EU-Mitgliedstaaten lehnen die europäischen Bauernverbände Copa und Cogeca das Abkommen ab. Es sei trotz Nachbesserungen unausgewogen. Der Deutsche Bauernverband sieht ebenfalls Defizite, insbesondere bei der finanziellen Absicherung der Betriebe. Die vorgeschlagenen Maßnahmen böten keine verlässliche Perspektive für die Landwirtschaft.

Geflügelbranche sieht Wettbewerbsdruck

Während die öffentliche Debatte häufig Rindfleisch und Zucker in den Mittelpunkt stellt, beobachtet auch die Geflügelwirtschaft die Entwicklung mit Sorge. Branchenvertreter verweisen darauf, dass Geflügelfleisch aus den Mercosur-Staaten unter anderen Produktions- und Kontrollstandards erzeugt wird. Steigende Importmengen könnten den Preisdruck auf dem EU-Markt erhöhen.

Die vorgesehenen Schutzklauseln gelten aus Sicht vieler Akteure als kritisch, da ihre praktische Wirksamkeit unklar bleibt. Für Geflügelhalter stellt sich damit die Frage, ob Wettbewerbsverzerrungen tatsächlich begrenzt werden können. Der Agrar-Thinktank Farm Europe warnt vor einem ungleichen Wettbewerb zwischen europäischen Betrieben mit hohen Auflagen und importierten Produkten mit niedrigeren Standards.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium bewertet das Abkommen grundsätzlich positiv, betont jedoch die Notwendigkeit wirksamer und flexibel anwendbarer Schutzmechanismen. Sollte es zu Marktverwerfungen kommen, müsse die EU nachsteuern. Für die Geflügelbranche bleibt damit entscheidend, wie konsequent Schutzklauseln umgesetzt und agrarpolitische Begleitmaßnahmen ausgestaltet werden.