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Aviäre Influenza

Impfung gegen Vogelgrippe: Aktueller Stand

Impfen allein ist nicht die Lösung bei der Bekämpfung der Vogelgrippe. Das verdeutlichte Björn Oberländer von der Fa. MSD Tiergesundheit auf der Vortragsveranstaltung des Geflügelwirtschaftsverbandes Hessen am 25. November in Bad Hersfeld. Sie könnte aber ein Baustein werden.

von Susanne Gnauk erschienen am 09.12.2025
© StanislavSukhin/Shutterstock.com
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Auf der Vortragstagung des Geflügelwirtschaftsverbandes Hessen am 25. November 2025 ging Geflügelfachtierarzt Björn Oberländer von der Impfstoff herstellenden Firma MSD Tiergesundheit auf den aktuellen Stand bei der Impfung gegen die Aviäre Influenza ein.

In der EU seien Impfstoffe aktuell als Notfallzulassung zugelassen. Diverse Geflügelarten könnten bereits mit den Impfstoffen abgedeckt werden. Erste Feldversuche laufen – und dies durchaus mit Erfolg. Die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland seien aber noch unklar. Potenzielle Handelshemmnisse erschwerten die Durchführbarkeit der Impfung.

Notfallzulassungen gebe es für Hühner (sogar ein Impfstoff mit einer In-ovo-Zulassung), aktuell befinde sich ein Impfstoff in der Zulassung für Puten. Erste Bewegungen gebe es für Enten, für Gänse gebe es noch keinen Impfstoff. Alle Notfallzulassungen erfüllen die DIVA-Prinzipien (u. a. Unterscheidung geimpfter von ungeimpften Tieren).

Biosicherheit und Monitoring bleiben wichtig

Der Tierarzt nannte auch die Grenzen der Impfung:

  • Es gibt mit der Impfung keine sterile Immunität. Das heißt, die Tiere können sich mit Feldviren weiter infizieren. Ein umfassendes Impfmonitoring ist deswegen sinnvoll.
  • Das Monitoring ist aber aufwendig und teuer. Das LAVES – Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, beziffert die Kosten auf rund 1.000 Euro pro Herde.
  • Die meisten Impfstoffe sind nicht für alle Geflügelarten geeignet.
  • Die Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen ist auch mit Impfungen wichtig. „Werden Biosicherheitsmaßnahmen nicht konsequent durchgeführt, infizieren sich einzelne Tiere, wenn die Herde geimpft ist“, erklärte Oberländer einen wichtigen Grund, warum Impfung allein nicht die Lösung ist.

„Die Impfung ist nur ein Baustein, gutes Monitoring und Biosicherheit sind und bleiben nötig“, verdeutlichte Oberländer.

„Die Impfung kann nur ein Baustein im Kampf gegen Aviäre Influenza sein, ein umfassendes Monitoring und Biosicherheit sind begleitend nötig.“ Björn Oberländer, MSD Tiergesundheit

Importeinschränkungen: Politik in der Pflicht

Bezüglich eines drohenden Importstopps von Produkten von geimpften Tieren sieht Oberländer vor allem die Politik in der Pflicht. Nach den französischen Impfversuchen hätten über 40 Staaten den Import von Geflügelprodukten aus Frankreich zwar anfangs komplett verboten, aktuell gebe es nur noch sechs Staaten mit Importeinschränkungen und mit Japan nur noch ein einziges Land mit einem kompletten Importverbot.

In den Niederlanden laufen Impfversuche in einer kommerziellen Legehennenfarm, deren Hühner und Eier nur im Land vermarktet werden. Vorher haben die Niederlande die Impfversuche mit relevanten Drittstaaten besprochen, um nicht für den Handel gesperrt zu werden. Das sei ihnen gelungen. Die Niederländer mussten sicherstellen, dass die Exportprodukte nicht von geimpften Tieren kommen.

Flächendeckende Impfung eher nicht möglich

Bei der Zulassungssituation sehe es gut aus, fasste Oberländer zusammen. Es gebe immer mehr Impfstoffe auf dem Markt, nach und nach werde man alle Impfstoffe abdecken können. Allerdings gebe es bei der praktischen Umsetzung noch viele Fragezeichen: Welche Tierarten können geimpft werden, welche Tierzahlen, wie sehen die Impfprogramme aus? Das alles beeinflusse auch die Impfstoffproduktion – Impfstoffhersteller brauchen drei bis fünf Monate, um Impfstoffe bereitstellen zu können. Zusätzliche Zeit koste dann noch die Aufstellung der Impfkolonnen. Einer flächendeckenden Impfung erteilte der Experte eher eine Absage. Herausfordernd sei dabei auch der Föderalismus in Deutschland, da Tierseuchenbekämpfung Ländersache sei. Wenn der Bund nicht alle Länder an Bord hole, könnten die Bundesländer einzeln über Impfungen entscheiden, was grenzüberschreitenden Handel beinahe unmöglich mache.

Alternativen für Nadelimpfungen?

In der Diskussion wurde auch nach Alternativen für eine aufwendige Nadelimpfung bei Legehennen gefragt. Die Impfstoffhersteller seien dabei, dafür Lösungen zu entwickeln. Dies sei ein sehr fließendes Geschehen. Bei der Impfschutzdauer beispielsweise mache man große Fortschritte. Ein In-ovo-Impfstoff biete z. B. heute schon einen Schutz von über einem Jahr für Erkrankungen wie Newcastle Disease, ILT (Infektiöse Laryngotracheitis) und Gumboro. An eine flächendeckende Impfung glaubt Oberländer aber auch hier nicht. Eine Impfung über das Tränkwasser gebe der rechtliche Rahmen nicht her, Stand jetzt sehe es auch weltweit nicht danach aus.

„Je mehr Märkte weltweit impfen, umso mehr Geld fließt in die Impfstoffentwicklung. Wir in Europa sind aber einer der letzten Märkte, die nicht impfen“, verdeutlichte der Pharmazievertreter. Bezüglich der Entwicklung einer sterilen Immunität zeigte sich Oberländer skeptisch: „Ich glaube nicht, dass wir sterile Impfstoffe auf absehbare Zeit entwickeln können.“