Geben Sie einen Suchbegriff ein
oder nutzen Sie einen Webcode aus dem Magazin.

Geben Sie einen Begriff oder Webcode ein und klicken Sie auf Suchen.
Tränkwasser

pH-Wert und Desinfektion

Schon geringe Abweichungen im Tränkwasser wirken direkt auf Tiergesundheit und Leistung. Eine US-Geflügelwissenschaftlerin zeigt, welche Werte im Stall wirklich eingehalten werden müssen.

von DGS Redaktion Quelle PEAK 2025 / Devenish Symposium erschienen am 29.04.2026
Nur wenn der pH-Wert, der Wirkstoff und das Leitungssystem zusammenpassen, bleibt das Tränkwasser keimarm und die Wasseraufnahme im Bestand stabil. © Shutterstock
Artikel teilen:

Wasser läuft durch jeden Geflügelstall, doch seine Qualität wird im Alltag oft nur punktuell kontrolliert. Genau hier setzt Susan Watkins an. Die emeritierte Professorin der University of Arkansas hat beim Devenish Symposium auf der PEAK conference 2025 sehr konkret beschrieben, an welchen Stellen sich entscheidet, ob ein System funktioniert oder schleichend Probleme aufbaut.

Als Grundlage nennt sie Datenauswertungen aus großen US-Geflügelunternehmen, also integrierten Strukturen, in denen Aufzucht und Mast eng verzahnt sind. Diese Daten zeigen einen klaren Zusammenhang: Mit steigender Belastung des Tränkwassers durch aerobe Bakterien nimmt die Mortalität zu. Für deutsche Betriebe lässt sich das direkt übertragen. Keime im Wasser wirken unabhängig von der Betriebsstruktur auf den Tierbestand.

Watkins zieht daraus: Wasserhygiene muss täglich abgesichert werden, weil sich Belastungen im System sonst unbemerkt aufbauen.

Chlor wirkt nur im richtigen pH-Bereich

In vielen Betrieben ist Chlor das Standardmittel zur Desinfektion. Entscheidend ist jedoch, unter welchen Bedingungen es eingesetzt wird. Watkins nennt dafür einen klaren Zielbereich.

Der pH-Wert muss zwischen 4 und 7 liegen, damit Chlor als wirksame hypochlorige Säure vorliegt. Steigt der pH-Wert darüber, sinkt die desinfizierende Wirkung deutlich. Gleichzeitig darf das System keine Biofilme oder organischen Ablagerungen enthalten, weil diese den Wirkstoff sofort binden.

Unter passenden Bedingungen reichen moderate Restgehalte aus. Watkins nennt etwa 8 ppm freies Chlor als Beispiel aus funktionierenden Systemen, in denen die Tiere das Wasser ohne Einschränkung aufnehmen. Entscheidend ist dabei nicht nur der Messwert, sondern wie dieser erreicht wird.

Genau hier entstehen in der Praxis Fehler. Wird Chlor falsch gelagert, verliert es an Wirksamkeit. Um dennoch einen messbaren Restgehalt zu erreichen, wird mehr Produkt dosiert. Das Wasser schmeckt bitter, die Tiere trinken weniger. Im Stall entsteht dann der Eindruck, der Wirkstoff sei das Problem, tatsächlich liegt es an der Handhabung.

Hoher pH-Wert im Rohwasser als Schwachstelle

Viele Betriebe arbeiten mit alkalischem Rohwasser. Flüssige Chlorprodukte sind häufig selbst stark alkalisch stabilisiert. Wird dieses Chlor eingesetzt, kann der pH-Wert im System weiter steigen und die Wirkung zusätzlich sinken. Watkins nennt deshalb feste Chlorprodukte als Alternative, insbesondere auf Basis von Natriumdichlorisocyanurat mit rund 55 % verfügbarem Chlor. Diese beeinflussen den pH-Wert deutlich weniger und lassen sich stabiler einsetzen, wenn das Ausgangswasser bereits im alkalischen Bereich liegt.

Peroxid und Chlordioxid mit klaren Einsatzbereichen

Chlordioxid bleibt auch bei höheren pH-Werten wirksam und eignet sich deshalb für Systeme, in denen sich der pH-Wert schwer stabilisieren lässt. Voraussetzung ist eine saubere Herstellung direkt im System, etwa über die Reaktion von Natriumchlorit mit einer geeigneten Säure. Wasserstoffperoxid hat sich vor allem bei organisch belastetem Wasser bewährt. Während Chlor hier schnell mit organischem Material reagiert und Nebenprodukte bildet, zerfällt Peroxid zu Wasser und Sauerstoff. Die Zielwerte haben sich in den vergangenen Jahren verschoben. Watkins nennt heute Bereiche von 50 bis 100 ppm, um den Keimdruck ausreichend zu senken.

Besonders kritisch: die ersten Tage im Stall

Nach dem Einstallen ist der Wasserfluss gering. Leitungen werden nicht vollständig durchspült, Wasser steht länger im System. Genau unter diesen Bedingungen vermehren sich Bakterien besonders schnell.

Watkins verweist auf Versuche mit stabilisierten Peroxidprodukten, bei denen Restgehalte über mehrere Tage messbar blieben. In einem Ansatz wurden Stammlösungen angesetzt und im Verhältnis 1 zu 128 ins System dosiert. Selbst nach vier bis fünf Tagen war noch ein wirksamer Rest vorhanden. Das sichert die Wasserqualität in einer Phase, in der Fehler später kaum aufzuholen sind.

Biofilm entsteht nicht zufällig

Schleimige Ablagerungen in Tränkelinien sind in der Praxis ein wiederkehrendes Problem. Sie entstehen nicht abrupt, sondern entwickeln sich über längere Zeit.

Watkins beschreibt einen Betrieb, in dem Tränken täglich gereinigt werden mussten, weil sie verstopften. Die Analyse zeigte Bakterien wie Pseudomonas aeruginosa. Gleichzeitig wurde eine Kombination aus organischen Säuren und niedrigen Peroxidkonzentrationen eingesetzt. Diese Mischung hat das Wachstum der Keime begünstigt. Die Empfehlung fiel entsprechend klar aus. Organische Säuren wurden abgesetzt und durch konsequente Oxidation ersetzt. Dadurch verschob sich der pH-Wert aus dem optimalen Bereich der Bakterien heraus, gleichzeitig griff der Wirkstoff den Biofilm direkt an.

Mineralstoffe begrenzen den Durchfluss

Neben Keimen können auch gelöste Stoffe das System beeinträchtigen. Eisen, Mangan oder Schwefel lagern sich in Leitungen ab und verringern den Querschnitt. In der Folge sinkt die Wasserverfügbarkeit. Die Behandlung folgt einem klaren Ablauf. Zuerst werden die Stoffe oxidiert, etwa mit Chlor oder Chlordioxid. Bei Sulfaten empfiehlt Watkins Wasserstoffperoxid, weil hier ein stärkeres Oxidationspotenzial benötigt wird. Anschließend muss der pH-Wert auf über 7 angehoben werden, damit sich die Stoffe ausfällen. Eine Kontaktzeit von mindestens 20 Minuten ist notwendig. Erst danach werden die Partikel über Filtration entfernt. Ohne diesen Schritt bleiben sie im System und lagern sich erneut ab.

Kontrolle entscheidet im Alltag

Watkins verknüpft diese technischen Details mit einer klaren Beobachtung aus der Praxis. Probleme entstehen selten durch fehlendes Wissen, sondern durch fehlende Kontrolle im Alltag. Wenn Dosieranlagen ausfallen oder Vorratsbehälter leer laufen, muss das sofort auffallen. Bleiben solche Störungen unbemerkt, steigt der Keimdruck innerhalb weniger Tage deutlich an.

Für deutsche Geflügelhalter ergibt sich daraus eine konkrete Aufgabe. pH-Wert, Restgehalte und Systemzustand lassen sich messen. Entscheidend ist, diese Werte regelmäßig zu prüfen und konsequent zu reagieren.