
Viel Fleisch, weniger Demenz?
Eine schwedische Beobachtungsstudie bringt Fleischkonsum mit kognitiver Entwicklung in Verbindung. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sieht daraus keinen Anlass, ihre Empfehlungen zu ändern.
von DGS Redaktion Quelle AgE, Karolinska Institut erschienen am 17.04.2026Eine aktuelle Auswertung des Karolinska Institutet stellt den Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Demenzentwicklung neu zur Diskussion. Im Mittelpunkt stehen genetische Risikogruppen, bei denen sich ein anderes Bild zeigt als in der Gesamtbevölkerung.
Die Forscher analysierten Daten von rund 2.100 Personen und konzentrierten sich auf Träger bestimmter Varianten des APOE-Gens, die mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko verbunden sind. In dieser Gruppe zeigte sich: Teilnehmer mit einem vergleichsweise hohen Konsum unverarbeiteten Fleisches wiesen über die Zeit keinen stärkeren kognitiven Abbau auf als Personen mit geringerem Verzehr. Als hohe Aufnahme definierte das Team etwa 870 g Fleisch pro Woche.
Damit beschreibt die Studie zunächst einen statistischen Zusammenhang innerhalb einer klar abgegrenzten Gruppe. Ob der Fleischkonsum selbst eine schützende Wirkung entfaltet, lässt sich daraus nicht ableiten. Faktoren wie Lebensstil, sozioökonomischer Hintergrund oder insgesamt unterschiedliche Ernährungsweisen können das Ergebnis mit beeinflussen.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bewertet die Daten entsprechend zurückhaltend. Auf Anfrage von AGRA Europe betont die Fachgesellschaft, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Für die Ableitung allgemeiner Ernährungsempfehlungen reiche die Datenlage nicht aus. Die DGE verweist weiterhin auf ihre bestehenden Leitlinien, die eine ausgewogene Ernährung in den Vordergrund stellen und auch gesundheitliche Risiken eines hohen Fleischkonsums berücksichtigen.
Auch die Forscher selbst ordnen ihre Ergebnisse vorsichtig ein. Die Daten könnten helfen, künftig stärker individualisierte Ernährungsempfehlungen zu entwickeln, insbesondere für Menschen mit genetischem Risiko für neurodegenerative Erkrankungen. Für die Praxis bleibt jedoch offen, ob und in welchem Umfang sich daraus konkrete Empfehlungen ableiten lassen.
Die Studie zeigt einen Zusammenhang, keinen Effekt. Ob Fleisch hier schützt, ist offen. Für die Praxis ergibt sich daraus keine neue Empfehlung.










