
Biosicherheit ohne Kompromisse
Biosicherheit ist in der Legehennenhaltung Standard – viele Betriebe müssen Konzepte dafür vorweisen. Dennoch zeigt das Seuchengeschehen rund um die Aviäre Influenza, dass bestehende Maßnahmen nicht immer ausreichen. Denken Betriebe da weit, konsequent und gründlich genug? Der Beitrag gibt Denkanstöße, wie der Schutz für Tierbestand und Betrieb deutlich erhöht werden kann.
von Carola Basmer, MS Schippers erschienen am 10.02.2026Seit dem Herbst 2025 sind die Nachweise von Hochpathogener Aviärer Influenza (HPAIV) H5N1 bei Geflügel und Wildvögeln mit einem Höhepunkt im November stark angestiegen. Der derzeit dominierende HPAI-Stamm H5N1 betrifft eine Vielzahl von Wildvogelarten – mittlerweile wurden 62 Arten positiv getestet. Das Virus tritt in mehreren Clustern auf und kann auch Wildtiere, einschließlich Säugetiere, infizieren.
Anzeichen des aktuellen H5N1-Stamms bei Legehennen sind eine geringere Produktion sowie eine erhöhte Sterblichkeit. Bei Masthähnchen sind vordergründige Symptome Lethargie und ebenfalls die erhöhte Sterblichkeit. Puten zeigen dieselben Anzeichen. Das stärkste Zeichen ist allerdings die sogenannte „Kathedrale der Stille“ (keine Antwort der Tiere). Bei Enten bemerkt man meist nur einen starken Rückgang der Futter- und Wasseraufnahme. Obduktionen sind in der Regel negativ und unspezifisch, nur eine Beprobung bringt wirklich Aufschluss.
1Vielfältige Infektionswege und Vektoren
Die Infektionswege sind sehr vielfältig und nicht so einfach zu spezifizieren. Prinzipiell kann Aviäre Influenza (AI) überall eingetragen werden. Es sind in den überwiegenden Fällen aber nicht menschliche Besucher – diese haben die meisten Tierhalter auch im Blick, die das Virus übertragen. Deshalb müssen wir unsere Augen öffnen und weiterdenken.
Hier ein kleiner Denkanstoß: Der Auslauf einer Legehennenfreilandhaltung wurde 209 Tage lang gefilmt. In dieser Zeit haben 6.058 Wildtiere das Areal aufgesucht. Meistens fanden die Besuche in der Zeit statt, in der sich keine Hennen im Auslauf befanden. Unter diesen „Besuchern“ waren 16 unterschiedliche Vogelarten und fünf unterschiedliche Säugetierfamilien.
Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen uns, dass jede Geflügelart, jedes Land und jeder Betrieb seine eigenen Risiken hat. Sowohl indirekter als auch direkter Kontakt mit kontaminiertem Material spielen hierbei entscheidende Rollen. Zu bedenken ist: 1 g AI-kontaminierter Kot kann bis zu 100.000 Hähnchen infizieren!
In einem Betrieb mit viel Durchgangsverkehr gibt es viele weitere Vektoren, welche das Virus verbreiten bzw. einbringen können:
- Schädlinge,
- Menschen,
- Fahrzeuge,
- Materialien.
Und genau in dieser Reihenfolge sollte man die Vektoren in ein Biosicherheitskonzept einbeziehen. Schädlinge sind mit die meist unbeachteten Vektoren. Sie kommen überall hin, ohne dass man sie sieht. Niemand kann sie zu 100 Prozent eindämmen. Genau hier muss angesetzt werden. Dabei sind nicht nur Ratten und Mäuse als Schädlinge zu betrachten, sondern auch Getreideschimmelkäfer, Fliegen und Maden. Keine Ritze ist dicht genug, kaum eine Isolierung ist frei von Schädlingen. Die Rote Vogelmilbe ist ein allgegenwärtiger Schädling in der Legehennenhaltung, der nicht nur lästig ist und das Wohlbefinden der Tiere einschränkt, sondern selbst auch Krankheiten überträgt.
2Luft und Wasser als Infektionswege mit betrachten
Luft und Wasser stellen weitere wesentliche Infektionswege für das Eintragen des Virus dar. Hier ist zu beachten, dass die Überlebensrate von H5- und H7-Stämmen im Wasser zwischen sechs bis hin zu 150 Tagen beträgt. Teiche, Tümpel und andere offene Wasserflächen müssen überprüft und überwacht werden. Des Weiteren hat jeder Betrieb Abwässer und Regenwasser. Wohin läuft es, wo kommt es her? Wie sehen die Dachrinnen aus? Läuft Regenwasser zufällig vor Türen entlang? Gibt es Spritzwasser oder Leckagen? Auch das sind Fragen, die im Vorfeld der Erstellung eines Biosicherheitsplans geklärt sein müssen.
Im vergangenen Jahr betrug die Übertragungsrate der Aviären Influenza über die Luft 23 bis 24 Prozent. Hier ist zu beachten, dass das Virus zur Verbreitung einen Vektor benötigt. Als Vektoren können Staub, Federn oder große Wasserpartikel – wie zum Beispiel Partikel von starkem Nebel – dienen. Auch hier sind im Voraus Pläne zu machen, um dieses Risiko zu minimieren.
Infektionswege durchbrechen – aber wie?
Wie kann man nun diese Infektionswege durchbrechen und eine Verbreitung verhindern? Jeder Betrieb muss dafür klare Definitionen erstellen und Grenzen setzen, die uneingeschränkt einzuhalten sind. Verbreitungswege dürfen sich nicht kreuzen. Innerbetriebliche Wege müssen klar definiert und auch für alle sichtbar markiert sein. In den seltensten Fällen ist es der Besucher, der – oft stark abgesichert über Einwegoverall und Stiefelüberzieher – das Virus mitbringt. Meist ist es leider ein Mitarbeiter, der dann doch mal schnell ohne Schutz reingeht, oder einen Weg weniger machen möchte.
„Biosicherheitsmaßnahmen müssen von jeder und jedem Einzelnen im Betrieb immer eingehalten werden.“ Carola Basmer
Deswegen gilt: Biosicherheitsmaßnahmen müssen von jeder und jedem Einzelnen immer eingehalten werden! Jeder Betriebsleiter sollte dabei immer mit gutem Beispiel vorangehen – bei internen wie externen Hygienemaßnahmen. Das Einduschen, der Kleidungswechsel, das Aufstellen und Nutzen von Desinfektionswannen, die Vogelabwehr und die Schädlingsbekämpfung sollten oberste Priorität haben. Wenn ein Stall häufig im Wind steht, ist langfristig über Anpflanzungen nachzudenken.
Reinigung und Desinfektion
Bei der Reinigung und Desinfektion gilt es, verschiedene Wirkstoffe zu nutzen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Pentakalium-bis(peroxymonosulfat)-bis(sulfat), einem Dreifach-Salz, das zur Gruppe der Sauerstoffabscheider gehört. Dieser Wirkstoff setzt bei seiner Anwendung Sauerstoffverbindungen frei, die effektiv Mikroorganismen abtöten und somit eine zuverlässige Desinfektion ermöglichen. Durch seine oxidierenden Eigenschaften ist er besonders geeignet, um Bakterien, Viren und Pilze in landwirtschaftlichen Betrieben oder der Lebensmittelindustrie zu bekämpfen.
Bei der Anwendung von Desinfektionsmitteln ist darauf zu achten, welcher Wirkstoff welche Dosierung, Kontaktzeit und Temperatur benötigt. Und immer wieder vor Augen führen: Dreck lässt sich nicht desinfizieren, denn organisches Material schützt Bakterien und Viren und neutralisiert Desinfektionsmittel!
Hygieneprotokoll gehört zum Standard
Ein Hygieneprotokoll muss in einem Betrieb zum Standard werden. Hier müssen Bereiche und Abläufe genauso klar definiert werden, wie die daraus resultierenden Maßnahmen. Je deutlicher eine Grenze ist, desto seltener wird sie unachtsam übertreten, und einzusetzende Mittel und Maßnahmen werden für jeden deutlich. Regelmäßige Revisionen (Überprüfungen dieser Maßnahmen mit notwendigen Anpassungen) sind unabdingbar.
Tiergesundheit fördern
Es ist unbedingt darauf zu achten, die Gesundheit der Tiere zu fördern. Keine Krankheit ohne eine Infektion. Der Krankheitsdruck wird durch durchdachte Hygienemaßnahmen reduziert, und die Widerstandskraft steigert man durch optimale Pflege. Gesunde Tiere sind widerstandsfähiger gegen Krankheiten. Krankheiten werden ausgelöst, wenn der Krankheitsdruck über der Widerstandsfähigkeit liegt.
Deshalb ist es ratsam, Legehennen in bestimmten Risiko-Lebensphasen wie dem Einstallen, dem Legebeginn oder der Legespitze immer zu unterstützen (siehe dazu Beitrag im DGS-Magazin 2/2026 „Mit System zu 600 Eiern pro Henne“). In der Legehennenhaltung gibt es ein höheres Risiko für das Eindringen von krankheitsübertragenden Schädlingen und den Eintrag von Krankheiten selbst. So wechseln Eierlagen vielleicht häufig die Betriebe, der Mist wird mitunter offen aufbewahrt und es gibt häufig Tiertransporte.
Fazit: Nicht weniger, sondern mehr
Tägliche Transporte, lange Zyklen und vermehrt Besucher machen gerade in Eier erzeugenden Betrieben verschärfte Hygienemaßnahmen nötig, auch wenn diese vor allem bei Auslaufhaltung schwerer umzusetzen sind.
Vielleicht ist in Zukunft besonders in Legehennenbetrieben mehr Augenmerk auf alternative Konzepte der Biosicherheit zu legen, wie zum Beispiel Überdachungen im Außenbereich oder die Installation von Lasern zur Vogelabwehr, wenn sich keine Hühner im Auslauf befinden. Desinfektionsschleusen, Quarantäneräume sowie Filter- und Wasseraufbereitung sollten zum Standard gehören und sind in Zeiten des verstärkten Risikos des Eintrags Aviärer Influenza ein Muss.
3*SOP = Standard Operating Procedure (standardisierte Arbeitsanweisung)
Zugänge und Personen
- Stallzugang klar geregelt und beschränkt
- Schutzkleidung vollständig und stallbezogen
- Besucherregelung konsequent dokumentiert
Hygieneschleuse
- Schwarz-Grau-Weiß-Bereiche eindeutig trennen
- Reihenfolge beim Umkleiden (eigene / stallinterne Kleidung und Schuhe)
- Einduschen vor Betreten des Stallbereichs möglich?
Arbeitsabläufe
- Feste Reihenfolge bei Stallarbeiten
- Kein unnötiger Stallwechsel
- Gerätschaften stallbezogen oder gereinigt
Je umfassender hier dokumentiert wird, desto schneller können Fehler erkannt werden. Diese dienen der kontinuierlichen Verbesserung.
Fahrzeuge und Material
- Anlieferungen klar organisiert
- Hygieneschleuse sowohl für Transporte als auch für Material mit definierten Reinigungs- und Desinfektionspunkten. Wirkzeit und Pausen beachten.
- Kein „kurz mal reinfahren“
Reinigung und Desinfektion
- Stall, Einrichtung und Technik regelmäßig reinigen und desinfizieren
- Reinigung stets vor Desinfektion
- Organische Verschmutzungen vollständig entfernen
- Zugelassene Mittel einsetzen, Konzentration, Temperatur und Einwirkzeit einhalten
- Auf regelmäßigen Wirkstoffwechsel achten
- Gerätschaften stallbezogen nutzen oder nach Gebrauch reinigen/desinfizieren
- Stiefelwasch- und Desinfektionsstellen funktionsfähig halten
- R/D-Maßnahmen dokumentieren
Schädlingsbekämpfung
- Regelmäßiges Monitoring auf Nager, Insekten, Milben und Schadwild
- Köder- und Fallenplätze eindeutig gekennzeichnet und dokumentiert
- Köder regelmäßig kontrollieren und fachgerecht erneuern
- Bauliche Maßnahmen zur Schädlingsabwehr umgesetzt (verschiedene Barrieren aufbauen)
- Futter- und Abfallbereiche sauber und gesichert halten
Eigenkontrolle
- Einhaltung regelmäßig überprüfen
- Fehlerquellen ausmachen und Verbesserungen festhalten
- Abweichungen dokumentieren
- Mitarbeitende regelmäßig unterweisen
Eine gezielte Revision durch das gesamte Team und zu Beginn mit externen Spezialisten schafft eine ehrliche Kontrolle.

















