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Nottötungsverfahren bei Masthühnern

US-Studie vergleicht Verfahren zur Bestandsräumung

Eine Untersuchung aus den USA analysiert drei Methoden zur Nottötung von Masthühnern unter kontrollierten Bedingungen. Für Deutschland zeigt der Vergleich vor allem die Unterschiede zur etablierten Praxis.

von DGS Redaktion Quelle Journal of Applied Poultry Research, ModernPoultry erschienen am 26.03.2026
Große Bestände stellen hohe Anforderungen an die Keulung im Seuchenfall. Verfahren müssen unter Stallbedingungen zuverlässig funktionieren und in kurzer Zeit umgesetzt werden können. © ChrisW/Shutterstock
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Wissenschaftler der North Carolina State University haben drei Verfahren zur Nottötung von Masthühnern systematisch miteinander verglichen. Im Mittelpunkt stehen die Zeit bis zum Tod, messbare Stressreaktionen und das Verhalten der Tiere während des Prozesses. Untersucht wurden Lüftungsabschaltung mit Wärme, die Kombination aus Wärme und erhöhter Luftfeuchte sowie eine CO2-Begasung. Alle drei Verfahren sind grundsätzlich als Maßnahmen zur schnellen Bestandsräumung beschrieben, unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrer technischen Umsetzung.

Ausgangspunkt: wenig Erfahrung mit Masthühnern

Die Geflügelbranche in den USA hat deutlich mehr Erfahrung mit der Keulung von Legehennen und Puten als mit Masthühnern. Das hängt mit früheren Ausbrüchen der aviären Influenza zusammen. In den Jahren 2015 und 2022 waren vor allem diese Produktionsrichtungen betroffen. Masthühner machten nur einen kleinen Anteil der gekeulten Tiere aus.

Eine andere Situation entstand 2020 während der COVID-19-Pandemie. Durch den Ausfall von Schlachtkapazitäten und eine stark gesunkene Nachfrage mussten in den USA rund zwei Millionen Masthühner getötet werden. Diese Eingriffe erfolgten außerhalb klassischer Seuchenszenarien und zeigten, dass für Masthühner weniger erprobte Abläufe existieren.

Vor diesem Hintergrund stellt die Studie eine grundlegende Frage: Wie unterscheiden sich die zugelassenen Verfahren, wenn sie gezielt bei Masthühnern eingesetzt werden?

Versuchsaufbau: kontrollierte Bedingungen und genaue Messungen

Die Tiere wurden unter identischen Bedingungen bis zum Alter von 42 Tagen aufgezogen und anschließend in speziell vorbereiteten Plexiglas-Kammern behandelt. Dort konnten Temperatur, Luftfeuchte und CO2-Konzentration exakt gesteuert werden.

Die drei untersuchten Verfahren wurden wie folgt umgesetzt:

  • Lüftungsabschaltung mit Wärme: Temperaturanstieg von rund 29,6 °C auf 38,8 °C bei hoher Luftfeuchte
  • Kombination aus Wärme und erhöhter Luftfeuchte: Anstieg von etwa 30,0 °C auf 41,8°C
  • CO2-Begasung: Anstieg der CO2-Konzentration von etwa 0,28 % auf 16,85 %

Erfasst wurden mehrere Parameter gleichzeitig. Dazu gehören die Zeit bis zum Tod, EEG-Daten zur elektrischen Gehirnaktivität, Blutwerte, Hormonkonzentrationen sowie Veränderungen auf Ebene der Genexpression.

Ein zentraler Marker war das Hitzeschockprotein Hsp70, das als Indikator für Stressreaktionen gilt.

Ergebnisse: deutliche Unterschiede bei der Dauer

Die CO2-Begasung führte am schnellsten zum vollständigen Tod aller Tiere. Nach etwa 20 Minuten war die Keulung abgeschlossen.

Die beiden Verfahren mit Wärme lagen deutlich darüber. Die Kombination aus Wärme und Luftfeuchte erreichte vollständige Mortalität nach rund 60 Minuten, die Variante ohne zusätzliche Feuchte nach etwa 64 Minuten.

Damit unterscheiden sich die Verfahren in ihrer Geschwindigkeit, während die Ergebnisse bei den übrigen Messgrößen näher beieinander liegen.

Verhalten und Stressreaktionen

Die Auswertung der EEG-Daten zeigt einen ähnlichen Verlauf in allen Gruppen. Zu Beginn reagieren die Tiere noch bewusst. Im weiteren Verlauf verschiebt sich das Verhalten in Richtung Bewusstlosigkeit. Zwischen den Verfahren lassen sich keine grundlegenden Unterschiede im Übergang zwischen bewussten und unbewussten Zuständen feststellen. Unterschiede zeigen sich eher in einzelnen Stressparametern. Bei der Kombination aus Wärme und erhöhter Luftfeuchte wurden niedrigere Hsp70-Werte gemessen. Das weist auf eine geringere Stressreaktion hin, ohne dass sich daraus bereits eine klare Bewertung der Verfahren ableiten lässt.

Die Autoren formulieren entsprechend vorsichtig. Sie sehen in der Kombination aus Wärme und Luftfeuchte eine mögliche Alternative, verweisen aber darauf, dass die Ergebnisse unter praxisnahen Bedingungen überprüft werden müssen.

Einordnung: Deutschland arbeitet mit anderen Verfahren

Die Ergebnisse lassen sich nur eingeschränkt auf Deutschland übertragen. Hier ist die Keulung im Tierseuchenfall rechtlich klar geregelt und erfolgt unter behördlicher Kontrolle. Fachlich eingebunden ist unter anderem das Friedrich-Loeffler-Institut.

In der Praxis dominieren die zwei Verfahren der CO2-Begasung oder der Schaumanwendung. Diese Methoden gelten als Standard, weil sie unter Stallbedingungen umgesetzt werden können und in großen Beständen erprobt sind. Verfahren aus dem Bereich der Lüftungsabschaltung mit zusätzlicher Wärmeeinwirkung gehören nicht zur üblichen Praxis.

Ausbrüche der aviären Influenza sowie aktuell der Newcastle-Krankheit führen dazu, dass Betriebe ihre Bestände vollständig keulen müssen. In einzelnen Fällen betrifft das mehrere hunderttausend Tiere pro Betrieb. Über mehrere Ausbrüche hinweg ergeben sich so Gesamtzahlen in Millionenhöhe. Damit steht die Branche immer wieder vor der gleichen Aufgabe: Verfahren müssen schnell verfügbar sein, unter Praxisbedingungen funktionieren und gleichzeitig den Anforderungen des Tierschutzes entsprechen.

Die Untersuchung zeigt dennoch, wie sich verschiedene Verfahren technisch unterscheiden und welche Effekte messbar sind. Für Deutschland ergibt sich daraus aber keine unmittelbare Änderung der Praxis.

Die Ergebnisse liefern zusätzliche Daten zu Verfahren, die in der hiesigen Praxis bislang kaum eingesetzt werden. Entscheidend ist, ob sich diese Ansätze unter realen Stallbedingungen bewähren.