
Ionophore bleiben zentrale Wirkstoffe gegen Kokzidiose
Ohne Antikokzidien lässt sich Kokzidiose in intensiven Geflügelbeständen kaum kontrollieren. Eine Wirkstoffgruppe prägt das Management der Darmparasiten seit mehr als fünf Jahrzehnten: die Ionophore.
von DGS Redaktion Quelle Southern Poultry Feed & Research erschienen am 17.03.2026Ionophore gehören weltweit zu den wichtigsten Antikokzidien in der Geflügelproduktion. Darauf weisen Greg F. Mathis und Brett Lumpkins von Southern Poultry Feed & Research (Athens, USA) in einem Fachbeitrag hin. Die Autoren zeichnen die Entwicklung der Antikokzidien nach und erklären, warum diese Wirkstoffklasse bis heute Bestandteil vieler Kokzidioseprogramme ist.
Frühe Erkenntnis: Behandlung kommt oft zu spät
Die medikamentöse Bekämpfung der Kokzidiose begann Anfang der 1940er Jahre. Levine beschrieb 1941 erstmals die Wirksamkeit von Sulfonamiden gegen den Kokzidienerreger Eimeria tenella. Damit stand erstmals ein Wirkstoff zur Verfügung, der gezielt gegen die Erkrankung eingesetzt werden konnte. In den folgenden Jahrzehnten kamen zahlreiche weitere Antikokzidien auf den Markt. Im Stall zeigte sich jedoch schnell ein grundlegendes Problem. Kokzidiose kann sich im Bestand rasch ausbreiten. Wenn klinische Symptome auftreten, haben die Parasiten häufig bereits Schäden an der Darmschleimhaut verursacht. Therapeutische Maßnahmen greifen in dieser Phase oft zu spät. Deshalb setzte sich in der Geflügelproduktion früh eine prophylaktische Strategie durch. Antikokzidien werden kontinuierlich in niedriger Dosierung über das Futter verabreicht, um den Infektionsdruck zu begrenzen, bevor klinische Schäden auftreten.
Die meisten Wirkstoffe greifen in mehrere Entwicklungsstadien der Kokzidien ein, darunter auch frühe asexuelle Stadien, die besonders starke Schäden an der Darmschleimhaut verursachen. Therapeutisch verfügbare Wirkstoffe sind dagegen begrenzt. Einige Präparate wirken nur gegen bestimmte Eimeria-Arten oder weisen eine geringe Sicherheitsmarge auf. Unter Produktionsbedingungen gilt die vorbeugende Fütterung daher als praktikabelster Ansatz.
Weniger Wirkstoffe als früher verfügbar
Die Zahl der verfügbaren Antikokzidien hat sich im Laufe der Zeit deutlich verringert. Anfang der 1980er Jahre waren in den USA noch 27 Wirkstoffe zugelassen. Heute stehen dort nur noch zwölf Präparate für die Kontrolle der Kokzidiose beim Huhn zur Verfügung. Zu den älteren synthetischen Antikokzidien zählen unter anderem Nicarbazin, Clopidol, Zoalen, Amprolium, Decoquinat, Robenidin und Diclazuril. Einige dieser Wirkstoffe werden bereits seit den 1950er und 1960er Jahren eingesetzt.
Mit zunehmender Anwendung nahm jedoch bei vielen Feldisolaten die Empfindlichkeit gegenüber einzelnen Präparaten ab. Einige Wirkstoffe verschwanden zeitweise aus den Programmen. Zoalen und Clopidol wurden über längere Zeit nicht eingesetzt. Spätere Empfindlichkeitstests zeigten jedoch, dass zahlreiche Kokzidienstämme weiterhin auf diese Wirkstoffe reagieren. Nach der Wiederaufnahme der Produktion wurden beide Präparate wieder in Fütterungsprogramme aufgenommen. Auch bei Robenidin zeigte sich, wie eng Dosierung und Resistenzentwicklung zusammenhängen. Der Wirkstoff wurde zunächst in relativ hoher Konzentration zugelassen, weil man eine Resistenzbildung dadurch verhindern wollte. Spätere Untersuchungen belegten jedoch, dass hohe Dosierungen den Selektionsdruck erhöhen können. Die zugelassene Konzentration wurde deshalb reduziert.
Ionophore verändern das Kokzidiosemanagement
Eine neue Phase begann Anfang der 1970er Jahre. Mit Monensin kam 1971 erstmals ein Ionophor als Antikokzid in die Praxis. Innerhalb kurzer Zeit dominierten Ionophore viele Fütterungsprogramme. Ihr Marktanteil lag zeitweise bei 80 bis 90 %. Ionophore gehören zu den polyetherischen Antibiotika. Sie entstehen durch Fermentation von Mikroorganismen der Gattungen Streptomyces oder Actinomadura. Zu den wichtigsten Vertretern zählen Monensin, Salinomycin, Narasin, Lasalocid, Maduramicin und Semduramicin. Viele Kokzidioseprogramme kombinieren Ionophore mit synthetischen Antikokzidien oder setzen beide Wirkstoffgruppen im Wechsel ein. Ziel ist es, den Selektionsdruck auf einzelne Präparate zu begrenzen.
Immunität entsteht im Bestand
Ionophore unterscheiden sich in einem wichtigen Punkt von vielen synthetischen Antikokzidien. Sie wirken nicht vollständig kokzidiozid. Ein Teil der Parasiten kann weiterhin Entwicklungszyklen durchlaufen.
Im Bestand zeigt sich deshalb ein typischer Verlauf. Während der Mastphase steigt zunächst die Ausscheidung von Oozysten. Gleichzeitig entwickelt sich mit jeder Reinfektion eine stärkere Immunität. Sobald sich diese aufgebaut hat, sinkt die Oozystenausscheidung wieder. Dieser Mechanismus gilt als ein Grund dafür, dass sich Resistenzentwicklungen gegenüber Ionophoren langsamer ausbreiten als bei vielen synthetischen Wirkstoffen.
Kombination mit Impfung im Stall
Neben Antikokzidien setzen viele Betriebe auch Impfstoffe gegen Kokzidiose ein. Diese enthalten lebende Eimeria-Stämme. Damit sich eine belastbare Immunität entwickelt, müssen die Parasiten mehrere Entwicklungszyklen im Tier durchlaufen. Dabei entstehen zwangsläufig Schäden an der Darmschleimhaut. In dieser Phase kann sich Clostridium perfringens stärker vermehren, wodurch das Risiko für nekrotische Enteritis steigt.
Viele Betriebe arbeiten deshalb mit sogenannten Bio-Shuttle-Programmen. Nach der Impfung wird während der Phase intensiver Parasitenvermehrung eine geringe Menge eines Antikokzidiums zugefüttert. Dadurch sinkt der Infektionsdruck, ohne dass der Aufbau der Immunität unterbrochen wird. Für diese Strategie werden häufig Ionophore eingesetzt. Sie wirken auch in niedriger Dosierung und lassen weiterhin Parasitenzyklen zu.
Weiterhin Bestandteil vieler Kokzidioseprogramme
Ionophore werden heute in unterschiedlichen Kokzidioseprogrammen eingesetzt. Manche Programme arbeiten ausschließlich mit dieser Wirkstoffgruppe. In anderen Konzepten wechseln Ionophore und synthetische Antikokzidien oder werden zeitweise mit Impfstrategien kombiniert. Nach Einschätzung der Autoren haben Ionophore entscheidend dazu beigetragen, dass sich die intensive Geflügelproduktion weltweit entwickeln konnte. Trotz neuer Ansätze im Kokzidiosemanagement bleiben sie daher Bestandteil vieler Programme.










