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Alternative Eiweißquellen

Wie weit ist Insektenprotein im Geflügelfutter wirklich

Larven der Schwarzen Soldatenfliege wurden lange als mögliche Lösung für das globale Proteinproblem in der Tierfütterung diskutiert. Eine neue Studie zeigt nun, wie stark Effizienz und Emissionen dieser Produktion vom Futtersubstrat abhängen und warum der Einsatz in der Geflügelfütterung bisher begrenzt bleibt.

von DGS Redaktion Quelle ScienceDirect, Research Institute for Farm Animal Biology (FBN) erschienen am 12.03.2026
Larven der Schwarzen Soldatenfliege können organische Reststoffe in proteinreiche Biomasse umwandeln. Neue Forschung zeigt jedoch, dass Effizienz und Emissionen dieser Produktion stark von der Zusammensetzung des Futtersubstrats abhängen und damit auch über das Potenzial für den Einsatz in der Tierfütterung entscheiden. © Faizal Afnan/Shutterstock
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Insektenprotein gilt seit Jahren als möglicher Baustein für eine nachhaltigere Tierernährung. Besonders die Larven der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens) stehen im Mittelpunkt der Forschung. Sie können organische Nebenströme verwerten und daraus proteinreiche Biomasse bilden. Eine aktuelle Studie aus dem Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf zeigt nun, wie stark die Effizienz dieser Produktion von der Zusammensetzung des Futtersubstrats abhängt. Die Arbeit wurde in der Fachzeitschrift Bioresource Technology veröffentlicht.

Substrat entscheidet über Effizienz und Emissionen

Die Forscher untersuchten verschiedene Substrate, auf denen Larven der Schwarzen Soldatenfliege aufgezogen wurden. Entscheidend ist demnach vor allem die Nährstoffqualität des Ausgangsmaterials.

Wenn die Larven gut verfügbare Nährstoffe erhalten, bauen sie einen größeren Anteil des aufgenommenen Kohlenstoffs und Stickstoffs in Biomasse ein. In diesem Fall fallen weniger CO2- und Ammoniakemissionen an. Bei nährstoffärmeren oder schwer verdaulichen Substraten steigt dagegen der Anteil der Nährstoffe, der während des Stoffwechsels als Gas freigesetzt wird. In den Versuchen schwankten die Ammoniakemissionen stark und erreichten Werte zwischen rund 2,6 und 83,6 g Stickstoff pro Kilogramm Larven-Trockenmasse. Auch das Entwicklungsstadium spielt eine Rolle: Mit zunehmender Larvenbiomasse steigen die Emissionsraten deutlich an.

Insektenprotein wächst vor allem in Aquafeed

Für die Geflügelbranche stellt sich jedoch eine andere Frage: Welche Rolle spielt Insektenprotein heute tatsächlich im Futtermarkt?

Der globale Markt für Insektenprotein wächst zwar deutlich, bleibt aber bislang klein. Branchenanalysen gehen davon aus, dass der Markt für Insektenfutter bis Anfang der 2030er Jahre stark expandieren wird, getrieben durch Nachhaltigkeitsdebatten und regulatorische Öffnungen. Der größte Einsatzbereich ist derzeit jedoch Aquakultur, die rund 59 % der Nachfrage ausmacht. Geflügelfutter spielt bisher eine deutlich kleinere Rolle. Auch innerhalb Europas dominiert die Schwarze Soldatenfliege als Produktionsorganismus. Ihr Anteil am europäischen Insektenproteinmarkt liegt laut Marktanalysen bereits bei über der Hälfte.

Praxis in der Geflügelbranche noch begrenzt

Grundsätzlich ist Insektenprotein seit einigen Jahren in der EU für Geflügel- und Schweinefutter zugelassen. In der Praxis bleibt der Einsatz bislang jedoch begrenzt.

Der wichtigste Grund sind die Kosten. Insektenmehl ist deutlich teurer als klassische Eiweißträger wie Sojaextraktionsschrot. Deshalb wird es vor allem in Spezialsegmenten eingesetzt, etwa im Premium-Tierfutter oder in der Aquakultur. In der Geflügelfütterung findet Insektenprotein bisher eher punktuell Anwendung, etwa in Pilotprojekten oder in kleineren regionalen Kreislaufsystemen. Studien zeigen zwar positive Effekte auf Tiergesundheit und Darmflora, doch eine breite industrielle Nutzung steht noch aus.

Forschung sucht nach wirtschaftlichen Produktionssystemen

Genau hier setzt die Studie aus Dummerstorf an. Sie zeigt, dass die Effizienz der Larvenproduktion stark vom eingesetzten Substrat abhängt. Wenn Reststoffe mit geeigneter Nährstoffzusammensetzung genutzt werden, kann die Umwandlung in Insektenbiomasse deutlich effizienter erfolgen. Damit sinken nicht nur Emissionen, sondern auch Produktionskosten.

Für die Geflügelbranche bleibt Insektenprotein damit eine interessante Option. Der große Durchbruch als Ersatz für Soja ist jedoch bislang ausgeblieben. Die aktuelle Forschung zeigt vor allem, dass der Erfolg dieser Technologie weniger von der Biologie der Larven abhängt als von der Frage, welche Nebenströme künftig wirtschaftlich genutzt werden können.