
Vom Futtersilo bis zum Tier: Hygiene und Struktur des Futters
Mikrobieller Status und physische Qualität von Futtermitteln beeinflussen Darmgesundheit, Leistung und Lebensmittelsicherheit stärker als die Rezeptur allein. Aktuelle Studien zeigen Zusammenhänge entlang der gesamten Produktionskette.
von DGS Redaktion Quelle Journal of Applied Poultry Research, Preventive Veterinary Medicine, Poultry Science erschienen am 04.02.2026Moderne Geflügelfütterung basiert auf exakt definierten Nährstoffvorgaben. Aminosäuren, Energiegehalt und Mineralstoffbilanz sind rechnerisch präzise abgestimmt. In der Praxis entscheidet jedoch nicht allein die Formulierung über Leistung und Tiergesundheit, sondern die Qualität des tatsächlich aufgenommenen Futters. Eine Rolle spielen dabei insbesondere die mikrobielle Belastung sowie die physische Beschaffenheit des Futters.
Futter als Eintragsweg für Mikroorganismen
Futtermittel werden in der Geflügelwirtschaft täglich in großen Mengen über integrierte Produktionsketten bewegt und stellen damit einen relevanten Eintragsweg für Mikroorganismen dar. Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von Parker et al. (2022) weist aus, dass rund 9 % der untersuchten Fertigfutterproben Salmonella-positiv waren. Nachweise erfolgten zudem in Rohwaren sowie an Produktionsanlagen und technischen Einrichtungen der Futtermittelherstellung.
Dass Kontaminationen nicht ausschließlich rohstoffbedingt sind, zeigen Untersuchungen aus Großbritannien. Davies und Wray (2021) wiesen Salmonella in 20 von 22 untersuchten Futtermühlen nach, die Broilerrationen produzierten. Die Nachweise erfolgten über Staub- und Abstrichproben aus dem Mühlenumfeld, was auf eine mögliche Persistenz und innerbetriebliche Verschleppung hinweist. Für deutsche Verhältnisse sind diese Ergebnisse insofern relevant, als auch hier hohe Umschlagsmengen und kontinuierliche Lieferketten vorherrschen.
Aus tierphysiologischer Sicht beeinflusst eine erhöhte mikrobielle Belastung des Futters insbesondere die frühe Entwicklung des Darmmikrobioms. Diese Phase gilt als entscheidend für die Ausprägung der Darmstruktur, der Immunfunktion und der späteren Nährstoffverwertung. Instabile mikrobielle Verhältnisse können dazu führen, dass der Darm verstärkt Abwehrmechanismen priorisiert, was sich in ungleichmäßigen Zunahmen und einer verminderten Futterverwertung äußern kann.
Grenzen thermischer Verfahren
Thermische Verfahren wie die Pelletierung gelten als zentrales Hygieneelement in der Futtermittelherstellung. Studien zeigen, dass sich Keimzahlen dadurch deutlich reduzieren lassen, eine vollständige Abtötung jedoch nicht immer erreicht wird. Zudem besteht das Risiko von Rekontaminationen nach der Wärmebehandlung, etwa während Kühlung, Förderung, Lagerung oder Transport.
Untersuchungen zur Prozessintensität zeigen Unterschiede in der Wirksamkeit. In einer Studie zur Futtermittelherstellung mit Enterococcus faecium als Salmonella-Surrogat erzielte die Standardpelletierung eine Reduktion der Keimzahlen um etwa drei Zehnerpotenzen, während ein thermisch intensiveres Verfahren mit Hygienisierung eine Reduktion um etwa vier Zehnerpotenzen erreichte (Boltz et al., 2019). Die Autoren leiten daraus ab, dass mikrobielles Management als durchgängiges Konzept entlang der gesamten Prozesskette zu betrachten ist.
Auswirkungen auf Tiergesundheit &Lebensmittelsicherheit
Mehrere Studien belegen, dass Maßnahmen zur Reduktion der mikrobiellen Belastung im Futter messbare Effekte im Tier haben können. So war der Einsatz organischer Säuren im Futter mit einer deutlich geringeren Wahrscheinlichkeit für Salmonella-Nachweise im Kropf von Broilern verbunden. Auch wenn solche Zusätze nur einen Baustein darstellen, verdeutlichen die Ergebnisse den Einfluss futterbedingter Einträge auf die bakterielle Besiedlung des Verdauungstrakts.
Weitere Untersuchungen an Broiler-Elterntieren zeigen, dass eine geringere mikrobielle Belastung des Futters mit hygienischen Vorteilen entlang der Produktionskette einhergehen kann. Dazu zählen geringere Keimzahlen auf Eischalen sowie verbesserte Indikatoren der Kükenqualität. Für die deutsche Geflügelbranche ist dies vor dem Hintergrund steigender Anforderungen an Biosicherheit und Lebensmittelsicherheit von Bedeutung.
Physische Futterqualität beeinflusst Leistung
Neben dem mikrobiellen Status spielt die physische Form des Futters eine zentrale Rolle. Pelletstabilität, Partikelgrößenverteilung und der Anteil an Feinfraktionen beeinflussen Futteraufnahme, Selektionsverhalten und Verluste. Ein hoher Feinanteil kann zu ungleichmäßiger Nährstoffaufnahme führen und die Herdenuniformität beeinträchtigen.
Versuche mit unterschiedlichen Pellet-Feinanteilen über komplette Mastdurchgänge zeigen, dass ein steigender Feinanteil mit einer schlechteren Futterverwertung und ungünstigeren Schlachtkörpermerkmalen einhergeht. Damit verliert eine optimierte Rezeptur bereits vor der Verdauung an Wirkung, wenn die physische Qualität nicht stimmt.
Besondere Bedeutung unter Krankheitsdruck
Enterische Erkrankungen wie Kokzidiosen, Dysbiosen oder nekrotische Enteritis erhöhen die Sensibilität der Tiere gegenüber zusätzlichen Belastungen. In solchen Phasen wirken sich selbst moderate Schwankungen in Futterqualität oder mikrobieller Belastung stärker auf Leistung und Verluste aus.
Studien unter Belastungsbedingungen zeigen, dass eine Reduktion der mikrobiellen Futterbelastung sowie der Einsatz bestimmter Säurekonzepte Leistungsparameter stabilisieren können. Diese Maßnahmen ersetzen keine umfassenden Gesundheitsprogramme, sie können jedoch Hintergrundbelastungen reduzieren, die Krankheitsverläufe verschärfen.
Fazit
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass Futterhygiene und physische Qualität nicht nur technische Parameter der Futtermittelherstellung sind, sondern Einfluss auf mehrere Ebenen der Geflügelproduktion haben. Studien weisen darauf hin, dass sich mikrobieller Status und Struktur des Futters sowohl auf Tiergesundheit und Leistungsstabilität als auch auf Aspekte der Lebensmittelsicherheit auswirken können, insbesondere in sensiblen Produktionsphasen.








