
US-Studie: Auslauf verbessert Tierwohl nicht automatisch
Auslauf wird in der Geflügelhaltung häufig als zentrales Merkmal tiergerechter Haltung bewertet. Eine aktuelle wissenschaftliche Auswertung aus den USA zeigt jedoch, dass der Zugang ins Freie allein kein verlässlicher Indikator für gutes Tierwohl ist.
von DGS Redaktion Quelle Poultry Science erschienen am 28.01.2026Der Zugang zu Außenflächen kann das Tierwohl von Masthühnern verbessern, ist dafür jedoch keine Garantie. Darauf weisen Allison Pullin und Kollegen in einer aktuellen Übersichtsarbeit hin, die 2025 in der Fachzeitschrift Poultry Science veröffentlicht wurde. Die Autorin ist am Prestage Department of Poultry Science der North Carolina State University tätig. In der Arbeit werden zahlreiche internationale Studien zur Auslaufhaltung von Masthühnern ausgewertet und mit konventionellen Haltungssystemen verglichen.
Die Analyse zeigt, dass die Tierwohl-Ergebnisse zwischen Betrieben mit Auslauf stark variieren. Ausschlaggebend sind weniger formale Kriterien wie der bloße Zugang zu Außenflächen, sondern vor allem Management, Ausgestaltung der Ausläufe und die tatsächliche Nutzung durch die Tiere. Unter ungünstigen Bedingungen wird der Auslauf nur eingeschränkt oder gar nicht angenommen.
Management und Genetik entscheidend
Masthühner werden zunehmend als schnell- oder langsam wachsend klassifiziert. Eine allgemein anerkannte Definition existiert nicht. Als langsam wachsend gelten Tiere in den USA mit einer täglichen Gewichtszunahme von höchstens 50 g, darüber hinaus spricht man von schnell wachsenden Linien.
Mehrere Studien zeigen, dass langsam wachsende Tiere in Auslaufhaltung mehr Zeit im Außenbereich verbringen, größere Distanzen zurücklegen, intensiver scharren und geringere Mortalitätsraten sowie niedrigere Prävalenzen von Fußballen- und Sprunggelenksentzündungen, Brustblasen und Lahmheiten aufweisen als schnell wachsende Linien.
Besondere Bedeutung kommt der Strukturierung der Auslaufflächen zu. Die Forscher berichteten, dass beschattete und strukturierte Bereiche deutlich häufiger genutzt werden als offene, ungeschützte Flächen. Eine intensivere Nutzung des Auslaufs steht in Zusammenhang mit geringeren Lahmheitsraten, besserer Knochengesundheit und niedrigeren Aszites-Indizes. Gleichzeitig erhöhen schlecht entwässerte oder stark verschlammte Flächen das Risiko für Fußballenveränderungen und Verschmutzungen. Diese Zusammenhänge spielen auch in deutschen Auslauf- und Mobilstallhaltungen eine zentrale Rolle, wie Studien zu Fußballengesundheit und Bodenfeuchte zeigen.
Auch das Vegetationsmanagement beeinflusst die Nutzung des Auslaufs maßgeblich. Dauerhaft bewachsene Flächen fördern das Erkundungs- und Futtersuchverhalten der Tiere und stabilisieren den Boden. Ohne gezielte Pflege steigt laut Pullin das Risiko für Bodenverdichtung, Staunässe und parasitäre Belastungen. Vergleichbare Effekte wurden in Untersuchungen aus Deutschland und anderen EU-Staaten beschrieben, insbesondere in Systemen mit hohem Nutzungsdruck und fehlender Flächenrotation. Welche Pflanzenarten sich für die Geflügelhaltung im Freien am besten eignen, ist noch nicht abschließend erforscht und dürfte stark von Region und Klima abhängen. Einige Studien zeigen jedoch, dass Leguminosen die Nutzung des Auslaufs fördern.
Neben dem Management spielt die eingesetzte Genetik eine zentrale Rolle. Die Übersichtsarbeit zeigt, dass sich bestimmte Masthuhntypen im Auslauf aktiver bewegen und gesundheitlich stabiler sind als andere. Diese Unterschiede bestehen nicht nur zwischen schnell und langsamer wachsenden Linien, sondern auch innerhalb einzelner Zuchtlinien.
Tierbezogene Indikatoren wichtiger als Strukturvorgaben
Pullin und Kollegen (Studie HIER) betonen, dass strukturelle Vorgaben wie Auslauffläche oder Zugangsdauer allein nur eine begrenzte Aussagekraft besitzen. Für die Bewertung des Tierwohls seien tierbezogene Indikatoren wie Lahmheit, Fußballenveränderungen und Mortalität entscheidend. Eine systematische Erfassung dieser Merkmale könne Betrieben helfen, Auslaufkonzepte gezielt weiterzuentwickeln und Risiken frühzeitig zu erkennen.








