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US Forschung: Geflügelfütterung

Mykotoxine im Geflügelfutter

US-Studien zeigen deutliche Leistungswirkungen verschiedener Mykotoxine im Geflügelfutter. Für deutsche Betriebe sind jedoch vor allem Fusarium-Toxine relevant, während andere Mykotoxine hier kaum auftreten.

von DGS Redaktion Quelle Webinar und Fachauswertung der Poultry Science Association, Januar 2026 erschienen am 22.01.2026
Mykotoxine im Geflügelfutter erfordern eine Betrachtung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Sie entstehen überwiegend bereits im Pflanzenbau und lassen sich später nur begrenzt kontrollieren. © Shutterstock
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Mykotoxine zählen seit Jahrzehnten zu den bekannten Risikofaktoren in der Geflügelfütterung. Dennoch bleibt ihre Kontrolle komplex, da Entstehung, Ausprägung und Wirkung stark von Umweltbedingungen, Anbausystemen und der Kombination einzelner Toxine abhängen. Darauf verweist Todd Applegate, Departmentleiter für Poultry Science an der University of Georgia, auf Basis einer umfassenden Literaturanalyse, die im Rahmen eines Webinars der Poultry Science Association 2026 vorgestellt wurde.

Ein zentrales Ergebnis der Auswertung ist, dass rund 95 % der Mykotoxinbildung bereits auf dem Feld erfolgt. Temperatur, Niederschlag, Bodenfeuchte und Pflanzenstress beeinflussen maßgeblich, welche Pilzgattungen dominieren und welche Toxine gebildet werden. Prozesse in Lagerung und Futtermittelverarbeitung spielen zwar eine Rolle, können eine bereits vorhandene Belastung jedoch kaum beseitigen, da Mykotoxine gegenüber Hitze und mechanischer Behandlung weitgehend stabil sind.

Unterschieden werden insbesondere Toxine aus den Pilzgattungen Aspergillus, Penicillium und Fusarium. Während Aspergillus- und Penicillium-Toxine wie Aflatoxin oder Ochratoxin vor allem bei unsachgemäßer Lagerung entstehen, bilden sich Fusarium-Toxine wie Deoxynivalenol, Fumonisine oder Zearalenon überwiegend während der Vegetationsperiode. In Europa und Nordamerika dominieren dabei vor allem DON, Fumonisine und Zearalenon, während in anderen Weltregionen Aflatoxine häufiger auftreten.

In der Geflügelproduktion bleiben Mykotoxinbelastungen meist unterhalb der Schwelle akuter Vergiftungen. Stattdessen zeigen sich schleichende Effekte, etwa verminderte Futteraufnahme, geringere Zunahmen und eine reduzierte Immunleistung. Metaanalysen beziffern die durchschnittliche Reduktion der Futteraufnahme über alle Mykotoxine hinweg auf knapp zwölf Prozent, bei Aflatoxin deutlich höher. Besonders problematisch sind Kombinationen mehrerer Toxine, da sich ihre Wirkungen addieren oder gegenseitig verstärken können.

Hinzu kommt der Einfluss der Fütterungsstrategie. Defizite in der Protein- oder Aminosäurenversorgung können die negativen Effekte von Mykotoxinen verstärken, ebenso subklinische Darmerkrankungen, die die Nährstoffaufnahme beeinträchtigen. Bei Legehennen spielt zudem die längere Lebensdauer eine Rolle, da sich Toxine über die Zeit anreichern können, bevor sie in der Leber abgebaut werden.

Vor dem Hintergrund veränderter Wetterverläufe gewinnt die Vorhersage von Mykotoxinrisiken an Bedeutung. Internationale Forschungsprojekte zeigen, dass sich das Auftreten bestimmter Toxine mit Wetterdaten in definierten Zeitfenstern vor und nach der Ernte korrelieren lässt. Solche Modelle könnten künftig dazu beitragen, Erntezeitpunkte, Lagerstrategien und Rohstoffzukäufe gezielter zu steuern.

In deutschen Geflügelrationen dominieren feldbürtige Fusarium-Toxine:

  • Deoxynivalenol (DON) DON ist das am häufigsten nachgewiesene Mykotoxin in deutschem Getreide und Mais. Typische Folgen sind eine verminderte Futteraufnahme, geringere Zunahmen und eine abgeschwächte Immunreaktion.
  • Zearalenon (ZEA) Zearalenon tritt häufig gemeinsam mit DON auf. Beim Geflügel stehen weniger hormonelle Effekte als vielmehr Leistungseinbußen im Vordergrund, insbesondere bei Mehrfachbelastungen.
  • Fumonisine Fumonisine betreffen vor allem Mais. Sie treten unregelmäßig auf, können jedoch in Kombination mit DON die Darmgesundheit und die Leistung deutlich beeinträchtigen.

Neben den in Deutschland regelmäßig relevanten Fusarium-Toxinen spielen andere Mykotoxine hierzulande eine deutlich geringere Rolle. Ochratoxin A tritt in Deutschland überwiegend im Zusammenhang mit Lagerfehlern auf und gilt nicht als typisches Feldmykotoxin. Entsprechend ist seine Bedeutung vor allem auf Einzelfälle begrenzt, etwa bei unsachgemäßer Trocknung oder Lagerung von Getreide.

Aflatoxine, die in US-amerikanischen Studien häufig im Mittelpunkt stehen, sind für deutsche Betriebe in der Regel nicht relevant. Sie entstehen bevorzugt unter warmen, trockenen Klimabedingungen, wie sie in Mitteleuropa nur selten auftreten. Bedeutung erlangen Aflatoxine hier vor allem bei importierten Rohwaren, nicht jedoch als typisches Inlandstoxin.

Vor diesem Hintergrund sind viele der in den USA beschriebenen Leistungswirkungen nur eingeschränkt auf deutsche Verhältnisse übertragbar. Während sich dort zahlreiche Untersuchungen auf Aflatoxinbelastungen beziehen, stehen in Deutschland niedrige, aber dauerhaft wirkende Belastungen mit Deoxynivalenol, Zearalenon und Fumonisinen im Vordergrund, häufig in Kombination. Ein wirksames Mykotoxinmanagement sollte daher vor allem Mehrfachbelastungen im niedrigen Konzentrationsbereich berücksichtigen und bereits im Pflanzenbau ansetzen.