
HPAI-Impfprogramme: WEO benennt Voraussetzungen für den Einsatz
Die hochpathogene Aviäre Influenza breitet sich weltweit weiter aus. Die World Egg Organization legt zentrale Anforderungen für Impfprogramme in der Geflügelhaltung vor.
von DGS Redaktion Quelle World Egg Organization (WEO), Considerations and Essential Components for Vaccination and Surveillance Dezember 2025, wattag.net erschienen am 02.01.2026Die anhaltende Ausbreitung der hochpathogenen Aviären Influenza (HPAI) stellt die Geflügelhaltung weltweit weiterhin vor große Herausforderungen. Neben Biosicherheitsmaßnahmen und Monitoring wird in zahlreichen Ländern der Einsatz von Impfprogrammen geprüft oder vorbereitet. Die World Egg Organization (WEO) bewertet Impfungen dabei ausdrücklich als ergänzendes Instrument innerhalb bestehender Bekämpfungsstrategien.
Im Dezember 2025 veröffentlichte die WEO einen Fachbericht zu Voraussetzungen für Impfung und Überwachung bei HPAI. Das Dokument wurde von der Globalen Expertengruppe für Aviäre Influenza der Organisation erarbeitet und richtet sich an staatliche Stellen, Branchenvertreter und die Geflügelwirtschaft. Ziel ist es, Rahmenbedingungen zu benennen, unter denen Impfprogramme fachlich belastbar umgesetzt werden können.
Nach Einschätzung der WEO lassen sich bestehende praktische und organisatorische Herausforderungen durch klar definierte Standards und eine strukturierte Umsetzung adressieren. Mit zunehmender Verfügbarkeit zugelassener Impfstoffe sieht die Organisation die Notwendigkeit, Impfprogramme systematisch in nationale Strategien einzubetten.
- Impfung als zusätzliche Schutzmaßnahme neben bestehenden Biosicherheitskonzepten
- Nationale oder regionale Notfall-Impfstoffreserven oder ausreichend verfügbare kommerzielle Impfstoffe, die auf die jeweils zirkulierenden Feldviren abgestimmt sind
- Einsatz ausschließlich qualitativ hochwertiger Impfstoffe, die Infektionen verhindern oder zumindest Virusausscheidung und Weiterverbreitung deutlich reduzieren
- Verwendung von Impfstoffen, die im Labor geprüft wurden und deren Wirksamkeit unter Praxisbedingungen mit etablierten Methoden bewertet wird
- Antigene Übereinstimmung zwischen Impfstoffstämmen und Feldviren, insbesondere bei inaktivierten Impfstoffen
- Kassettensysteme, die eine Aktualisierung von Impfstoffen ermöglichen, ohne ein vollständiges Neuzulassungsverfahren durchlaufen zu müssen
- Anwendung der Impfstoffe gemäß Herstellerangaben unter Einhaltung strenger Hygiene- und Biosicherheitsstandards
- Regelmäßige Kontrolle der Immunantwort in geimpften Beständen sowie Nachimpfungen bei unzureichender Durchimpfung
- Laufende Überprüfung des Impfprogramms anhand klar definierter Ziele, einschließlich einer fachlich begründeten Entscheidung über eine mögliche Beendigung der Impfung
Mögliche Einsatzformen von Impfungen
Darüber hinaus beschreibt die WEO drei grundlegende Einsatzformen von HPAI-Impfungen:
- Präventive Impfungen in Regionen mit erhöhtem Ausbruchsrisiko
- Impfungen zur Unterstützung der Seuchenbekämpfung bei akuten Ausbrüchen
- Regelmäßige Impfungen in Ländern mit endemischem HPAI-Vorkommen
In einem Interview mit Egg Industry Insight erklärte der HPAI-Berater der WEO, Dr. Olivier Espeisse, dass sich das Krankheitsgeschehen in den vergangenen Jahren deutlich verändert habe. Die Ausbreitungsmuster und die Epidemiologie der HPAI hätten sich gewandelt, wodurch klassische Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen allein zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Lesen Sie mehr dazu HIER.
Vor diesem Hintergrund sieht die WEO die Impfung von Geflügel als einen Baustein innerhalb eines umfassenden Maßnahmenpakets, das den Schutz von Tierbeständen, wirtschaftlichen Grundlagen und der Versorgung mit Geflügelprodukten unterstützen soll.








