
Zielkonflikte beim Umbau der Nutztierhaltung berücksichtigen
Beim Umbau der Tierhaltung wird einseitig auf Tierwohl geachtet, während Aspekte wie Klimaschutz oder Seuchenprävention weitgehend unberücksichtigt bleiben. Das kritisierte Dr. Albert Hortmann-Scholten auf der Agrarfinanztagung 2026.
von AgE Quelle AgE erschienen am 20.04.2026Der Umbau der hiesigen Nutztierhaltung wird einseitig vom Tierwohl her gedacht, während Aspekte wie Klimaschutz, Ernährungssicherung oder Seuchenprävention in der Debatte weitgehend ausgeklammert werden. Das kritisiert Dr. Albert Hortmann-Scholten, bis Ende 2025 Leiter des Fachbereichs Betriebswirtschaft bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Ganz andere Schwerpunkte setze Dänemark, berichtete der Experte bei der diesjährigen Agrarfinanztagung von Deutschem Bauernverband (DBV) und Landwirtschaftlicher Rentenbank am Dienstag (14. April 2026) in Frankfurt am Main. Der nördliche Nachbar führe für Nutztiere eine Klimasteuer ein, um Haltungsverfahren und Fütterung in eine möglichst klimaeffiziente Richtung zu lenken. Emittiere ein Haltungsverfahren zu viel CO2, habe dies unmittelbar finanzielle Nachteile für den Tierhalter.
Gegenteiliger Klimaeffekt durch Umbau der Tierhaltung
Einen gegenteiligen Klimaeffekt hat laut Hortmann-Scholten der Umbau der Tierhaltung in Deutschland. Hier führten die vom Lebensmitteleinzelhandel (LEH) forcierten höheren Haltungsstufen durch geringere Besatzdichten immer zu einer höheren CO2-Emission als der gesetzliche Mindeststandard. Dieser Zielkonflikt werde in der öffentlichen Debatte nicht angemessen berücksichtigt.
Niedrigere Besatzdichten in den höheren Haltungsstufen sind dem Marktexperten zufolge auch kontraproduktiv mit Blick auf die Ernährungssicherung. Bei Hähnchen decke Deutschland mittlerweile nicht mehr den Eigenbedarf, sondern müsse Ware aus Polen und aus der Ukraine importieren. „Diese Entwicklung sollte uns nachdenklich machen“, so Hortmann-Scholten.
Soziale Komponente kommt zu kurz
Und auch die soziale Komponente kommt dem mittlerweile freiberuflich tätigen Unternehmensberater in der aktuellen Debatte zur Transformation der hiesigen Nutztierhaltung zu kurz. „Wer soll sich denn künftig noch Fleisch aus höheren Haltungsformen leisten können“, fragte er in seinem Impulsvortrag bei der Agrarfinanztagung. Denn die höheren Haltungsstufen machten die Fleischproduktion auf allen Stufen der Wertschöpfungskette deutlich teurer. Dies fange bei den Viehgenossenschaften und Erzeugergemeinschaften an, die Warenströme getrennt erfassen müssten. Schlachthöfe müssten Chargen aus unterschiedlichen Haltungsstufen ebenfalls aufwendig trennen. So entstünden bis hin zum LEH Zusatzkosten auf jeder Stufe der Kette, die die gesamte Fleischproduktion belasteten.
Zielkonflikte durch Außenklima und Auslauf
Durch Außenklima und Auslauf in den höheren Haltungsstufen entstehen dem früheren Kammer-Berater zufolge zusätzliche Zielkonflikte bei der Seuchenprävention und damit beim gesundheitlichen Verbraucherschutz. Hinzu komme bei Auslauf oder Weidegang eine deutlich höhere Mortalitätsrate als bei reiner Stallhaltung und damit ein Zielkonflikt mit dem Tierschutz. Nicht zuletzt leide beim deutschen Weg zum Umbau der Tierhaltung die Wirtschaftlichkeit. Die Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Europäischen Union und auch am Weltmarkt sei „mit Sicherheit“ infrage gestellt, betonte Hortmann-Scholten.










