Geben Sie einen Suchbegriff ein
oder nutzen Sie einen Webcode aus dem Magazin.

Geben Sie einen Begriff oder Webcode ein und klicken Sie auf Suchen.
BroilerNet

Champions bei Tierwohl, Tiergesundheit und Nachhaltigkeit

Das europäische Netzwerk BroilerNet geht in die finale Phase. In der dritten und letzten Runde des Projekts wurden erneut 88 Best Practices aus insgesamt 13 Ländern eingereicht.

von Dr. Margret Vonholdt-Wenker, Friedrich-Loeffler-Institut, Institut für Tierschutz und Tierhaltung, Celle erschienen am 26.01.2026
Junge Masthühner im Stall auf frischer Einstreu. Ein gezieltes Einstreumanagement mit technischen und lüftungsbezogenen Maßnahmen reduziert Ammoniakemissionen im Stall. Das zeigt eine „Best Practice“ der dritten Runde von BroilerNet. © MBE Photography/Marcel Berendsen
Artikel teilen:

Ziel war es, praxiserprobte Lösungen zu identifizieren, die zentrale Herausforderungen der Masthühnerhaltung adressieren. Die ausgewählten „Champions“ zeigen, wie sich Tierwohl, Tiergesundheit und Nachhaltigkeit im Betriebsalltag konkret verbessern lassen (Tabelle).

Mehr Tierwohl: Licht- und Vorfangmanagement

Ein Schwerpunkt der dritten Runde lag auf dem Tierwohl, insbesondere auf dem Lichtmanagement im Stall. Licht beeinflusst Verhalten, Aktivitätsmuster, Stressniveau und letztlich auch die Gesundheit der Tiere.

Ein italienisches Best Practice zeigt, wie durch den gezielten Einsatz moderner LED-Systeme das Lichtspektrum, die Intensität und die räumliche Verteilung im Stall optimiert werden können. Unterschiedliche Lichtfarben werden dabei bewusst genutzt: Blaues Licht wirkt beruhigend und reduziert Angstreaktionen, etwa beim Vorgriff oder bei Ausstallungen, während grünes Licht aggressives Verhalten mindern kann. Durch die Strukturierung des Stalls mit unterschiedlich hellen Bereichen wird das natürliche Bewegungsverhalten der Tiere gefördert. Zwar liegen die Investitionskosten für solche Systeme über denen herkömmlicher Beleuchtung, sie gehen jedoch mit einem geringeren Energieverbrauch und stabilen Leistungen über längere Mastzeiträume einher.

Ebenfalls im Fokus des Tierwohls stand die Reduzierung von Stress während des Vorfangs. Diese Phase gilt als besonders kritisch, da Eingriffe in die Herde Unruhe, Verletzungen und gesundheitliche Folgerisiken verursachen können. Eine griechische „Best Practice“ setzt hier auf eine Kombination aus Managementmaßnahmen und Schulung. Der Vorgriff erfolgt bevorzugt nachts, wenn die Tiere ruhiger sind, und unter gedimmtem blauem Licht. Ergänzt wird dies durch klar definierte Abläufe, geschultes Fangpersonal und eine Anpassung des Stallklimas nach dem Eingriff, um Kältestress für die verbleibenden Tiere zu vermeiden. Auch die konsequente Einhaltung von Biosicherheitsregeln spielt eine zentrale Rolle, um Krankheitsübertragungen durch Fangkolonnen zu verhindern.

Reduzierung von Infektionskrankheiten

Im Bereich Tiergesundheit konzentrierte sich eine der Herausforderungen auf die Reduzierung des Salmonellenrisikos. Eine französische „Best Practice“ verdeutlicht, wie entscheidend ein systematisches Schädlingsmanagement ist. Nagetiere gelten als wichtiger Eintragsweg für Salmonellen, weshalb deren Kontrolle in Frankreich eng dokumentiert, regelmäßig überprüft und auditpflichtig ist. Die Kombination aus präventiven Maßnahmen im Stallumfeld, einer hohen Dichte an Köderstationen und klaren Kontrollmechanismen trägt dazu bei, Infektionsrisiken dauerhaft zu senken. Diese Vorgehensweise ist zudem eng an Qualitätssicherungssysteme gekoppelt und Voraussetzung für bestimmte Herkunftskennzeichnungen.

Zur Verringerung der Persistenz und des Wiederauftretens bakterieller Infektionen wie Enterokokken zeigt ein griechischer Ansatz, dass nachhaltige Erfolge nur durch ein ganzheitliches Konzept erreichbar sind. Im Mittelpunkt stehen hier eine gezielte Unterstützung der Darmgesundheit über Futter- und Wasserzusätze, eine konsequente Wasserhygiene sowie ein striktes Einstreu- und Reinigungsmanagement. Ergänzt wird dies durch Maßnahmen in der Brüterei, etwa durch mehrstufige Desinfektionsprozesse bei Bruteiern. Das Beispiel macht deutlich, dass Tiergesundheit entlang der gesamten Produktionskette gedacht werden muss.

„Die Champions der dritten BroilerNet-Runde zeigen insgesamt, dass Fortschritte in der Masthühnerhaltung vor allem durch integrierte Ansätze entstehen.“ Die Autorinnen

Ökologische Nachhaltigkeit weiterentwickeln

Auch die ökologische Nachhaltigkeit spielte in der dritten Runde eine zentrale Rolle. Besonders hervorgehoben wurde ein Ansatz aus Deutschland zur Verbesserung der Kohlenstoffbilanzierung in der Geflügelproduktion. Über eine digitale Plattform erfassen Betriebe standardisiert Daten zu Fütterung, Energieverbrauch, Management und Tierhaltung. Daraus wird eine betriebs- und produktbezogene Klimabilanz in CO2-Äquivalenten berechnet. Der Mehrwert liegt nicht nur in der Transparenz, sondern vor allem in der Vergleichbarkeit zwischen Betrieben und der Ableitung konkreter Minderungsmaßnahmen. Für Geflügelhalter entsteht damit ein praxisnahes Instrument, um ihre Klimaleistung nachvollziehbar darzustellen und gezielt weiterzuentwickeln.

Ebenfalls aus Frankreich stammt eine „Best Practice“ zur Reduzierung von Ammoniakemissionen im Stall. Der Ansatz kombiniert ein gezieltes Einstreumanagement mit technischen und lüftungsbezogenen Maßnahmen. Die Einstreu wird ab Stallbeginn bis etwa zum 20. Masttag in regelmäßigen Abständen – etwa alle fünf Tage – mechanisch aufgelockert, vor allem im Bereich unter den Tränkeleitungen. Ziel ist es, Verkrustungen zu vermeiden und die frühzeitige Freisetzung von Ammoniak zu verhindern. Unterstützt wird dies durch eine präzise Steuerung von Lüftung, Temperatur und Luftfeuchtigkeit, teils über automatisierte Regelungssysteme. Zusätzlich wird während des Durchgangs gezielt frische Einstreu in feuchten oder belasteten Bereichen nachgestreut. Das Beispiel zeigt, dass eine Kombination aus Management, Technik und kontinuierlicher Kontrolle entscheidend ist, um Emissionen wirksam zu senken und gleichzeitig die Einstreuqualität sowie das Tierwohl zu verbessern.

Kurz & bündig

Die Champions der dritten BroilerNet-Runde zeigen insgesamt, dass Fortschritte in der Masthühnerhaltung vor allem durch integrierte Ansätze entstehen. Ob Lichtmanagement, Vorgriff, Biosicherheit oder Klimabilanz – entscheidend ist das Zusammenspiel von Technik, Management und Wissen. Die vorgestellten „Best Practices“ liefern dafür konkrete, übertragbare Beispiele aus der Praxis. Ein Blick auf www.BroilerNet.eu oder LinkedIn lohnt sich, um die Infoblätter anzusehen und um mehr über das Projekt oder die Ergebnisse zu erfahren.

Tabelle: Übersicht über die jeweiligen Herausforderungen und den dazu ausgezeichneten BroilerNet Champions aus der dritten Runde des BroilerNet. © Vonholdt-Wenker / BroilerNet
Autor:in
Dr. Margret Vonholdt-Wenker
ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Tierschutz und Tierhaltung (ITT) des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) in Celle und Projektmitarbeiterin am europäischen Innovations-Netzwerk BroilerNet, dass 2026 ausläuft.