
Bio wächst im Markt – Minister kündigt Kürzungen an
Der Umsatz mit Biolebensmitteln steigt 2025 deutlich. Gleichzeitig stellt das Bundeslandwirtschaftsministerium den Ökosektor auf Einsparungen ein.
von DGS Redaktion Quelle AgE erschienen am 11.02.2026Während der deutsche Biomarkt 2025 kräftig gewachsen ist, kündigt das Bundeslandwirtschaftsministerium angesichts der angespannten Haushaltslage Einsparungen im Ökosektor an. Das wurde am Dienstag, den 10.2.2026 auf der Biofach in Nürnberg deutlich.
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer erklärte zur Eröffnung der Messe, sein Haus müsse sich auch im Ökolandbau auf „Kernthemen“ konzentrieren. Die finanziellen Einsparziele der Bundesregierung machten Priorisierungen erforderlich. Betroffen sein dürften sowohl das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) als auch die Biostrategie. Das BÖL solle zwar fortgeführt werden, jedoch nach eingehender Überprüfung.
Als politische Schwerpunkte nannte Rainer die Außer-Haus-Verpflegung in Kitas, Schulen und öffentlichen Einrichtungen sowie die Stärkung heimischer Wertschöpfungsketten. Wichtige Forschungsprojekte sollten weiterlaufen. Entlastungen sieht der Minister vor allem im Bürokratieabbau. Auf europäischer Ebene verwies er auf Vorschläge zur Vereinfachung der Ökoverordnung, darunter die geplante Streichung der Vorgabe, wonach Geflügelmastbetriebe pro Betrieb nur einen Stall betreiben dürfen. Auch bei Tierhaltungsauflagen, Wartezeiten nach Arzneimittelbehandlungen und der Zulassung von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln seien Erleichterungen vorgesehen.
Parallel dazu meldet der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) für 2025 ein deutliches Umsatzplus. Laut Branchenreport 2026 stieg der Erlös mit Biolebensmitteln um 6,7 % auf 18,23 Mrd. Euro. Getragen wurde das Wachstum vor allem von einem höheren Absatz, Preissteigerungen spielten nur eine untergeordnete Rolle.
Im Lebensmitteleinzelhandel, dem größten Absatzkanal, legte der Umsatz um 8,7 % auf 12,76 Mrd. Euro zu. Rund zwei Drittel des Gesamtmarktes entfallen inzwischen auf dieses Segment. Der Naturkosthandel erreichte 3,33 Mrd. Euro, sonstige Einkaufsstätten wie Bäckereien oder Reformhäuser kamen auf 2,13 Mrd. Euro.
Dem Marktwachstum steht jedoch nur ein geringfügiger Flächenzuwachs gegenüber. Die ökologisch bewirtschaftete Nutzfläche wurde 2025 um 1,1 % ausgeweitet. Der Bioanteil an der gesamten Agrarfläche beträgt nun 11,7 %. Die steigende Nachfrage kann damit zunehmend nicht mehr aus heimischer Produktion gedeckt werden. Nach Angaben des BÖLW werden 40 % der Bio-Möhren, 25 % der Bio-Zwiebeln und 19 % der Bio-Kartoffeln importiert. Auch bei Milch, Butter und Fleisch nahmen die Importquoten zu.
Die BÖLW-Vorsitzende Tina Andres sprach von einer vertanen Chance für die inländische Wertschöpfung. Sie appellierte an Bund, Länder und Kommunen, die Biostrategie konsequent umzusetzen und Bio in der Gemeinschaftsverpflegung zu stärken. Zudem müsse sich das Ministerium in den Verhandlungen zur Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2027 für eine stärkere Bindung der Direktzahlungen an Umweltleistungen einsetzen.
Das Ziel, den Anteil des Ökolandbaus bis 2030 auf 30 % der Fläche zu erhöhen, gilt weiterhin. Vor dem Hintergrund knapper Haushaltsmittel und angekündigter Kürzungen steht der Sektor jedoch vor einem Spannungsfeld zwischen Marktdynamik und agrarpolitischen Rahmenbedingungen.








