
Eurolysine fordert neue Lysin-Zölle
Eurolysine fordert höhere Schutzzölle gegen chinesisches Lysin. Die bisherigen Anti-Dumpingzölle der EU würden keinen Effekt erzielen, argumentiert der französische Futtermittelzusatzstoffhersteller. Andernfalls drohe eine steigende Abhängigkeit Europas von chinesischen Aminosäureimporten. Derweil warnt der DVT vor neuen Zöllen und plädiert dafür, durch Strukturreformen die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Hersteller zu verbessern.
von AgE erschienen am 05.02.2026Eurolysine, französischer Hersteller von Futtermittelzusatzstoffen, fordert eine Ausweitung der europäischen Handelsschutzmaßnahmen gegen chinesische Lysinimporte. Andernfalls drohe eine weiter zunehmende Abhängigkeit Europas von chinesischen Aminosäureimporten.
Skeptisch blickt man dagegen beim Deutschen Verband Tiernahrung (DVT) auf die Forderung nach neuen Zöllen. Nötig seien stattdessen gezielte strukturelle Maßnahmen, um die EU-Hersteller von Aminosäuren wettbewerbsfähig zu machen, teilte der Verband auf Anfrage mit.
Chinesen betreiben Dumping
Wie ein Sprecher von Eurolysine gegenüber AGRA Europe erklärte besteht die Gefahr, „dass die Souveränität über einen wichtigen Futtermittelbestandteil vollständig verloren geht, sollte die EU-Produktion aufgrund des unlauteren Wettbewerbs durch chinesisches Lysin vollständig verdrängt werden“. Die im vergangenen Jahr verhängten Antidumpingzölle der EU verfehlten ihren Effekt.
Denn seit deren Einführung sei ein „dramatischer Verfall“ bei den Exportpreisen chinesischer Konkurrenzware zu beobachten. Die Wirkung der europäischen Zölle sei damit faktisch absorbiert worden.
Den Preisvorteil der Chinesen führt Eurolysine einerseits auf die dortigen günstigeren Energiepreise zurück. Wegen des hohen Anteils von Kohle am Strommix sei die chinesische Ware zwar billiger, habe aber auch einen bis zu fünffach höheren Treibhausgasfußabdruck. Zudem halte der Staat Anteile an den Aminosäureherstellern, weshalb Peking gezielt Einfluss auf Preise und Kosten ausüben könne.
Wettbewerbsfähigkeit der EU-Produktion verbessern
Der Dumpingvorwurf sei durch eine Untersuchung der EU-Kommission grundsätzlich bestätigt worden, betont das Unternehmen. Man fordere daher die politischen Entscheidungsträger auf, als Konsequenz für faire Wettbewerbsbedingungen für die EU-Produktion zu sorgen. Neben Zöllen sei es auch notwendig, gegen Produkte vorzugehen, die nicht den EU-Vorschriften für die Marktzulassung entsprechen. Dies sei beispielsweise bei chinesischem Tryptophan der Fall.
Gleichzeitig seien Maßnahmen nötig, um die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Hersteller zu verbessern. Etwa, indem sichergestellt werde, dass die EU-Fermentationsindustrie Zugang zu Rohstoffen zu Weltmarktpreisen habe. Ebenso müsse der geringere Treibhausgasausstoß von EU-Produkten durch geeignete Anreizmechanismen entlohnt werden.
DVT warnt vor Marktverzerrungen
Beim DVT steht man der Forderung nach neuen Handelschutzmaßnahmen weiterhin kritisch gegenüber. ?„Zusätzliche Zölle würden den Wettbewerb beeinträchtigen und mit hoher Wahrscheinlichkeit zu wirtschaftlichen Verzerrungen führen“, so der Verband auf Anfrage. Ein eingeschränkter oder verteuerter Einsatz von Lysin würde zudem das Risiko erhöhen, den Anteil importierten Sojas in Futterrationen auszuweiten und heimische Proteinträger wie Raps weiter zu verdrängen.
Gleichzeitig erkennt man beim DVT an, dass die Abhängigkeit der EU von Einfuhren essenzieller Aminosäuren reduziert werden muss. Der richtige Ansatz sei dafür aber, durch Reformen die Kosten der EU-?Industrie zu senken. Einen richtigen Ansatz sehe man dafür im laufenden Omnibusverfahren auf EU-Ebene. Im ersten Entwurf dieses Gesetzpaket ist vorgesehen, dass die Zulassung von Futtermittelzusatzstoffen künftig unbefristet erteilt werden sollen.
„Unerlässlich“ sei zudem eine grundsätzliche Überarbeitung der Zulassungsverordnung, um Kosten zu senken und Anreize für Investoren zu schaffen, wieder in Herstellungskapazitäten in Europa zu investieren. Das Gleiche gelte für Maßnahmen, mit denen die Energie- und Rohstoffkosten gesenkt werden können.








