
Ein Zusammenspiel aus Pflicht, Prävention und Praxiswissen
Impfprogramme gelten als eine der tragenden Säulen des Gesundheitsmanagements im Mobilstall. Doch erst im Zusammenspiel mit Hygiene, Parasitenkontrolle und sorgfältiger Tierbeobachtung entfalten sie ihre volle Wirkung. Wie sich Impfstrategien unter mobilen Haltungsbedingungen sinnvoll gestalten lassen, erläuterte die Geflügelexpertin Dr. med. vet. Corinna Böhland beim Online-Mobilgeflügeltag 2025.
von Vivien Kring Quelle Dr. Corinna Böhland erschienen am 09.01.2026Die Mobilstallhaltung hat die Geflügelbranche in den vergangenen Jahren spürbar verändert. Sie verbindet das Bild einer naturnahen Lebensweise der Hühner mit der Flexibilität mobiler Systeme. Gleichzeitig stehen Halter vor einer Besonderheit: Die Tiere leben an wechselnden Standorten, in engem Kontakt zu Umwelt, Witterung und Wildvögeln. Genau darin liegen Chancen und Risiken.
Dr. med. vet. Corinna Böhland, Fachtierärztin für Geflügel der Praxis FEDERVIEH, betonte im Rahmen des Online-Mobilgeflügeltages 2025, dass Impfprogramme im Mobilstall zwar unverzichtbar sind, jedoch immer im Kontext eines umfassenden Gesundheitskonzeptes betrachtet werden müssen. Impfungen allein bilden nur einen Baustein – wenn auch einen zentralen.
Rechtliche Grundlagen als Fundament
Aus tiergesundheitlicher Sicht ist die Mobilstallhaltung klar im europäischen Animal Health Law verankert. Dort ist festgelegt, dass Geflügelhalter ihre Tiere kontinuierlich beobachten, Abweichungen dokumentieren und Veränderungen in Leistung oder Verhalten ernst nehmen müssen.
Böhland machte deutlich, dass diese Überwachungspflicht nicht bloß eine Formalität darstellt. Gerade im Mobilstall können Leistungsschwankungen oder ungewöhnliche Verhaltensmuster Hinweise auf infektiöse Prozesse, Parasitenbefall oder technische Störungen sein. Die regelmäßigen tierärztlichen Bestandsbesuche, wie sie das Gesetz vorsieht, haben deshalb nicht nur eine Kontrollfunktion, sondern dienen der fachlichen Begleitung eines Systems, das besonders dynamisch ist.
Zwei Pflichtimpfungen und viele weitere sinnvolle Bausteine
Den Kern des Impfprogramms bilden zwei verpflichtende Impfungen: gegen Newcastle Disease und gegen Salmonellen. Beide sind gesetzlich vorgeschrieben und müssen bereits in der Aufzucht durchgeführt werden.
Böhland wies darauf hin, dass der Impfnachweis dabei nicht nur eine Dokumentation, sondern ein essenzielles Kontrollinstrument für Veterinärbehörden ist. Besonders die Impfung gegen Newcastle Disease stellt Halter vor die Wahl zwischen Lebend- und Inaktivatimpfstoffen. Während Lebendimpfstoffe praktisch erscheinen, entstehen im Mobilstall Risiken durch ungleichmäßige Wasseraufnahme oder technische Engpässe. Inaktivatimpfstoffe bieten hier eine höhere Sicherheit, da sie einen lang anhaltenden Schutz ermöglichen und in der Aufzucht klar definierte Bedingungen schaffen.
Über die Pflicht hinaus empfahl die Tierärztin, ergänzende Impfmaßnahmen stets individuell zu prüfen. Ob Kokzidien, Infektiöse Bronchitis oder bakterielle Erreger wie E. coli und Pasteurellen: Für viele Mobilstallbetriebe können solche Impfungen wertvolle zusätzliche Stabilität schaffen. Entscheidend sei, das Impfprogramm immer an Standort, Jahreszeit und Gefährdungslage auszurichten.
Parasiten als ständiger Begleiter
Auch wenn Impfungen einen wichtigen Schutz bieten, wird ihr Nutzen maßgeblich vom allgemeinen Gesundheitszustand der Tiere beeinflusst und dieser hängt im Mobilstall in besonderem Maße von der Parasitenlage ab.
Böhland erläuterte, dass Spulwürmer und Haarwürmer im Mobilstall regelmäßig auftreten können. Die Tiere nehmen die Wurmeier über den Auslauf auf, und je nach Bodenfeuchte, Witterung und Weidennutzung kann der Parasitendruck erheblich schwanken. Die Folgen reichen von Darmentzündungen über Schalenprobleme bis hin zu verminderter Leistung. Entscheidend sei daher, Kotproben systematisch auszuwerten und Entwurmungsstrategien konsequent umzusetzen.
Noch gravierender kann sich ein Befall mit der Roten Vogelmilbe auswirken. Die Präsentation zeigte eindrücklich, wie schnell sich diese Milbe bei Temperaturen zwischen 20 und 30 °C vermehren kann – ein Bereich, der in Mobilställen häufig erreicht wird. Da die Milbe tagsüber in Spalten und Ritzen verborgen bleibt, wird ihr Befall oft spät erkannt. Im fortgeschrittenen Stadium führen Blutverluste, Stress und verminderte Futteraufnahme zu einem Leistungsabfall, der die gesamte Herde destabilisieren kann.
1Gesundheitsprobleme erkennen und richtig zuordnen
Dass sich Erkrankungen im Mobilstall nicht immer eindeutig zuordnen lassen, illustrierte Böhland anhand eines Fallbeispiels: Eine Herde mit zunächst guten Leistungen zeigte allmählich sinkende Futteraufnahme, kleinere und hellere Eier und steigende Verluste.
Auf den ersten Blick schien vieles möglich: von Futterproblemen über Technikstörungen bis hin zu infektiösen Ursachen. Erst die Kombination aus Untersuchungen, Parasitennachweisen und Betrachtung der Standortbedingungen brachte die Diagnose einer Histomoniasis. Die Erkrankung zeigte, wie schnell im Mobilstall mehrere Faktoren zusammenwirken können, beispielsweise feuchte Ausläufe, Wurmbefall, Sekundärinfektionen und Wetterlagen.
Impfprogramme als Teil eines größeren Ganzen
Impfungen entfalten ihren maximalen Nutzen nur dort, wo Fütterung, Wasserqualität, Klimamanagement, Hygiene und Parasitenkontrolle ineinandergreifen. Genau das sei im Mobilstall entscheidend, betonte Böhland: ein fein aufeinander abgestimmtes System, das Schwachstellen früh erkennt und Risiken begrenzt.
Das Impfen im Mobilstall ist damit mit keiner isolierten Maßnahme gleichzusetzen. Es ist ein präzise eingebetteter Bestandteil eines Gesamtmanagements, das von Tierbeobachtung über Stallhygiene bis zu Weidepflege reicht.
Die Mobilstallhaltung bringt durch wechselnde Standorte und stärkere Umwelteinflüsse besondere Herausforderungen für das Gesundheitsmanagement mit sich. Impfprogramme bilden dabei einen zentralen Baustein, müssen jedoch immer mit Hygiene, Parasitenkontrolle, guter Fütterung und sorgfältiger Tierbeobachtung kombiniert werden. Gesetzlich vorgeschrieben sind zwei Impfungen: gegen Newcastle Disease und gegen Salmonellen. Deren Durchführung und Dokumentation sind verpflichtend. Ergänzende Impfungen sowie konsequente Parasitenbekämpfung, insbesondere gegen Spulwürmer und die Rote Vogelmilbe, sind entscheidend für stabile Tiergesundheit und hohe Leistungsfähigkeit. Fallbeispiele zeigen, dass Erkrankungen im Mobilstall oft multifaktoriell entstehen und nur durch die systematische Analyse von Haltung, Parasiten und Umwelt sicher diagnostiziert werden können.
Newcastle Disease (ND):Impfung erfolgt grundsätzlich in der Aufzucht. Bei Herden, die länger als ein Jahr bleiben oder nur mit Lebendimpfstoff über das Trinkwasser geimpft wurden, ist eine Nachimpfung notwendig. Ein tierärztlich bestätigter Impfnachweis muss mitgeliefert und auf Verlangen vorgelegt werden.
Salmonellen:Die Impfung ist verpflichtend und findet ebenfalls in der Aufzucht statt. Ergänzende Impfungen sind in der Legepause oder während der Legephase möglich, abhängig vom eingesetzten Impfstoff. Auch hier ist ein Impfnachweis erforderlich.
Faktoren, die Impfprogramme maßgeblich beeinflussen:
Mobilställe sind aufgrund ihrer Offenheit stärker von Umweltfaktoren beeinflusst. Wechselnde Witterung, Kontakt zu Wildvögeln und variierende Bodenfeuchte erhöhen das Risiko für Parasiten, bakterielle Infektionen und virale Erreger. Besonders die Rote Vogelmilbe kann sich bei Temperaturen zwischen 20 und 30 °C innerhalb weniger Wochen massiv vermehren. Ein strukturiertes Parasiten- und Auslaufmanagement ist daher entscheidend für stabile Impfergebnisse.













